21.01.2019

Klöckner auf dem GFFA: „Die Entscheidung zur Einrichtung eines internationalen Digitalrates ist ein Durchbruch!“

In ihrem GFFA-Abschlusskommuniqué haben sich Agrarminister aus 74 Ländern erstmals auf ein abgestimmtes Vorgehen geeinigt.

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat am vergangenen Samstag im Rahmen ihres Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) die internationale Agrarministerkonferenz, der Höhepunkt des GFFA, eröffnet. Noch nie zuvor sind so viele Länderdelegationen und internationale Organisationen der Einladung der Bundesministerin gefolgt. Thema der Konferenz: Die Digitalisierung in der weltweiten Landwirtschaft. Diese kann helfen, eine zunehmende Weltbevölkerung effektiver zu ernähren, aber dabei stärker Ressourcen zu schonen.

Bundeslandwirtschaftsministerin, Julia Klöckner:
„Es gibt ein Recht auf Nahrung für jeden Menschen auf der ganzen Welt. Denn ein hungriger Magen findet keinen Frieden. Aber es gibt viele Zielkonflikte: Bis 2050 werden wir über zwei Milliarden mehr Menschen satt machen müssen und das bei knapper werdenden Ressourcen. Hier kann die Digitalisierung helfen!

Es war beeindruckend zu erleben, wie wichtig den Landwirtschaftsministerinnen und -ministern aus aller Welt die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung sind. Wir sind uns darin einig, gemeinsam die Möglichkeiten, die die Digitalisierung uns bietet, aktiv zu fördern. So können wir die Landwirtschaft effizienter und nachhaltiger gestalten. Mehr noch: Die Digitalisierung bietet Perspektiven, stärkt Landwirtschaft und ländliche Räume und bekämpft damit auch Fluchtursachen. Daher wollen wir gemeinsam Lösungen finden, um die so genannte digitale Kluft zu verringern und den Zugang zu digitalen Technologien verbessern – auch für kleine Bauernfamilien auf der ganzen Welt. Wir haben gemeinsam mit allen 74 anwesenden Agrarministern in unserem Abschlusskommuniqué festgehalten, unter dem Dach der Vereinten Nationen einen Prozess für ein internationales Rahmenwerk für die Digitalisierung in der Landwirtschaft anzustoßen. Das ist ein internationaler Schulterschluss, denn Digitalisierung und Warenströme machen nicht an Grenzen halt.

Erstens: Wir haben vorgeschlagen, dass die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, FAO, ein Konzept für einen internationalen Digitalrat ausarbeitet. Dieser soll die Länder in Fragen der Digitalisierung beraten und den Austausch von Ideen und Erfahrungen vorantreiben. Zweitens sollen die Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume abgewogen werden. Und drittens haben wir uns verständigt, dass die FAO eine Methode entwickelt, um den Digitalisierungsgrad zu messen. Damit können wir international vergleichen, wie weit Länder und Regionen in der Digitalisierung sind, wie sie sich entwickelt haben und welche politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Schritte notwendig sind. Für jedes Land brauchen wir eine Digital-Diagnose. Wo steht wer, reichen die Aktivitäten des privaten Sektors, oder behindert dieser die Überwindung der digitalen Kluft, oder muss der Staat anders eingreifen? Ziel ist die Digitalisierung voranzutreiben und die digitale Spaltung zu überwinden.“

Das Abschlusskommuniqué der 74 Ministerinnen und Minister und 13 internationalen Organisationen wurde an den Generaldirektor der FAO, José Graziano da Silva übergeben.

Hintergrund:
In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. Im gleichen Zeitraum konnte die globale landwirtschaftliche Produktion dank technologischer und organisatorischer Innovationen sowie förderlicher politischer Konzepte und Maßnahmen im Bereich Landwirtschaft und Ernährung verdreifacht werden. Gleichwohl leiden auf der Welt immer noch über 821 Millionen Menschen an Hunger und über 2,5 Milliarden Menschen an Mangelernährung. Zudem wird die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf rund zehn Milliarden Menschen ansteigen. Gleichzeitig sind die natürlichen Ressourcen zur Ernährung der wachsenden Bevölkerung begrenzt und die Landwirtschaft sieht sich mit weiteren Herausforderungen wie Klimawandel, Wasserknappheit, Bodendegradation und Verlust an biologischer Vielfalt konfrontiert.

Ein wichtiger Schlüssel für die Ernährungssicherheit sind die Chancen, die Innovationen und Technologien im Rahmen der Digitalisierung bieten. Diese sind in Teilen kostengünstig, leicht verfügbar und nahezu weltweit einsetzbar. Bereits heute bieten digitale Lösungen den Landwirtinnen und Landwirten die Möglichkeiten, ressourcen- und umweltschonender zu wirtschaften, Verluste innerhalb der Wertschöpfungskette zu reduzieren, Erträge zu steigern oder leichteren Zugang zu Beratungsleistungen zu erhalten. Gleichwohl gibt es bei dem Einsatz von Technologien auch immer offene Fragen zu Nutzen und Auswirkungen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund konzentrierten sich die Agrarministerinnen und -minister auf vier global gültige Schwerpunkte:

  • Digitale Technologien und Innovationen bieten Potentiale.
  • Landwirtinnen und Landwirte brauchen Zugang zu diesen Technologien. Diese müssen auf die Bedürfnisse der Verbraucher zugeschnitten werden.
  • Datenhoheit und Datensicherheit müssen gewährleistet sein.
  • Strukturelle Veränderungen in ländlichen Regionen und Landwirtschaft müssen gestaltet.

 

Die Potentiale der Digitalisierung hat auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel im Rahmen des GFFA hervorgehoben.

 

Quelle: Pressestelle Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), 19.01.2019
Quellenangabe GFFA-Gruppenbild : BMEL/Photothek

 

 

 

 


 

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