10.07.2018

Wissenschaftler gestalten Zukunft: Aufgaben des Egg Industry Centers  und Herausforderungen der Eierindustrie in den USA

Interview mit Prof. Dr. Hongwei Xin, Direktor des Egg Industry Center, Iowa State University

Prof. Dr. Hongwei Xin sprach mit dem WING über die Aufgaben des Egg Industry Centers. Zudem erläuterte Prof. Xin die Herausforderungen,
denen sich die Eierproduktion in den USA gegenübersieht. Die Umstellung auf die Haltung von Legehennen in käfigfreien Stallanlagen sieht er als größte Aufgabe an.

 Was sind die zentralen Aufgaben des Egg Industry Center?

Nun, das Egg Industry Center wurde 2008 an der Iowa State University gegründet. Dieses Jahr feiern wir somit unser 10-jähriges Jubiläum. Unsere Aufgabe ist es, durch die Zusammenarbeit und Koordination mit nationalen und internationalen Institutionen auf die Bedarfe der Eierindustrie, sowie der mit ihr zusammenhängenden Industrie, einzugehen. Hierfür gibt es drei wichtige Bereiche:

Unser Fokus liegt auf der Forschung. Wir haben eine Stiftung gegründet, deren Einnahmen unsere Forschung unterstützen. Die Forschungsthemen variieren je nach Aktualität und Brisanz. Momentan ist die käfigfreie Haltung von Legehennen ein zentrales Thema, in 2015 war es die Vogelgrippe. Seit 2013 haben wir schon 33 Forschungsprojekte finanziert. Dabei handelt es sich nicht nur um Projekte an der Iowa State University, sondern auch um Forschungen externer Universitäten, die über entsprechendes Fachwissen verfügen.

Unser zweiter wichtiger Bereich ist die regelmäßige Veröffentlichung von Branchenstatistiken. Derzeit erhalten ungefähr 1300 Empfänger aus der nationalen Branche und Interessierte aus dem Ausland unsere Monatsberichte. Die Analysen umfassen Bestandsaufnahmen zu Junghennen und Legehennen in den USA, zur Entwicklung der Produktion, des Verbrauchs und der Preise, sowie auch zur Fütterung. Unsere Berichte sollen den Produzenten bei der Entscheidungsfindung helfen. Dabei handelt es sich um Daten, die von der USDA* veröffentlicht werden und aus denen wir die entsprechenden Informationen für die Eierindustrie bereitstellen.

Ein dritter Schwerpunkt liegt in der Kommunikation von Informationen und in der Weiterbildung für Produzenten aus der Industrie sowie Akteure aus der gesamten Branche. Hierfür veranstalten wir ein jährliches Forum. Für das Forum erarbeiten wir die zentralen Themen sowie die aktuellen und zukünftigen Fragestellungen, treffen eine Auswahl und laden Referenten ein.

Ich würde sagen, dass dies unsere drei wichtigsten Aufgabenbereiche sind. Aber natürlich beantworten wir auch regelmäßig Anfragen, die von Produzenten, Erzeugerorganisationen oder Medien an uns herangetragen werden. Beispielsweise haben wir für die United States Environmental Protection Agency ein Tool entwickelt, mit dem Ammoniakemissionen kalkuliert werden können.

Ihr Aufgabenspektrum ist wirklich sehr umfangreich! Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für die amerikanische Eierindustrie?

Nun, die größte Herausforderung ist mit Sicherheit der Übergang zur käfigfreien Legehennenhaltung, das ist momentan wirklich bedeutend. Vor zwei Jahren war es die Bekämpfung der Vogelgrippe und letztes Jahr forderten uns die sehr niedrigen Eierpreise heraus. Wir werden uns in den nächsten Jahren, wenn nicht sogar länger, mit den Auswirkungen, die der Übergang von der konventionellen Produktion zur käfigfreien Produktion mit sich bringen wird, auseinandersetzen müssen. In dieser Hinsicht herrscht immer noch Unsicherheit.

Wie hoch ist der Anteil der käfigfreien Produktion in den USA im Moment?

Etwa 16 Prozent unseres gesamten Bestandes entfallen auf die käfigfreie Produktion. Diese 16 Prozent umfassen die ökologische Haltung, die Freilandhaltung sowie die Bodenhaltung.

Worin sehen Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren die größten Veränderungen?

Bis zum Jahr 2025/26 werden etwa 70 bis 72 Prozent der Produktion den Anforderungen von Einzelhändlern, Restaurants, dem Gastgewerbe oder den Reiseunternehmen nach käfigfreier Ware entsprechen müssen. Über 22 Einzelhändler und Unternehmen haben bereits angekündigt, bis 2023 nur noch Eier aus käfigfreier Produktion zu ordern. Das ist eine große Herausforderung, denn es wird hohe Kosten verursachen, zudem herrscht eine große Ungewissheit, wie die zukünftige Verbrauchernachfrage aussehen wird. Für die Produzenten ist es deshalb schwer zu entscheiden, ob es klug für sie ist, die dafür notwendigen Investitionen zu tätigen.

Herr Prof. Xin, herzlichen Dank für das interessante Interview!

 

*Anm. d. Red.: United States Department of Agriculture

 

Das Interview wurde auf Englisch geführt und übersetzt.
Bildquelle: Egg Industry Center, Iowa State University

 

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