08.12.2017

Der wirtschaftliche Schaden des Fipronil-Skandals für die niederländische Eierwirtschaft

Wissenschaftler der Universität Wageningen haben die bis zum Jahresende eintretenden wirtschaftlichen Verluste in einer Studie ermittelt1.

WAGENINGEN. Der Fipronilskandal, der im Sommer 2017 vor allem die niederländischen Eierproduzenten und die vor- und nachgelagerten Industrien betraf, kann inzwischen hinsichtlich des verursachten Schadens abgeschätzt werden. Wissenschaftler der Universität Wageningen haben im Oktober 2017 eine Studie veröffentlicht, in der sie die bis zum Jahresende eintretenden wirtschaftlichen Verluste ermittelt haben. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie werden in diesem Bericht vorgestellt.

Der wirtschaftliche Gesamtschaden, der durch den Fipronilskandal in der gesamten Produktionskette bis Ende 2017 auftreten dürfte, wird auf 65-75 Mio. € geschätzt. Davon entfallen 35-45 Mio. € auf die Legehennenbetriebe, 15-20 Mio. € auf die Eierpackstellen, 5-10 Mio. € auf die Eiproduktenindustrie und 2–2,5 Mio. € auf die Brütereien und Aufzuchtbetriebe.

Der wirtschaftliche Schaden in den etwa 200 Legehennenbetrieben setzt sich zusammen aus dem Handelsverbot, die vorzeitige Tötung der Bestände, Mauser (Entgiftung durch eine spezielle Fütterung) und der vorzeitigen Tötung nach erfolgloser Mauser. Man hatte angenommen, dass nach erfolgter Mauser und erneutem Legebeginn die erzeugten Eier frei von Fipronil sein würden. Dies war jedoch nicht der Fall, so dass diese Herden dann ebenfalls gekeult wurden. Der auftretende wirtschaftliche Schaden auf den Eier produzierenden Betrieben setzt sich zusammen aus 9 Mio. € durch das Handelsverbot, 10 Mio. € durch vorzeitiges Töten der Herden in einem Durchschnittsalter von 60 Wochen, 9 Mio. € durch die neunwöchige Mauser und 14 Mio. € durch die vorzeitige Tötung der Herden in einem Durchschnittsalter von 49 Wochen nach erfolgloser Mauser.

Die eingetretenen Schäden auf den Legehennenbetrieben wiesen große Unterschiede auf. War nur ein Handel der Eier nicht möglich, trat im Durchschnitt ein Schaden von 39.000 € auf, kam eine Mauser hinzu, belief sich der Schaden auf 120.000 €. Wenn die betroffenen Herden gekeult werden mussten, erreichten die wirtschaftlichen Einbußen einen Umfang von 203.000 €. Wenn die Mauser keinen Erfolg zeigte, die Eier weiterhin mit Fipronilrückständen belastet waren und die Herden trotzdem gekeult werden mussten, konnte der Schaden bis auf mehr als 360.000 € ansteigen. Betriebe mit Freilandhaltung und Biobetriebe waren weniger betroffen.
Der Produktionsausfall und der lange Leerstand der Betriebe hat zu großen Liquiditätsproblemen geführt. Die meisten Legehennenhalter hatten finanzielle Rücklagen gebildet, die aber entweder schon aufgebraucht sind oder beträchtlich dezimiert worden sind. Dies hat zur Folge, dass nun zumeist keine Rücklagen mehr vorhanden sind, um Investitionen zu tätigen oder für Phasen niedriger Eierpreise gewappnet zu sein. Die größten Liquiditätsprobleme liegen bei den Haltern vor, die nach erfolgloser Mauser die Herden vorzeitig töten mussten.

Der Produktionsausfall bei den etwa 200 Farmen hat zu einer deutlichen Eierverknappung geführt, so dass die Marktpreise sehr stark angestiegen sind, z. T. haben sie sich verdreifacht. Von diesen hohen Preisen können allerdings nur die Betriebe profitieren, die sich nicht durch Verträge längerfristig gebunden haben. Die anderen müssen mit ihren Problemen entweder zurechtkommen oder sogar ihren Betrieb veräußern. Die Preise im Lebensmitteleinzelhandel sind in den zurückliegenden Wochen um 30 – 40 % gestiegen. Diese Hochpreisphase wird nach Einschätzung der Wageninger Wissenschaftler bis mindestens April 2018 anhalten.

Ein weiteres Problem, das bislang noch nicht in die Berechnung der wirtschaftlichen Verluste Eingang gefunden hat, ist das der Beseitigung der Einstreu und des Geflügelkotes. Weil ein Ausbringen auf landwirtschaftliche Nutzflächen verboten ist, müssen sie verbrannt werden. Hierfür reichen die vorhandenen Kapazitäten allerdings gegenwärtig nicht aus.

Wann die z. Z. noch leestehenden Ställe wieder belegt werden können, ist noch offen, weil ganz offensichtlich weiterhin Rückstände vorhanden sind, die eine Aufnahme der Produktion unmöglich machen.

Die Auswirkungen auf den deutschen Eiermarkt sind ebenfalls beträchtlich, weil die Niederlande das Hauptlieferland für die deutschen Importe sind. In der 49. Kalenderwoche stiegen die Marktpreise für braune Eier der Größenklasse 2 aus Bodenhaltung auf über 15 Cents/Stück an. Hiervon konnten in Deutschland jedoch ebenfalls nur die Betriebe profitieren, die nicht vertraglich gebunden waren. Die Handelsströme für Schaleneier zum Verzehr haben sich ebenfalls verändert. Frankreich, Spanien und Polen haben von der Situation profitieren können, z. T. werden auch Konsumeier aus der Ukraine eingeführt, um den deutschen Bedarf zu decken.

(Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst)

 

1Der Bericht basiert auf der Untersuchung von: Van Horne, P., van der Meulen, H. en A. Wirsman: Indicatie economische gevolgen fipronilaffaire voor de pluimveesector. Wageningen 2017.