31.05.2018

Die Entwicklung der Legehennenhaltung und Eiererzeugung in Deutschland im zurückliegenden Jahrzehnt

Hans-Wilhelm Windhorst1

Schlagwörter: Legehennenhaltung; Eier; Eiererzeugung; Markt; Produktion; Haltungsformen

Als sich abzeichnete, dass in Deutschland konventionelle Käfige in der Legehennenhaltung bereits im Jahr 2010 verboten würden, also zwei Jahre früher als in den meisten anderen Ländern der EU, wurden anhaltende Proteste laut. Viele Eierproduzenten befürchteten, dass es zu einem starken Rückgang der Zahl der Legehennen und der Eiererzeugung kommen werde, was sich dann in zunehmenden Einfuhren von Eiern und Eiprodukten niederschlagen würde. In diesem Beitrag soll der Frage nachgegangen werden, ob die damals geäußerten Befürchtungen wirklich eingetreten sind.

Entwicklung der Legehennenhaltung und Eiererzeugung2

Eine genauere Analyse der Entwicklung der Zahl der Legehennen haltenden Betriebe, der Stallplätze, der Legehennenbestände und der Eiererzeugung zwischen 2007 und 2017 zeigt einige interessante Entwicklungen (Tabelle 1).

Zwischen 2007 und 2009 bzw. 2010 nahm die Zahl der Betriebe um 9,9 % ab, die installierten Hennenplätze lagen 2010 9,2 % unter denen von 2007, die Hennenbestände gingen um 17,9 % zurück und die Eiererzeugung um 16,4 %. Die gehegten Befürchtungen schienen sich zu erfüllen, denn auch die Einfuhren von Schaleneiern stiegen von 6,0 auf 8,3 Mrd. Stück an. Allerdings handelte es sich nur um einen kurzfristigen Rückgang in der Erzeugung und einen Anstieg der Importe. Die Daten in Tabelle 1 zeigen, dass die Zahl der Betriebe im betrachteten Zeitraum um 63,3 % zunahm. Die Hennenhaltungsplätze wuchsen um 22,3 %, die Bestände um 24,4 % und die Eiererzeugung sogar um 26,2 %. Ganz offensichtlich wurde der notwendige Umrüstungsprozess in den Haltungsformen genutzt, um die Zahl der Stallplätze zu erhöhen. Der schnelle Anstieg der Betriebszahl ist eine Folge der deutlichen Zunahme der Betriebe mit Freilandhaltung und ökologischer Haltung (Abb. 1). Während sie im Jahr 2007 nur einen Anteil von 29,5 % an der Gesamtzahl der Betriebe hatten, waren es 2017 bereits 52,1 %. Die Veränderung in den Anteilen an der Zahl der Legehennen war nicht so einschneidend, denn sie stiegen im betrachteten Zeitraum nur von 15,3 % auf 25,6 % an (Tabelle 2). Der Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass sowohl in der Freilandhaltung als auch in der ökologischen Haltung die Herdengrößen deutlich kleiner sind. Dies spiegelt sich auch in der Veränderung der Bestandsgrößen über alle Haltungsformen wider. Lag die Durchschnittsgröße im Jahr 2007 noch bei 33.135 Hennen, wurden 2017 nur noch 22.117 erreicht.

Abbildung 1:
Die Entwicklung der Zahl der Legehennen haltenden Betriebe und der Hennenhaltungsplätze in Deutschland zwischen 2002 und 2017
(Quelle: Destatis, verschiedene Jahrgänge; Entwurf: A. Veauthier)

Tabelle 1:
Die Entwicklung der Zahl der Legehennen haltenden Betriebe, der Zahl der Hennenplätze, der eingestallten Legehennen und der Eiererzeugung zwischen 2007 und 2017 (Quelle: Destatis 2008 und 2018, MEG 2017)

Tabelle 2:
Veränderung der Anzahl der Legehennen haltenden Betriebe und der Haltungsplätze zwischen 2007 und 2017 nach Haltungsformen; Angaben in % (Quelle: Eigene Berechnungen nach Destatis 2008 und 2018)


* Ein Betrieb kann mehrere Haltungsformen aufweisen. Sie werden getrennt gezählt.
** Schließt ausgestaltete Käfige ein.

Deutschland weist von allen Mitgliedsländern der EU die größte Zahl an Legehennen in Bodenhaltung auf. Dies ist auf eine interessante Entwicklung im Gefolge der Umstellung von der konventionellen Käfighaltung auf alternative Haltungsformen zurückzuführen. Während der Umstellung, die zunächst stark auf die Kleinvoliere ausgerichtet war, entschieden führende Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, keine Eier mit der Printung „3“ mehr zu listen. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass der Konsument nicht entscheiden könne, ob die Eier aus noch zugelassener konventioneller Käfighaltung in anderen Mitgliedsländern der EU stammten oder aus Kleinvolieren bzw. ausgestalteten Käfigen, die ebenfalls die Printung „3“ aufwiesen. Ein entscheidender Grund dürfte allerdings der massive Druck von Tierschutzorganisationen gewesen sein, die argumentierten, auch der ausgestaltete Käfig bzw. die Kleinvoliere wären nicht tiergerecht. Deshalb sahen sich die Betriebe, die auf die Kleinvoliere gesetzt hatten, gezwungen, auf die Boden- oder Freilandhaltung auszuweichen.

Wie man aus Tabelle 1 entnehmen kann, ging die Eiererzeugung zwischen 2007 und 2010 um nahezu 1,6 Mrd. Eier zurück, was den bereits erwähnten schnellen Anstieg der Importe zur Folge hatte. Da die Umrüstung jedoch weitaus schneller vollzogen wurde als erwartet, stieg die Eiererzeugung in den Folgejahren wieder schnell an und lag 2011 bereits über dem Wert von 2007. Mit über 12 Mrd. Eiern wurde 2017 ein neuer Höchstwert erreicht.

Tabelle 3:
Hennenplätze und Eiererzeugung getrennt nach Haltungsformen im Jahr 2017*
(Quelle: Destatis 2018)


* Stand jeweils am 31. 12. 2017
** Ein Betrieb kann mehrere Haltungsformen aufweisen. Sie werden getrennt gezählt.
*** Schließt ausgestaltete Käfige ein.

Tabelle 3 dokumentiert die Verteilung der Hennenplätze und der Eiererzeugung getrennt nach den Haltungsformen. Nahezu 63 % aller in Deutschland erzeugten Eier stammen aus Betrieben mit Bodenhaltung. Die Haltung in Kleinvolieren und ausgestalteten Käfigen verliert zunehmend an Bedeutung. Etwas mehr als 28 % der Eiererzeugung entfallen auf Betriebe mit Freilandhaltung oder ökologischer Haltung.

Durch die große Zahl an neu entstandenen Betrieben mit Freilandhaltung und ökologischer Haltung hat sich die Verteilung der Eiererzeugung auf die einzelnen Größenklassen zwischen 2007 und 2017 deutlich verändert. Im Jahr 2007 entfielen 23,7 % der Eiererzeugung auf Betriebe mit Herdengrößen von 3.000 bis 30.000 Tieren, im Jahr 2017 waren es bereits 30,4 % (Tabelle 4). Der Grad der sektoralen Konzentration hat durch die Umstellung auf alternative Haltungsformen also abgenommen.

Tabelle 4:
Legehennenhaltung und Eiererzeugung nach Größenklassen (2017) (Quelle: Destatis 2018)


* Rundungsfehler

Es kann als Zwischenergebnis festgehalten werden, dass der zunächst befürchtete deutliche Rückgang der Zahl der Legehennen und der Eiererzeugung nicht erfolgt ist, sondern eine gegenteilige Entwicklung eintrat. Sowohl die Zahl der gehaltenen Legehennen und der Umfang der Eiererzeugung nahmen deutlich zu. Eine besonders dynamische Entwicklung erfolgte bei den Betrieben mit ökologischer Haltung. Aufgrund der steigenden Nachfrage entstanden zahlreiche Betriebe mit kleinen Herdengrößen. Dies hatte zur Folge, dass der Durchschnittsbestand über alle Haltungsformen um etwa ein Drittel abgenommen hat.

Unterschiedliche Dynamik auf der Ebene der Bundesländer

In einem weiteren Schritt soll der Frage nachgegangen werden, wie sich das Verbot der konventionellen Käfighaltung und die Umstellung auf alternative Haltungsformen auf die Entwicklung der Legehennenbestände und die Eiererzeugung in den einzelnen Bundesländern ausgewirkt hat.

Tabelle 5 zeigt, dass sich sowohl die Zahl der Legehennen haltenden Betriebe als auch die der eingestallten Legehennen zwischen 2007 und 2017 in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich entwickelt hat. Die Zahl der Betriebe hat besonders deutlich zugenommen in Niedersachsen (+ 200), Bayern (+ 136) und Nordrhein-Westfalen (+ 57). Deutlich geringere Veränderungen sind in Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu verzeichnen. Während die Betriebszahl in allen Bundesländern angestiegen ist, gilt dies nicht für die Eiererzeugung. Die absolut höchste Zunahme im Produktionsvolumen weisen Niedersachsen (+ 4,6 Mrd.), Nordrhein-Westfalen (+ 1,7 Mrd.), Mecklenburg-Vorpommern (+ 635 Mio.) und Bayern (+ 470 Mio.) auf, demgegenüber hat die Erzeugung in Thüringen um 210 Mio. und in Hessen um 190 Mio. Stück abgenommen. Die höchste relative Zunahme weisen Rheinland-Pfalz mit 59,3 %, Nordrhein-Westfalen mit 57,7 %, Niedersachsen mit 42,3 % und Mecklenburg-Vorpommern mit 39,8 % auf. Die stärkste relative Abnahme erfolgte mit 16,2 % in Hessen, gefolgt von Thüringen mit 12,2 % und Sachsen mit 11,2 %. Die unterschiedliche Dynamik in den alten und neuen Bundesländern ist offensichtlich.

Tabelle 5:
Entwicklung der Zahl der Legehennen haltenden Betriebe und der eingestallten Legehennen in den Bundesländern zwischen 2007 und 2017
(Quelle: Destatis 2008 und 2018)


k. D. aus Datenschutzgründen
* Inklusive Stadtstaaten

Tabelle 6 dokumentiert die Entwicklung der Eiererzeugung in den Bundesländern zwischen 2007 und 2017 und die Veränderung der Anteile an der deutschen Gesamterzeugung. Das bei der Analyse der Entwicklung der Legehennenbestände bereits erkannte Muster wiederholt sich bei der Eiererzeugung. Mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern hat der Anteil der neuen Bundesländer an der Gesamterzeugung in Deutschland abgenommen. Dies trifft auch für Brandenburg zu, das trotz einer Steigerung der Produktion 0,7 % an Anteilen verloren hat. Die höchste absolute und relative Zunahme weisen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf. In Niedersachsen ist das Produktionsvolumen um etwa 1,3 Mrd. Stück gestiegen, der relative Anteil um 3,1 %, in Nordrhein-Westfalen um 537 Mio. bzw. 2,7 %.
Die höchsten Produktionseinbußen weisen Sachsen mit 112 Mio. Hessen mit 79 Mio. und Thüringen mit 65 Mio. Stück auf. Ihre Anteile an der Gesamterzeugung sind um 3,1 %, 1,6 %. bzw. 1,4 % zurückgegangen. Abbildung 2 zeigt die räumliche Verteilung der Legehennenbestände und der Eiererzeugung nach Bundesländern im Jahr 2017.

Abbildung 2:
Leghennen und Eiererzeugung in Betrieben mit mindestens 3.000 Haltungsplätzen in den deutschen Bundesländern im Jahr 2017
(Quelle: Destatis 2018; Entwurf: A. Veauthier)

Tabelle 6:
Entwicklung der Eiererzeugung und der Anteile an der deutschen Gesamterzeugung in den Bundesländern zwischen 2007 und 2017
(Quelle: Destatis 2008 und 2018)


k. D. aus Datenschutzgründen
* Inklusive Stadtstaaten

Eine Analyse der Verteilung der Betriebe nach Haltungsformen und Bundesländern ergibt folgendes Bild (Tab. 7). Von den 1.781 Betrieben hielten im Jahr 2017 1.281 Legehennen in Bodenhaltung und 539 in Freilandhaltung. Eine ökologische Haltung wiesen 412 Betriebe auf und nur noch 106 hatten Hennen in Kleinvolieren oder ausgestalteten Käfigen eingestallt. Hierbei ist zu beachten, dass unterschiedliche Haltungsformen in einem Betrieb getrennt gezählt werden. Niedersachsen wies bei allen Haltungsformen, ausgenommen sind Kleinvolieren und ausgestaltete Käfige, die höchste Betriebszahl auf. Bei den Kleinvolieren und ausgestalteten Käfigen lag Nordrhein-Westfalen an erster Stelle. In den neuen Bundesländern war diese Haltungsform nur noch in ganz wenigen Betrieben vorhanden.

Tabelle 7:
Entwicklung der Anzahl der Betriebe* nach Haltungsformen in den Bundesländern (2017)
(Quelle: Destatis 2018)

k. D. aus Datenschutzgründen
* Ein Betrieb kann mehrere Haltungsformen aufweisen. Sie werden getrennt gezählt.
** Schließt ausgestaltete Käfige ein.
*** Inklusive Stadtstaaten

Als weiteres Zwischenergebnis kann festgehalten werden, dass die Entwicklung der Legehennenbestände und der Eiererzeugung im hier betrachteten Zeitraum große Unterschiede aufweist. Mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern hat in allen neuen Bundesländern die Zahl der gehaltenen Legehennen abgenommen. In den alten Bundesländern trifft dies nur auf Hessen zu. Dieses Bild spiegelt sich in der Eiererzeugung wider. Hier konnte ebenfalls nur Mecklenburg-Vorpommern seinen Anteil an der deutschen Gesamterzeugung ausweiten, Brandenburg büßte trotz gestiegenen Produktionsvolumens 0,7 % seines Anteils von 2007 ein. Niedersachsen konnte seine Spitzenstellung weiter festigen und stellte 2017 38,9 % der deutschen Eiererzeugung, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 11,4 %. Auf diese beiden Bundesländer entfielen 50,3 % aller in Deutschland erzeugten Eier. Die Hochburgen haben folglich auch nach der Umstrukturierung der Haltungsformen ihre Spitzenpositionen nicht nur halten, sondern weiter ausbauen können.

Kurzfristig starker Anstieg der Eierimporte

Durch die Neuausrichtung der Legehennenhalter nach der Entscheidung führender Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, keine Eier mit der Printung „3“ mehr zu listen, kam es im Jahr 2010 zu einem Rückgang des Selbstversorgungsgrades auf nur noch 55,1 % und einem starken Anstieg der Eierimporte (Abb. 3). Die Einfuhren stiegen von 6,1 Mrd. im Jahr 2008 auf zunächst 7,5 Mrd. im Folgejahr und dann auf 8,3 Mrd. im Jahr 2010 an. Von dieser steigenden Nachfrage profitierten zunächst vor allem die Niederlande, Polen und Spanien. Nach der erfolgreichen Umstellung auf andere Haltungsformen gingen die Importe deutlich zurück und erreichten mit nur 5,9 Mrd. im Jahr 2013 den niedrigsten Wert. Danach kam es zu einem allmählichen Anstieg, der vor allem durch den wachsenden Pro-Kopf-Verbrauch von 221 Eiern im Jahr 2013 auf 231 Eier im Jahr 2016 bedingt war. Der Rückgang im Jahr 2017 war eine Folge des Fipronilskandals in den Niederlanden. Sie blieben jedoch weiterhin das führende Lieferland, gefolgt von Polen und Belgien. Spanien konnte die im Jahr 2010 erreichte Marktstellung nicht behaupten und stellte 2017 nur noch 1,3 % der deutschen Einfuhren (Tab. 8).

Abbildung 3:
Die Entwicklung des Selbstversorgungsgrades für Schaleneier zum Verzehr und der Eierimporte Deutschlands zwischen 2002 und 2017
(Quelle: MEG Marktdaten, verschiedene Ausgaben; Entwurf: A. Veauthier)

Tabelle 8:
Die deutschen Einfuhren von Schaleneiern zum Verzehr getrennt nach Lieferländern in den Jahre 2010 und 2017; Angaben in Mio. Stück
(Quelle: MEG Marktbilanz 2011, MEG Marktinfo Eier V/2018)


* Rundungsfehler

Fazit

Die vorangehende Analyse konnte zeigen, dass die Befürchtungen, durch das Verbot der konventionellen Käfighaltung von Legehennen werde es zu einem starken Rückgang in den Legehennenbeständen und der Eiererzeugung kommen, sich nicht bewahrheitet haben. Es ist im Gegenteil zu einer Erhöhung der Bestandszahlen und auch der Eiererzeugung gekommen. Zwar ist es im Gefolge der Umrüstung auf alternative Haltungsformen kurzfristig zu einem deutlichen Anstieg der Eierimporte gekommen, doch hat sich sehr schnell das Einfuhrvolumen wieder auf den vorher vorhandenen Wert eingependelt. Im Rückblick ist festzuhalten, dass die deutsche Eierwirtschaft eher gestärkt aus dem Prozess einer Neuorientierung in den Haltungsformen hervorgegangen ist.

 

1Der Verfasser ist Prof. i. R und Wissenschaftlicher Leiter des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltig Geflügelwirtschaft (WING) der Universität Vechta
2Die nachfolgende Untersuchung bezieht sich ausschließlich auf Betriebe mit mindestens 3.000 Hennenplätzen.

 


Datenquellen

Destatis (Hrsg.): Land und Forstwirtschaft, Fischerei, Fachserie 3, Reihe 4.2.3 Geflügel. Wiesbaden 2008.

Destatis (Hrsg.): Land und Forstwirtschaft, Fischerei, Fachserie 3, Reihe 4.2.3 Geflügel. Wiesbaden 2018.

MEG-Marktbilanz Eier und Geflügel. Bonn. Verschiedene Ausgaben.

MEG Marktdaten für die Eierbranche V/2018. Bonn 2018.


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