02.07.2018

Über 450 SchülerInnen hatten großes Interesse an Exkursionen des WING

Auf dem Stundenplan standen die moderne Landwirtschaft und konventionelle Geflügelhaltung.

VECHTA. Thematisch bietet die moderne konventionelle Geflügelwirtschaft viele Anknüpfungspunkte in unterschiedlichen Fächern. Um auch einen realen Einblick in die Nutztierhaltung und konventionelle Wirtschaftsweisen zu gewinnen, werden die Exkursionsangebote und Unterrichtsvorbereitungen zum Thema Geflügel vom WING (Wissenschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft) der Universität Vechta von Schulen gut angenommen. Gerade jeweils zu den Halbjahres- sowie Schuljahresübergängen lassen sich die Exkursionen gut in den Schulablauf einplanen.

Im Mai und Juni führte das WING in Kooperation mit Geflügelhaltern und –beratern 17 Stallbesuche für Grundschul-, Oberschul-, Integrierte und Kooperative Gesamtschulklassen und gymnasiale Oberstufenkurse durch. Die Klassenstufen der weiterführenden Schulen umfassten die Jahrgänge 6 bis 10. Die Fachbezüge bildeten Fächer wie Erdkunde, Hauswirtschaft, Biologie und Wirtschaft. Bei den Anfragen der Gymnasien stand überwiegend das Fach Erdkunde im thematischen Bezug zu moderner Landwirtschaft, ausgelöst durch Strukturwandel, Standortkonzentration und Spezialisierung. Ein Gymnasium aus Nordrhein-Westfalen befasste sich mit ähnlichem Zusammenhang im Rahmen der Sozialwissenschaften für das erhöhte Niveau.

Vom Ablauf gestalten sich die Einblicke in die moderne Geflügelwirtschaft durchaus individuell und angepasst an den Unterrichtsrahmen. Einen Geflügelbetrieb besuchten jedoch alle Klassen, um einmal hinter die Türen der modernen Tierhaltung zu blicken. Diese Gelegenheit ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, sich ein persönliches Bild von der Haltungsweise mehrerer tausend Tiere zu machen und sich das Stallmanagement vor Ort vom Geflügelhalter erklären zu lassen. In den besuchten Ställen befanden sich zumeist Tiere im fortgeschrittenen Maststadium wie Hähnchen und Pute, aber auch ein Putenaufzuchtstall wurde gezeigt. Die Klassen, die sich mit der Legehennenhaltung und Eiererzeugung befassten, sahen entweder Legehennen in Bodenhaltung oder Freilandhaltung. Auch ein Gänsebetrieb wurde von einer Klasse besucht, der in einem saisonalen und in sich geschlossenen Produktionsverlauf von der Elterntierhaltung, Brut, Jungtieraufzucht bis zur Mast, Schlachtung und Vermarktung von Fleisch und Federn wirtschaftet.

 Eierannahme bei Eifrisch in Lohne. Foto: U. Welting, WING

Eine Schulklasse in der Eierannahme bei Eifrisch in Lohne. Foto: U. Welting, WING

Das Team des WING führt jeweils vor und nach dem Stallbesuch eine anonyme Befragung in Form eines standardisierten Fragebogens durch. Hiermit sollen in der Vorbefragung die Kenntnisse und Erwartungen an einen Stallbesuch abgefragt werden. Durch die Nachbefragung wird dann erfasst, welchen Eindruck die Besucher im Geflügelstall gewonnen haben. In einer jährlichen Gesamtauswertung aller Bögen durch das WING entsteht ein repräsentatives Meinungsbild.

Nur mit Schutzkleidung geht es in den Mastgeflügelstall. Foto: U. Welting, WING

Etwa die Hälfte der Gruppen besuchte einen weiteren Standort aus dem Produktionsverbund der Geflügelwirtschaft. Das waren Schlachtereien und Geflügelfleisch verarbeitende Unternehmen, Mischfuttermühlen, Betriebe der Eiverpackung und Eisortierung bis zur anschließenden Weiterverarbeitung zu Eiprodukten. Die Schülerinnen und Schüler erhielten dadurch nicht nur Kenntnisse in Produktionsabläufe, sondern auch Einblicke in Arbeitsfelder wie beispielsweise die eines Müllers, der heutzutage in hochmodernen vollautomatisierten Futtermühlen überwiegend an Monitoren arbeitet. Insofern hat sich auch die immer noch geläufige Berufsbezeichnung „Müller“ in „Verfahrenstechnologe/ Verfahrenstechnologin in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft VTMF“ gewandelt.

Die geschilderten Eindrücke der Schülerinnen und Schüler, wie auch der Lehrerinnen und Lehrer fielen sehr unterschiedlich aus. Dies liegt vorwiegend an den unterschiedlichen Geflügelarten und der verschiedenen Haltungsformen, die gesehen wurden. Hier spielt in der Bewertung das Alter der Tiere bei der Mast eine große Rolle. Am Ende einer Mast, kurz vor Ausstallung wirkt der Stall in Augenhöhe voll. Dieser Eindruck entstand eher nicht im Legehennenstall mit Boden- oder Freilandbereich, wo die Hennen sich nicht nur auf die Fläche verteilt, sondern auch auf unterschiedlichen Etagen in offenen Volierensystemen bewegen können. Deshalb wünschen sich die Besucher im Rahmen der Befragung mehr Platz für die Geflügelmast.

Nur mit Schutzkleidung ging es in den Mastgeflügelstall. Foto: U. Welting, WING

Speziell für das Masthähnchen werden Auslauf im Freigelände ohne künstliche Belüftung und Lichtsteuerung angesprochen. Aber auch für die Bodenhaltung bei Legehennen wird von den Besuchern mehr Platz und natürliche Umgebung, wie Tageslicht und Freilufthaltung, vorgeschlagen.

Im Ganzen haben die Jugendlichen und Pädagogen ein positives Bild von der modernen Nutztiergeflügelhaltung und Lebensmittelerzeugung gewonnen. Die Haltung und Versorgung der Tiere durch den Landwirt hat das Vertrauen in die Wirtschaftsweise und das erzeugte Primärprodukt gestärkt. Einen positiven Eindruck hat bei den Gruppen auch die hohe Achtsamkeit auf Hygiene und Nachhaltigkeit im Bereich der Futtermittelherstellung und Frischfleischerzeugung hinterlassen. Der ein oder andere Jugendliche wird zukünftig mit gestiegenem Bewusstsein sein Geflügelfleisch oder Frühstücksei verzehren.

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