11.12.2018

Das neue SELEGGT-Verfahren: Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei

Wir haben Frau Carmen Uphoff, Assistenz der Geschäftsführung bei der SELEGGT GmbH, zum neuen SELEGGT-Verfahren befragt.

Männliche Küken von Legehybriden produzieren keine Eier und sie eignen sich nicht zur Mast. Selbst bei hohem Futtereinsatz und längerer Haltungsdauer setzen sie nur wenig Fleisch an. Wirtschaftlich ist die Mast dieser Hähnchen nicht vertretbar, doch daraus resultiert ein ethisches Problem: 45 Millionen männliche Eintagsküken werden pro Jahr in Deutschland getötet – weltweit sind es etwa 2,5 Milliarden.

Anfang November dieses Jahres haben die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft und die SELEGGT GmbH eine innovative Methode zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei vorgestellt. Wir haben Frau Carmen Uphoff (Assistenz der Geschäftsführung SELEGGT GmbH) zum neuen SELEGGT-Verfahren befragt.

 

1. Frau Uphoff, würden Sie uns bitte erklären, wie das Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei funktioniert und wann es in den Brutprozess eingreift?

Das SELEGGT-Verfahren: non-invasiv (Foto: SELEGGT GmbH)

Bei dem SELEGGT-Verfahren wird das acht bis zehn Tage gebrütete Ei aus dem Brutschrank genommen und in eine bestimmte Position gebracht. Dort kontrolliert zunächst ein Sensor, ob sich ein Embryo im Brutei befindet.

Bei allen befruchteten Eiern wird dann mithilfe eines Lasers ein maximal 0,3 Millimeter kleines Loch in der Bruteischale erzeugt. Daraufhin wird eine minimale Menge der Allantoisflüssigkeit (= embryonaler Harn) entnommen. Die Flüssigkeitsentnahme geschieht non-invasiv und hat infolgedessen für das Brutei keine negativen Folgen. Das Innere des Bruteies wird also nicht berührt und bleibt unversehrt. In der Allantoisflüssigkeit befindet sich bei einem weiblichen Brutei ein weibli- ches Geschlechtshormon. Die Tropfen werden nun außerhalb des Bruteies auf einen patentierten Marker gegeben. Der Marker reagiert auf das Hormon und zeigt einen Farbumschlag. Die Bruteier können nun gemäß Farbumschlag sortiert werden.

Die männlichen Bruteier sowie die unbefruchteten Eier werden zu einem hochwertigen Futtermittel verarbeitet, während die weiblichen Bruteier zurück in den Brutschrank kommen. Das kleine Loch in der Schale des Bruteies muss nicht verschlossen werden, da sich die innere Eimembran selbstständig wieder schließt.

Am 21. Bruttag schlüpfen dann nur noch weibliche Küken.

 

2. Welchen technischen Herausforderungen sind Sie bei der Entwicklung begegnet?

Das SELEGGT-Verfahren besteht im Wesentlichen aus zwei Modulen: dem Marker bzw. der Analytik und der Entnahme der Allantoisflüssigkeit. Die Forschung und Entwicklung des Markers fand und findet in der Universität Leipzig unter der Leitung von Frau Prof. Einspanier statt. Der Marker ist sehr weit ausgereift da daran schon seit einigen Jahren geforscht wird. Entsprechend konnte hier die Reaktionszeit des Markers von ca. zwei Stunden auf 25min reduziert werden. Auch ist es heute möglich mit einer geringeren Menge an Allantoisflüssigkeit ein zuverlässigeres Ergebnis zu erzielen als noch vor einem Jahr. Die Bestimmungsgenauigkeit des Markers liegt mittlerweile bei 98%.

Im Bereich der Entnahmetechnologie, welche von SELEGGT entwickelt wurde, gab es mehrere Hürden. Zunächst wurde hier mit einer Robotertechnik gearbeitet, welche mit einer feinen Nadel jedem Brutei einen Tropfen Allantoisflüssigkeit entnimmt. Dadurch, dass die Nadel nach jeder Entnahme aufwendig mit Wasser und Alkohol gereinigt werden musste, war der Prozess sehr langsam. Zusätzlich begegneten uns Einbußen in der Schlupfrate aufgrund von hygienischen Mängeln. Diese Probleme konnten mit der neuen, non-invasiven Technologie eliminiert werden.

Die Schlupfrate ist heute genauso gut wie in jeder klassischen Brüterei und die Geschwindigkeit des Verfahrens liegt bei einem Brutei pro Sekunde.

3. Hat die Untersuchung des Bruteies Folgen für die spätere Aufzucht und Legeleistung der Legehennen?

Die Leistungsvergleiche in der Hochschule Osnabrück haben keinerlei Unterschiede zwischen Hennen, die als Brutei durch das SELEGGT-Verfahren gelaufen sind, und Hennen aus einer konventionellen Brüterei gezeigt.

4. Was passiert mit den aussortierten männlichen Bruteiern?

Grundsätzlich gilt, dass ein Küken erst am 21. Bruttag, also am Tag des Schlupfs, überlebens- fähig ist. Dennoch ist zu beachten, dass während der Brutphase laufend embryonale Entwick- lungsprozesse stattfinden. Diese kann man beenden, indem die Entwicklungen der männlichen Bruteier unmittelbar nach dem Aussortieren durch eine kurze Schockfrostung beendet werden.

Die aussortierten männlichen Bruteier werden demnach kurz schockgefrostet und zusammen mit den unbefruchteten Eiern gekühlt gelagert. Daraufhin werden sie zu einem sogenannten Bruteipulver verarbeitet. Dieses wird als Zusatzstoff in Futtermittelrezepturen für Ferkel verwendet, da dort heute schon Volleipulver eingesetzt wird.

5. Können Sie zeitlich einordnen, wann Brütereien das SELEGGT-Verfahren in der Praxis einsetzen können?

respeggt-Konsumeier (Foto: SELEGGT GmbH)

Aktuell produzieren wir in der SELEGGT GmbH selber eine kleine Menge an weiblichen Küken aus unserer eigenen kleinen Brüterei. In 2019 soll dadurch die REWE Group mit den Legehennen für die respeggt-Konsumeier versorgt werden. So können Erfahrungen in der Vermarktung und der Bereitschaft des Kunden, 10ct mehr pro 6er Packung Eier zu bezahlen, gesammelt werden.

 

Frau Uphoff, vielen herzlichen Dank, dass Sie unsere Fragen beantwortet haben!

 

 

 

Schema des SELEGGT-Verfahrens mittels Laser, non-invasiv (Für eine größere Ansicht bitte klicken).

(Quelle: SELEGGT GmbH)

 

 

 


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