31.08.2018

Legehennenhalter stehen vor historischem Kostendruck


„Handel muss sich bewegen und höhere Preise zahlen“

BERLIN. Die deutschen Legehennenhalter haben aktuell mit erheblich höheren Kosten in der Erzeugung von Eiern zu kämpfen als noch vor Jahresfrist. Um bis zu 15 Prozent seien die Erzeugungskosten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, beziffert Henner Schönecke, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsches Ei e. V. (BDE), den finanziellen Mehraufwand für die Branche. Die heutige Sitzung des BDE-Vorstands in Berlin nimmt der Spitzenverband der deutschen Eierwirtschaft zum Anlass, auf den enormen Kostendruck bei den Erzeugern aufmerksam zu machen – und vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ein entsprechendes Entgegenkommen beim Abschluss neuer Verträge einzufordern. „Man kann den aktuellen Kostendruck als historisch bezeichnen“, sagt BDE-Chef Schönecke mit Blick auf zuletzt dramatisch gestiegene Futterpreise, höhere Tierwohl-Aufwendungen aufgrund der unkupierten Schnäbel der Legehennen sowie kontinuierlich steigende Kosten für Logistik, Dienstleister und Löhne.
„Entsprechend muss sich hier auch der Handel bewegen und einen Teil der Kosten mittragen. Es geht nicht an, dass allein wir als Erzeuger darauf sitzen bleiben.“

„Handel konterkariert die erheblichen Tierwohl-Anstrengungen der Branche“

Hintergrund sind die aktuell laufenden Ausschreibungen für die in der Eierwirtschaft üblichen Jahreskontrakte zwischen Erzeugern und LEH, die jeweils für zwölf Monate die Abnahmepreise festschreiben. Der Handel ist dabei offenbar nicht bereit, die Tierwohl- Anstrengungen der Branche und die zusätzlichen Kosten in angemessener Weise zu würdigen; dem Vernehmen nach will der LEH sogar weniger zahlen als im vergangenen Jahr. „Damit konterkariert der Handel auch die erheblichen Anstrengungen der deutschen Legehennenhalter in Sachen Tierwohl, die gesellschaftlich und politisch gewollt sind“, sagt BDE-Vorsitzender Henner Schönecke. Er sieht den Handel in der Pflicht, die gestiegenen Kosten durch höhere Abnahmepreise anzuerkennen, zumal ein Großteil der Kosten auf externen Einflüssen wie der extremen Dürre mit teils dramatischen Ernteausfällen beruht, die von der Branche nicht zu verantworten sind. „Diese zusätzlichen Kosten können nicht allein von uns Legehennenhaltern getragen werden. Hier ist die Solidarität der gesamten Kette gefragt.“

Die lang anhaltende Dürre in weiten Teilen Deutschlands mit historisch schlechten Getreideernten ist für die Legehennenhalter nicht der einzige Grund für die erheblichen Kostensteigerungen. Für konkret fünf Bereiche benennt BDE-Vorsitzender Henner Schönecke höhere Erzeugungskosten:

  • Futter: Aufgrund der Dürre und der Ernteausfälle ist das Futter knapp und teuer. Die Kosten für die Tonne Mischfutter liegen um 50 bis 60 Euro über dem Vorjahrespreis. Etliche Futtermühlen haben derzeit Probleme, die erforderlichen Futterkomponenten überhaupt in ausreichender Zahl zu besorgen. Da die Kosten für Futter einen erheblichen Teil der Gesamtkosten der Eiererzeugung ausmachen, wirkt sich dieser Faktor signifikant auf die Erzeugungspreise aus. Pro Ei haben die Legehennenhalter mit 0,3 bis 0,5 Cent höheren Kosten zu kämpfen.
  • Tierwohl: Seit Anfang 2017 werden in Deutschland nur noch Legehennen mit unkupierten Schnäbeln eingestallt. Der Verzicht auf das Schnabelkürzen bedeutet für die deutschen Legehennenhalter einen erheblichen zusätzlichen Managementaufwand und höhere Kosten für zum Beispiel Beschäftigungsmaterialien. Dies schlägt sich dauerhaft in höheren Erzeugungskosten für Eier nieder.
  • Kosten für Entsorgung von Hühnermist: Durch die Düngerechtsnovelle mit ihrer Stoffstrombilanz stehen die Legehennenhalter in einigen Regionen Deutschlands vor erheblichen Schwierigkeiten, den Hühnertrockenkot loszuwerden. Bekamen sie noch vor Jahresfrist den Kot mit gutem Geld bezahlt, müssen sie heute regional teilweise ordentlich drauflegen. Verstärkt wird diese Thematik durch die niedrigeren Ernteerträge in diesem Jahr, die entsprechend weniger Düngemitteleinsatz zulassen.
  • Logistik: Auch die Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen zum 1. Juli dieses Jahres wirkt sich auf die Kosten der Eiererzeugung aus.
  • Dienstleister und Löhne: Durch übergeordnete Regelungen wie den Mindestlohn sind auch Löhne und Personalkosten für Dienstleister (Einstallen, Ausstallen, Stallreinigung etc.) erheblich angestiegen.

 

Kontakt:

ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.
Christiane von Alemann
Claire-Waldoff-Str. 7
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Tel. 030 288831-40 | Fax 030 288831-50
E-Mail: c.von-alemann@zdg-online.de
Internet: www.zdg-online.de

Quelle:  ZDG Pressemitteilung, 30.08.2018
Bild: S. Freiwald für WING

 

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