26.02.2019

Japans Eierwirtschaft – Stagnation auf hohem Niveau

Hans-Wilhelm Windhorst1

Im DGS-Magazin vom Oktober 2018 wurde ein umfangreicher Beitrag zur Rolle Asiens in der Welteierwirtschaft veröffentlicht. Dabei konnte verdeutlicht werden, dass drei Länder, China, Indien und Japan, eine führende Rolle in der Eierwirtschaft Asiens einnehmen. In einer Rangliste der führenden Eier erzeugenden Länder nehmen sie die Plätze eins, drei und fünf ein. In drei ergänzenden Kurzanalysen werden die Strukturen der Eierwirtschaft in diesen drei Länder genauer vorgestellt werden. Der dritte Beitrag behandelt die japanische Eierwirtschaft.

Im Gegensatz zur dynamischen Entwicklung in den beiden Schwellenländern China und Indien hat sich die Eiererzeugung in Japan zwischen 1996 und 2016 kaum verändert. Die Legehennenbestände haben sogar abgenommen. Neben einem hohen technischen Entwicklungsstand und vorbildlichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards in der Erzeugung zeichnet sich Japan durch einen hohen Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern und eine Fülle unterschiedlicher Eiergerichte aus. Offensichtlich hat die Eierwirtschaft Japans ein Reifestadium erreicht.

Stagnation in den Legehennenbeständen und der Eiererzeugung

Zwischen 1996 und 2014 nahmen die japanischen Legehennenbestände um 12 Mio. Stück oder 8,3 % ab. Erst in den beiden Folgejahren war wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen, aber auch 2016 lag die Bestandszahl noch um 11 Mio. Hennen unter der von 1996. Ein besonders starker Rückgang erfolgte in der ersten Hälfte des zurückliegenden Jahrzehnts. Er ist eine Folge der AI-Ausbrüche im Jahr 2003. Die Bestandsreduzierung wirkte sich auch auf die Eiererzeugung aus. Trotz des Rückgangs der Hennenzahl um 7,5 % nahm das Produktionsvolumen an Schaleneiern in den beiden Jahrzehnten nur um 0,2 % ab (Tabelle 1). Dies deutet auf eine steigende Effizienz in der Erzeugung hin. Der Einsatz von leistungsfähigen Hybridhennen, die Verwendung eines energiereichen Futters, moderne Haltungssysteme und eine qualifizierte veterinärmedizinische Betreuung sind die wichtigsten Steuerungsfaktoren für den Erfolg. Nach Jahren ohne AI-Ausbrüche, eine Folge der hohen Biosicherheit, trat im Januar 2018 ein neuer AI-Ausbruch in einem Masthähnchenbetrieb mit 93.000 Stallplätzen auf der Insel Shikoku auf, der unverzüglich geräumt wurde (Linden 2018).

Tabelle 1: Die Entwicklung der Legehennenbestände und der Eiererzeugung in Japan zwischen 1996 und 2016
(Quelle: persönliche Information von Kuniko Nabika)

Die Legehennenbestände sind nicht gleichmäßig über die japanischen Inseln verteilt (Abbildung 1). Tabelle 2 listet die Provinzen nach ihrem Produktionsvolumen auf. Auf die drei führenden Provinzen entfielen 2016 51,7 % der Bestände und 51,5 % der Eiererzeugung.

Abbildung 1: Die räumliche Struktur der Eiererzeugung in Japan (2016)
(Quelle: persönliche Information Kuniko Nabika, Entwurf: A. Veauthier)

 

Tabelle 2: Legehennenbestände und Eiererzeugung in den japanischen Provinzen im Jahr 2016
(Quelle: persönliche Information von Kuniko Nabika)

* Rundungsfehler

Große Unternehmen bestimmen die Standards

Die japanische Eierwirtschaft unterscheidet sich in ihren Strukturen deutlich von denen in China und Indien. Marktorientierte Unternehmen, die zumeist vertikal integriert sind, bestimmen die Standards in der Erzeugung und Vermarktung. Die zehn führenden Unternehmen sind in Tabelle 3 aufgelistet. Mit insgesamt 44 Mio. Tieren stellen sie 32,7 % der Gesamtbestände Japans. Damit liegt eine der weltweit höchsten sektoralen Konzentration vor.

Tabelle 3: Die zehn führenden Unternehmen in der Eiererzeugung Japans (2017)
(Quelle: WATTAGNet, verschiedene persönliche Informationen)

Ise Foods, Inc., das mit Abstand größte Eier erzeugende Unternehmen Japans, verfügt über insgesamt 20 Mio. Legehennen, davon 13,6 Mio. in Japan, die über das ganze Land verteilt sind. Es ist aus einem 2012 gegründeten Zuchtbetrieb hervorgegangen und seitdem fortlaufend gewachsen. Das Unternehmen verfügt über alle Elemente der Produktionskette von der Zucht bis zur Herstellung von Eiprodukten. Außer in Japan ist Ise Foods noch in den USA, China und Singapur tätig. In Planung befindet sich ein vertikal integrierter Komplex in Indien, der im Endausbau über 14 Mio. Legehennen verfügen und pro Jahr 4 Mrd. Eier erzeugen soll. Es ist ein Joint Venture mit der Suzuki Motor Co.

Das zweitgrößte Unternehmen, Akita Co., Ltd., hat einen Bestand von etwa 10 Mio. Legehennen. Die Farmen befinden sich auf mehreren Inseln, um von dort die urbanen Zentren versorgen zu können. Es ist ebenfalls vertikal integriert und erzeugt neben Eiern noch Impfstoffe und veterinärmedizinische Produkte für die Eierwirtschaft.

Die führenden Unternehmen vermarkten die erzeugten Eier überwiegend unter einem eigenen Markennamen. Die auf dem Markt erzielten Preise werden nach den jeweiligen Produktionskosten und einem Gewinn ermöglichenden Preisaufschlag gebildet. Dieses „cost-plus-System“ hat sich bewährt und zu stabilen Marktpreisen für die Konsumenten und Gewinnen für die Unternehmen geführt. Die großen Eierproduzenten vermarkten zumeist direkt an die Lebensmittelketten und die Eiproduktenindustrie. Kleinere Eiererzeuger liefern ihre Eier überwiegend an größere Distributoren, die ebenfalls eine wichtige Rolle in der Preisgestaltung einnehmen. Die so vermarkteten Eier werden nur z.T. unter eigenen Markennamen vertrieben.

Importe notwendig zur Bedarfsdeckung

Die japanischen Eierproduzenten sind nicht in der Lage, den Bedarf zu decken. Es ist ein Versorgungsdefizit von etwa 120.000 t vorhanden, das durch Importe ausgeglichen werden muss. Die unterschiedliche Versorgungsbilanz auf den Inseln ist in Abbildung 2 dokumentiert. Hauptlieferländer für Schaleneier sind Brasilien, China und Taiwan. Eiprodukte werden vor allem aus den Niederlanden, Italien, Thailand und Indien importiert. Trotz des Versorgungsdefizits führt Japan Schaleneier, vor allem nach Hongkong, aus. Allerdings ist das Exportvolumen mit nur 3.400 t gering.

Herausforderungen und Perspektiven

Die rückläufige Bevölkerungsentwicklung und ein auf hohem Niveau von 331 Eiern verharrender Pro-Kopf-Verbrauch machen im Gegensatz zu China und Indien keine Produktionsausweitung notwendig. Sie wäre angesichts der hohen Bevölkerungsdichte und des Mangels an ebenen Flächen (Foto 1) auch nur begrenzt möglich. Das vorhandene Versorgungsdefizit kann leicht durch Importe ausgeglichen werden. Allerdings setzt Japan sehr hohe Sicherheits- und Qualitätsstandards voraus für die Exportländer. Bis zum Jahr 2030 ist von einem Rückgang der Nachfrage um 57.000 t oder 2,2 % auszugehen, der vor allem auf die um 6,7 Mio. abnehmende Bevölkerung zurückzuführen ist.

Foto 1: Seimei Farm, nördlich von Tokio. Die Anordnung der Stallanlagen zeigt sehr deutlich das Problem der Verfügbarkeit über größere Verebnungsflächen. Die Farm hat 250.000 Stallplätze und eine vorgelagerte Junghennenaufzucht (WING Fotoarchiv)

Eine stetige Bedrohung für die japanische Geflügelwirtschaft ist die Einschleppung und Ausbreitung der Aviären Influenza. Zwar bietet die Insellage einen gewissen Schutz, doch können Wildvögel das Virus aus benachbarten Staaten, in denen es z.T. endemisch auftritt, übertragen. Dies erklärt auch den sofort verhängten Importstopp Japans bei einem AI-Ausbruch in einem Lieferland für Geflügelprodukte. Es ist davon auszugehen, dass sich die gegenwärtigen Strukturen der japanischen Eierwirtschaft nicht kurzfristig ändern werden.

 

1Der Verfasser ist Prof. em. und Wissenschaftlicher Leiter des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING) der Universität Vechta.

Datenquellen und Literatur

  • International Egg Commission (ed.): Annual Review 2017. London 2017.
  • Linden, J.: Avian flu returns to Japan. www.wattagnet.com/articles/26926-avian-influenza-returns-to-india. (Aufruf: 31. 1. 2018).
  • WATTAgNet: Top 25 global egg producers. www.wattagnet.com/articles/20682-who-are-the-world-s-largest-egg-producers.
    (Aufruf: 27.2.2018).
  • Sims, L. D. et al.: Origin and evolution of highly pathogenic H5N1 avian influenza in Asia. In: Veterinary Record 157 (2005), p. 159-164.
  • World Bank: www.databank.worldbank.org/data/download/POP.pdf. (Aufruf: 1.3.2018)

 

 

 


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