13.06.2019

Klöckner: Kükentöten ist ethisch nicht vertretbar

Statement der Bundesministerin Julia Klöckner zum heutigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Kükentöten

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: „Meine Position zum Kükentöten ist schon lange klar: Ethisch ist es nicht vertretbar, diese Praxis muss so schnell wie möglich beendet werden. Mit insgesamt über acht Millionen Euro fördere ich mit meinem Ministerium daher mehrere Verfahren und Initiativen, die das zukünftig überflüssig machen. Dazu zählt die Aufzucht und Haltung männlicher Küken aus Legelinien, so genannte ‚Bruderhähne‘ oder ‚Zweinutzungshühner‘, die wir voranbringen. Sie sind auf dem Markt, der Verbraucher hat bereits heute die Wahl.

Ein Durchbruch ist vergangenes Jahr zudem mit einem Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei gelungen - weibliche Küken werden hier ausgebrütet, männliche nicht. Mit fünf Millionen Euro haben wir die Entwicklung gefördert, in der Praxis kommt es bereits zur Anwendung. Es ist auf dem Weg zur Serienreife, wird den Brütereien bald flächendeckend zur Verfügung stehen.

Alternativen stehen also zur Verfügung. Sie müssen aber auch rasch angewendet werden, um das Kükentöten schnellstmöglich zu beenden. Verbände und Unternehmen nehme ich hier in die Pflicht, habe die klare Erwartungen an sie, tätig zu werden. Mit Vertretern der Wissenschaft werde ich sie daher zeitnah an einen runden Tisch zusammenholen.

Miteinbezogen werden müssen aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher. Mit ihrer Kaufentscheidung haben sie es letztlich mit in der Hand, ob sich innovative Verfahren durchsetzen oder immer mehr Eier importiert werden.“

Ergänzende Informationen:

Zu den unterschiedlichen Verfahren der Geschlechterbestimmung im Ei:

  • Wie bereits geschrieben, ist das endokrinologische Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei bereits im Einsatz und auf dem Weg zur Serienreife. Hierbei werden die Eier etwa neun Tage lang bebrütet. Dann wird von jedem Ei etwas Flüssigkeit gewonnen, ohne dass das Ei-Innere berührt wird. An diesen Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt. Nach unserer Kenntnis schlüpfen mit Hilfe dieses Verfahrens derzeit 30.000 Gebrauchslegeküken pro Woche.
  • Eine weitere Möglichkeit ist das spektroskopischen Verfahren. Hier werden die Eier etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt. Auf Grundlage der BMEL-Förderung verfolgt das Unternehmen Agri Advanced Technologies GmbH (AAT) nach eigenen Angaben das Ziel, das spektroskopische Verfahren serienreif zu machen.
  • Daneben fördern wir als Ministerium auch weitere Alternativen, um das Töten männlicher Küken zu vermeiden, wie die Haltung so genannter ‚Zweinutzungshühner‘. Hierbei werden die Hennen zur Eierproduktion genutzt und die Hähne gemästet. Hennen dieser Rassen legen weniger und teilweise kleinere Eier als konventionelle Legehennen. Zudem wachsen Hähne aus Zweinutzungsrassen langsamer und weisen einen kleineren Brustmuskel auf als konventionelle Masthühner. Unter anderem aus diesen Gründen hat sich diese Alternative am Markt noch nicht durchgesetzt, auch nicht beim Verbraucher. In einem vom unserem Ministerium geförderten Verbundprojekt haben wir nun verschiedene Aspekte der Haltung von Zweinutzungshühnern gemeinsam mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen untersucht. Die Projektlaufzeit endete am 31. März 2019. Die erhobenen Daten und Ergebnisse werden derzeit verarbeitet und ausgewertet.
  • Eine weitere mögliche Alternative ist die Aufzucht der männlichen Küken von Legelinien, was im Rahmen diverser Bruderhahn-Initiativen praktiziert wird. Bei solchen Initiativen werden die männlichen Küken aufgezogen und gemästet, das Fleisch wird weiter verarbeitet. Derzeit beliefern diese Bruderhahn-Initiativen in erster Linie den ökologischen Markt.
  • Für die Entwicklung weiterer Alternativen zum Töten von männlichen Küken aus Legelinien wie ‚Bruderhähne‘ und ‚Zweinutzungshühner‘ hat unser Ministerium rund 2 Millionen Euro bereitgestellt.

 

Quelle: Presseinformation des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, PM 122/19, 13.06.2019

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