02.05.2019

Bemerkenswerte Dynamik im Welthandel mit Eiern

Hans-Wilhelm Windhorst1

Daten über die Strukturen des Welthandels mit Eiern lagen lange Zeit nur bis zum Jahr 2013 vor. Nachdem die FAO im Mai 2018 einen kompletten Datensatz bis einschließlich 2016 veröffentliche, war es möglich, die Veränderungen, die zwischenzeitlich eingetreten waren, einer genaueren Analyse zu unterziehen. In diesem Beitrag soll die Dynamik im Jahrzehnt zwischen 2006 und 2016 einer genaueren Analyse unterzogen werden, um zu dokumentieren, welche Kontinente bzw. Länder in dem betrachteten Zeitraum ihre Position festigen konnten oder aber Einbußen hinnehmen mussten.

Handel wuchs schneller als Erzeugung

Zwischen 2006 und 2016 stieg die globale Eiererzeugung von 57,9 Mio. t auf 73,9 Mio. t oder um 27,5 % an. Gleichzeitig nahmen die Exporte bzw. Importe von Eiern um 61,7 % bzw. 74,9 % zu. Hierin zeigt sich bereits, dass offensichtlich zahlreiche Länder nicht in der Lage waren, der wachsenden Nachfrage durch die inländische Erzeugung zu decken und deshalb in größerem Umfang Eier einführen mussten.

Tabelle 1: Die Entwicklung der Eiererzeugung und des Welthandels mit Eiern zwischen 2006 und 2016; Angaben in 1.000 t
(Quelle: FAO)

 

Ein Überblick über die Entwicklung der Eiererzeugung wird in diesem Beitrag nicht nach Kontinenten und Ländern gegeben, sondern nach dem Entwicklungsstand der Länder. Diese Klassifikation hat der Verf. 2016 entwickelt und in der Folgezeit mehrfach verwendet.2

Wie man aus Tabelle 2 entnehmen kann, liegt ein beträchtliches Ungleichgewicht bezüglich der Anteile der Ländergruppen an der Weltbevölkerung und der globalen Eiererzeugung vor. So haben die Entwicklungsländer einen Anteil von 38,0 % an der Weltbevölkerung, stellen aber nur 19,7 % der Eiererzeugung. Demgegenüber haben die altindustrialisierten Länder einen Anteil von 23,4 % an der Eiererzeugung, stellen aber nur 14,5 % der Weltbevölkerung. Ähnlich in Richtung Erzeugung verschoben ist die Situation auch bei den neuindustrialisierten Ländern.

Tabelle 2: Der Anteil der Ländergruppen nach ihrem Entwicklungsstand an der Weltbevölkerung, den Legehennenbeständen und der Eiererzeugung im Jahr 2016, Angaben in % (Quelle: eigene Klassifzierung)

Tabelle 3: Die Entwicklung der Eiererzeugung in den Ländergruppen nach ihrem Entwicklungsstand zwischen 2006 und 2016; Angaben in 1.000 t (Quelle: eigene Berechnung nach Daten der FAO)

Aus Tabelle 3 kann man entnehmen, dass vor allem die neuindustrialisierten Länder die bemerkenswerte Entwicklung in der Eiererzeugung bewirkten. Auch in den weniger entwickelten Ländern nahm das Produktionsvolumen doppelt so schnell zu wie in den altindustrialisierten Ländern, die nur 10,7 % an der weltweiten Zunahme stellten und mit 10,9 % auch die niedrigste relative Zuwachsrate aufwiesen.

Die altindustrialisierten Länder dominierten den Welthandel mit Eiern

Die globalen Eierexporte stiegen zwischen 2006 und 2016 um nahezu 760.000 t oder 61,6 %. A Hieran hatten die altindustrialisierten Länder einen Anteil von 53,1 %, gefolgt von den neuindustrialisierten Ländern mit 44,0 %. Während in den am wenigsten entwickelten Ländern die Ausfuhren zurückgingen, nahmen sie bei den weniger entwickelten Ländern um nahezu 23.000 t oder 17,2 % zu. Dennoch hatten sie nur einen Anteil von 3,0 % an der Gesamtzunahme (Tabelle 4).

Tabelle 4: Die Entwicklung der globalen Eierexporte zwischen 2006 und 2016, getrennt nach Ländergruppen; Angaben in t
(Quelle: eigene Berechnung nach Daten der FAO)

* Rundungsfehler

Tabelle 5: Die Entwicklung der globalen Eierimporte zwischen 2006 und 2016, getrennt nach Ländergruppen; Angaben in t
(Quelle: eigene Berechnung nach Daten der FAO)

* Rundungsfehler

Tabelle 5 zeigt die Entwicklung der Weltimporte zwischen 2006 und 2016. Ein Vergleich der Daten in den Tabellen 4 und 5 zeigt einige lässt einige bemerkenswerte Unterschiede erkennen.3 Die Eierimporte nahmen schneller zu als die Exporte und erreichten 2016 einen Wert von 2,1 Mio. t. Die weniger entwickelten Länder hatten einen Anteil von 47,8 % an der Gesamtzunahme um nahezu 902.000 t, gefolgt von den altindustrialisierten Ländern mit 33,4 %. Die Einfuhren der am wenigsten entwickelten Länder verdoppelten sich zwar im betrachteten Jahrzehnt, stellten aber dennoch nur 4,6 % der Welteinfuhren. Im Gegensatz zu den Exporten stellten die neuindustrialisierten Länder nur 14,2 % der weltweiten Steigerung. Die Veränderung der Anteile der Ländergruppen am Welthandel mit Eiern zwischen 2006 und 2016 zeigt Abbildung 1.

Abbildung 1: Die Veränderung der Anteile der Ländergruppen nach ihrem Entwicklungsstand an den globalen Eierexporten und –importen zwischen 2006 und 2016 (Quelle: eigene Berechnungen nach FAO-Daten; Entwurf: A. Veauthier)

Bemerkenswert ist auch, dass die neuindustrialisierten Länder in der Eiererzeugung dominierten, gefolgt von den altindustrialisierten Ländern, letztere aber bei den Ausfuhren eine Vorrangstellung einnahmen. Die schnelle Zunahme der Nachfrage nach Eiern in den weniger entwickelten Ländern hatte einen schnellen Anstieg der Einfuhren zur Folge, weil der Bedarf nicht allein durch die Erzeugung im Inland abgedeckt werden konnte.

Wenige Länder bestimmen die Exporte und Importe in der Gruppe der altindustrialisierten Länder

Die dominierende Stellung der altindustrialisierten Länder im Welthandel mit Eiern ist nicht zuletzt auf die Ausnahmestellung einiger Länder im Export und Import zu sehen. Aus Tabelle 6 kann man entnehmen, dass die drei führenden Länder 58,8 % an der Gesamtausfuhr dieser Länder stellten und die beiden führenden Länder bei den Importen sogar einen Anteil von 54,0 % aufwiesen.

Eine genauere Analyse der Zusammensetzung und der Rangfolge der Länder zeigt, dass Eier überwiegend zwischen europäischen Ländern gehandelt wurden, hier insbesondere zwischen Mitgliedsländern der EU. Dabei hat sich zwischen den Niederlanden und Deutschland ein Handelscluster entwickelt, dass abgesehen vom Handel zwischen Malaysia und Singapur keine Parallele hat. Allerdings werden zwischen den beiden asiatischen Ländern deutlich geringer Mengen gehandelt als zwischen den Niederlanden und Deutschland.

Tabelle 6: Die Entwicklung der Eiererzeugung und des Welthandels mit Eiern zwischen 2006 und 2016; Angaben in 1.000 t
(Quelle: eigene Berechnung nach Daten der FAO)

* Rundungsfehler

Deutlicher Anstieg der Eierexporte und -importe durch die neuindustrialisierten Länder

Die Eierexporte der neuindustrialisierten Länder sind zwischen 2006 und 2016 um nahezu 334.000 t oder 137,1 % angestiegen. Diese Zunahme war vor allem auf die bemerkenswerte Steigerung der Ausfuhren durch die Türkei zurückzuführen. Sie waren 2016 fünfundzwanzigfach höher als 2006 und erreichten einen Wert von 289.000 t (Tabelle 7). Dadurch wurde die Türkei mit einem Anteil von 14,5 % an der globalen Ausfuhr zum zweitwichtigsten Eierexportland nach den Niederlanden, die 17,6 % stellten. Neben der Türkei konnten auch Malaysia und Südafrika ihre Ausfuhren deutlich erhöhen. Malaysia war im Absatz nahezu vollständig auf Singapur ausgerichtet.

Die Eierimporte der neuindustrialisierten Länder nahmen im betrachteten Jahrzehnt ebenfalls stark zu. Die Einfuhren Russlands waren 2016 zehnfach höher als 2006. Dies ist vor allem auf den Anstieg im Pro-Kopf-Verbrauch von 250 Eiern im Jahr 2006 auf 295 Eier zehn Jahre später zurückzuführen. Der deutliche Anstieg der mexikanischen Importe ist eine Folge mehrerer Ausbrüche der Aviären Influenza, die Versorgungsengpässe zur Folge hatten.

Tabelle 7: Eierexporte und -importe der neuindustrialisierten Länder in den Jahre 2006 und 2016; Angaben in t
(Quelle: eigene Berechnung nach Daten der FAO)

* Rundungsfehler

Eierimporte der weniger entwickelten Länder stiegen zehnmal schneller als Eierexporte

Während die Eierexporte der weniger entwickelten Länder zwischen 2006 und 2016 nur um 17,2 % zunahmen, stiegen die Importe um 182.0 %. Hierin spiegelt sich die schnell steigende Nachfrage nach Eiern in dieser Ländergruppe wider. Sie konnte durch die inländische Erzeugung nicht abgedeckt werden.

Eine genauere Analyse der Zusammensetzung und Rangfolge der zehn führenden Länder zeigt (Tabelle 8), dass bei den Ausfuhren dreimosteuropäische Länder die ersten drei Rangplätze belegten und zusammen 53,6 % der Exporte dieser Ländergruppe stellten. Im Jahr 2006 spielte die Ukraine als Exportland noch keine große Rolle, rangierte 2016 allerdings schon auf dem zweiten Platz hinter Weißrussland. Die Ausfuhren der Ukraine waren 2016 nahezu einundzwanzig Mal höher als 2006. Wahrscheinlich wäre das Exportvolumen noch schneller angestiegen, wenn es wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten des Landes nicht zu einem Produktionseinbruch bei dem größten Unternehmen gekommen wäre.

Eine Analyse der Importländer zeigt, dass hier vor allem Länder Westasiens und auf der Arabischen Halbinsel führende Positionen einnehmen. Neben den Folgen der kriegerischen Konflikte im Irak und in Syrien spielt auch der schnelle Anstieg der Nachfrage in den islamisch geprägten Ländern auf der Arabischen Halbinsel eine entscheidende Rolle. Die begrenzten Möglichkeiten der Steigerung der inländischen Erzeugung führten zu einer deutlichen Zunahme der Einfuhren.

Tabelle 8: Die zehnführenden weniger entwickelten Länder im Export und Import von Eiern im Jahr 2016; Angaben in t
(Quelle: eigene Berechnung nach Daten der FAO)

* Rundungsfehler

Niedriger Entwicklungsstand erschwert Importe der am wenigsten entwickelten Länder

Etwa 13 % der Weltbevölkerung leben in den am wenigsten entwickelten Ländern. Wegen ihres niedrigen Entwicklungsstandes sind sie nicht in der Lage Eier zu exportieren. Wegen der auch in einigen dieser Länder zunehmenden Nachfrage, haben sich die Einfuhren der Ländergruppe zwischen 2006 und 2016 nahezu verdoppelt und ein Volumen von 85.000 t erreicht. Davon entfielen über 40.000 t auf Afghanistan und nahezu 10.000 t auf Mozambique. Acht der führenden Importländer waren in Afrika gelegen, was das Problem der Versorgung dieser Länder mit wertvollen tierischen Proteinen verdeutlicht.

Die räumliche Struktur der Eierexporte und -importe in den hier unterschiedenen vier Ländergruppen zeigt Abbildung 2.

Abbildung 2: Eierexporte und Eierimporte im Jahr 2016 auf Basis der Länder nach ihrem Entwicklungsstand
(Quelle: FAO; Entwurf: A. Veauthier)

Zusammenfassung und Ausblick

Die Analyse des Welthandels mit Eiern auf der Basis des Entwicklungsstandes der Länder hat die unterschiedliche Bedeutung der vier Ländergruppen verdeutlicht. So kann festgehalten werden, dass die meisten altindustrialisierten und einige neuindustrialisierte Länder wegen ihrer sehr effizienten Erzeugung nicht nur in der Lage waren, den inländischen Bedarf zu decken, sondern auch beträchtliche Mengen an Eiern auszuführen. Demgegenüber waren die meisten Entwicklungsländer gezwungen, durch vermehrte Importe der steigenden Nachfrage zu begegnen. Es ist davon auszugehen, dass sich an dieser grundlegenden Struktur im folgenden Jahrzehnt wenig ändern wird, weil der Entwicklungsrückstand vieler Länder, vor allem in Afrika, eine Steigerung der inländischen Produktion erschwert oder sogar unmöglich macht. Um die Versorgung der dort lebenden Bevölkerung mit dem wertvollen Eierprotein zu steigern, sind vermehrte Anstrengungen nötig, die Eierwirtschaft in diesen Ländern auf einen höheren Stand zu bringen. Dies kann nur durch Transfer von Wissen aus den hoch entwickelten Ländern erfolgen.

 


Fußnoten

1 Der Verfasser ist Prof. i. R. und Wissenschaftlicher Leiter des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING) der Universität Vechta
2 Die 211 Länder, für die Datensätze verfügbar sind, sind klassifiziert nach: 37 altindustrialisierte Länder (OIC), 10 neuindustrialisierte- oder Schwellenländer (NIC), 116 weniger entwickelte Länder (LDC) und 48 am wenigsten entwickelte Länder (LLDC). Die Abkürzungen entsprechen der englischen Übersetzung.
3 Der Unterschied in den Gesamtwerten für die Exporte und Importe ist darauf zurückzuführen, dass in den Länderstatistiken die jeweiligen Mengen zu unterschiedlichen Zeiten erfasst wurden oder sich die gehandelte Ware am Ende eines Bezugsjahres noch nicht im Empfängerland angekommen war.

Datenquellen und ergänzende Literatur

FAO database: http://www.fao.org/faostat.

Windhorst, H.-W.: The extraordinary dynamics of the Turkish poultry industry. In: Zootecnica international 37 (2015), Nr. 9, S. 26-30.

Windhorst, H.-W.: Poland – growing importance of egg exports. In: Zootecnica International 39 (2017b), no, p. 26-29.

Windhorst, H.-W.: Mexico´s egg industry. In: Zootecnica international 40 (2018a), Nr. 3, S. 34-37.

Windhorst, H.-W.: A projection of the future dynamics in global egg production. In: Zootecnica international 40 (2018e), no. 7/8, p. 24-26.


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