28.03.2018

Studienreise in die USA zur Entwicklung der Eiererzeugung

Herr Prof. Windhorst, Sie haben im März eine Studienreise in die USA unternommen, um sich über die Entwicklung der Eiererzeugung in käfiglosen Anlagen, die Entwicklung der Eierpreise, die Vermarktungsformen und die Herausforderung an die Eierwirtschaft zu informieren. Welches waren die wichtigsten Ergebnisse der Reise?

Frage: Wie groß ist die Zahl der in käfiglosen Anlagen gehaltenen Legehennen?

Seit der Erklärung führender Lebensmittel- und Restaurantketten, ab 2025 keine Eier aus konventioneller Käfighaltung mehr zu listen bzw. zu verwenden, hat die Zahl der Legehennen, die in käfiglosen Anlagen gehalten werden, schnell zugenommen. Im Februar 2018 waren insgesamt 51,9 Mio. Hennen in käfiglosen Anlagen eingestallt, was 15,6 % der Gesamtbestände der USA entsprach. Davon entfielen auf die Erzeugung von Bioeiern 15 Mio. Hennen und auf sonstige käfiglose Anlagen 36,9 Mio.

Frage: Wie ist die gegenwärtige Preissituation auf dem US-amerikanischen Eiermarkt?

Zunächst muss festgehalten werden, dass die regionalen Unterschiede in den Eierpreisen sehr viel größer sind als in Deutschland oder der EU. Dazu kommt, dass der Unterschied zwischen den Eierpreisen je nach Haltungsform der Hennen ebenfalls weitaus größer ist als in Deutschland. So wurden für weiße Eier der Größenklasse Large in Florida zwischen 0,74 $/ Dutzend (Aldi) und 1,69 $/Dutzend (Publix) verlangt. Dort, wo Läden von Aldi und Walmart, der größten Ladenkette der USA, direkt nebeneinander lagen, war offensichtlich ein Preiskampf entbrannt, denn Walmart bot ein Dutzend Eier dieser Größenklasse für 0,48 $/Dutzend an. Die Preise für Eier aus käfigloser Haltung (cage-free eggs) schwankten zwischen 2,29 $ und 2,79 $/Dutzend. Für Bioeier werden z.T. weitaus höhere Preise verlangt. So wurden sie von Publix für 3,29 $/Dutzend angeboten. Für sogenannte „pasture-raised eggs“, Eier von auf Grünland gehaltenen Hennen mit bis zu 10 m2 Auslauf pro Henne wurden über 4 $/Dutzend verlangt. Der höchste Eierpreis, der in einem Bioladen ausgewiesen war, lag bei 8,99$/Dutzend. Interessant ist, dass zunehmend der Preis pro Ei auf den Verpackungen ausgewiesen wird, was einen schnellen Preisvergleich ermöglicht.

Frage: Welches sind die größten Herausforderungen, denen sich die Eierwirtschaft der USA gegenwärtig gegenübersieht?

Die größte Herausforderung für die Eierproduzenten ist die Ungewissheit, wie sich in den kommenden Jahren der Anteil der Eier aus käfiglosen Anlagen entwickeln wird. Die Schätzungen gehen weit auseinander. Während die Branchenorganisation (United Egg Producers) Anfang 2017 den Anteil für das Jahr 2025 auf gut 70 % prognostizierte, wird gegenwärtig eher von einem Anteil von 30-40 % ausgegangen. Dieser deutlich geringere Wert ist darauf zurückzuführen, dass die Konsumenten nicht bereit sind, die höheren Preise für Eier aus käfigloser Haltung zu zahlen. Dazu kommt, dass es bislang keine einheitliche Definition von „cage-free“ gibt.

Eine zweite Herausforderung ist der Schutz der Legehennen vor dem Eindringen der hochinfektiösen Aviären Influenza. Die hohen Verluste im Sommer 2015 haben die Verbesserung der Biosicherheit in den Betrieben zur Folge gehabt, was z. T. mit hohen Kosten verbunden war.

Bemerkenswert ist, dass die in der EU und insbesondere in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion stehenden Fragen nach Verbot der Schnabelbehandlung von Legehennen zur Reduzierung des Federpickens und der Tötung männlicher Eintagsküken in den USA bislang nur von geringer Bedeutung sind. Überraschend war, dass selbst bei Leitern großer Legehennenfarmen über die neuen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung des Kükens vor oder zu Beginn des Brutprozesses keinerlei Informationen oder Kenntnisse vorhanden waren.

 

 

 

Quelle: WING
Foto: WING; H.-W. Windhorst

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