13.06.2018

Die Entwicklung der Legehennenhaltung und Eiererzeugung in der EU zwischen 2012 und 2016

 

Hans-Wilhelm Windhorst1

Schlagwörter: Legehennenhaltung; Eier; Eiererzeugung; Markt; Produktion; Haltungsformen; EU

Die Entscheidung der EU-Kommission, ab 2012 die konventionelle Käfighaltung von Legehennen zu verbieten, stieß in den meisten Mitgliedsländern auf beträchtlichen Widerstand. Die Eierproduzenten befürchteten, dass es im Gefolge der notwendigen Umstrukturierung auf alternative Haltungsformen zwischenzeitlich zu einem deutlichen Rückgang der Legehennenbestände und der Eiererzeugung kommen werde. Dies, so die Argumentation, werde große finanzielle Probleme bei den Betrieben zur Folge haben, weil neben dem Ausfall der Einkommen noch hohe finanzielle Aufwendungen für die neuen Haltungsformen aufzubringen seien. Darüber hinaus werde der Selbstversorgungsgrad sinken, was zu erhöhten Eierimporten führen werde. Selbst einige Jahre vor dem endgültigen Verbot der konventionellen Käfige versuchten einige Mitgliedsländer aus Ost- und Südeuropa, einen Aufschub um mehrere Jahre zu erwirken. Dies wurde jedoch von der EU-Kommission mit der Begründung abgewiesen, die Betriebe hätten hinreichend Zeit gehabt, sich auf die neue Rechtssituation einzustellen.


In dieser Analyse soll der Frage nachgegangen werden, ob die Befürchtungen eingetreten sind und welche Auswirkungen das Verbot auf die Haltungsformen in der EU und den Außenhandel mit Eiern gehabt hat. Der Zeitraum von 2012 bis 2016 wird im Mittelpunkt der Untersuchung stehen.

1. Unerwartete Entwicklung bei den Legehennenbeständen

Bedingt durch die Umrüstung auf alternative Haltungsformen ging die Zahl der Legehennen schon ab 2010 zurück, weil Deutschland und Österreich bereits zum Jahresende den Ausstieg aus der konventionellen Käfighaltung vollzogen hatten. Mit 362,6 Mio. Hennen wurde der niedrigste Wert erreicht. Danach kam es jedoch zu einem schnellen Anstieg der Bestände, der z. T. bedingt ist durch die in einigen Mitgliedsländern gestattete Parallelnutzung der konventionellen Käfighaltung und alternativer Haltungsformen. Mit 383,8 Mio. Hennen wurde bereits 2014 ein unerwarteter Spitzenwert erreicht. Ganz offensichtlich hatten zahlreiche Betriebe die geforderte Umrüstung mit einer Aufstockung der Hennenplätze verbunden. In den Folgejahren gingen die Bestandszahlen allerdings wieder zurück, weil das Überangebot an Eiern zu einem anhaltenden Preistief geführt hatte. Durch Verringerung der Bruteiereinlagen und der Junghenneneinstallungen versuchten die Betriebe, eine Stabilisierung der Marktsituation herbeizuführen. Sie erfolgte jedoch erst im 2. Quartal 2016. Der deutliche Preisanstieg in der ersten Jahreshälfte 2017 war eine Folge des Fipronilskandals in den Niederlanden.

Tabelle 1:
Die Entwicklung der Legehennenbestände in der EU zwischen 2012 und 2013
(Quelle: MEG Marktbilanz Eier und Geflügel, verschiedene Jahrgänge)

Tabelle 2:
Die zehn Mitgliedsländer der EU mit den größten Legehennenbeständen in den Jahren 2012 und 2016; Angaben in Mio. Hennen (Quelle: EUROSTAT, MEG Marktbilanz Eier und Geflügel, verschiedene Jahrgänge)

Aus den Daten in Tabelle 2 kann man entnehmen, dass es im betrachteten Zeitraum zu einigen Veränderungen in der Zusammensetzung und Rangfolge der Länder gekommen ist. Der Wert für Italien im Jahr 2012 erklärt sich wohl aus der Doppelzählung von Junghennen und Legehennen. Dafür sprechen die Angaben zur Eiererzeugung (vgl. Tab. 5). Belgien war 2016 nicht mehr unter den zehn führenden Ländern vorhanden, seinen Platz übernahm Portugal. Frankreich nahm 2016 die führende Position ein, dicht gefolgt von Deutschland, das bereits 2012 die Neustrukturierung abgeschlossen hatte. Sehr große Bestandsaufstockungen erfolgten in Polen (+ 8,2 Mio.), dem Vereinigten Königreich (+ 6,4 Mio.) und Spanien (+ 5,2 Mio.). Der Grad der regionalen Konzentration hat etwas abgenommen. Während im Jahr 2012 die vier führenden Länder 53,2 % der Legehennenbestände der EU auf sich vereinigten, waren es 2016 nur noch 48,5 %. Dies weist darauf hin, dass auch in anderen Mitgliedsländern die Bestände aufgestockt wurden.


2. Große Unterschiede bei den Anteilen der Haltungsformen

Die ab 2012 geforderte Umstellung von konventionellen Käfigen auf alternative Haltungsformen wurde in einer Reihe von Ländern erst sehr spät realisiert. Im Jahr 2010 wurden in zehn der Mitgliedsländer noch mehr als 50 % der Legehennen in konventionellen Käfigen gehalten. Die höchsten Anteile wiesen die Tschechische Republik (94,4 %), Griechenland (90,1 %), Spanien (81,4 %) und Finnland (75,4 %) auf. In Deutschland und Schweden waren keine Käfige dieser Bauart mehr vorhanden. Die von der EU zu Beginn des Jahres 2013 herausgegebene Mitteilung, die Umrüstung auf alternative Haltungsformen sei abgeschlossen, wurde verständlicherweise angezweifelt angesichts des kurzen Zeitraums der einigen Ländern für die Umrüstung noch zur Verfügung stand.

Von den 378,2 Mio. Legehennen, die in den 28 Mitgliedsländern der EU im Juni 2016 gehalten wurden, entfielen 55,2 % auf ausgestaltete Käfige, dies schließt Kleinvolieren ein, 25,8 % auf Bodenhaltung, 14,4 % auf Freilandhaltung und 4,7 % auf die ökologische Haltung. Aus Abbildung 1 kann man entnehmen, dass zwischen den einzelnen Mitgliedsländern große Unterschiede hinsichtlich der Anteile der Haltungsformen bestanden. Nur in sechs der 28 Mitgliedsländer lag der Anteil der ausgestalteten Käfige unter 50 %. In drei Ländern, Lettland, Spanien und Portugal, hatte diese Haltungsform einen Anteil von mehr als 90 %. Die Bodenhaltung stellte die größten Anteile in Österreich, Deutschland, Schweden und den Niederlanden, an der Freilandhaltung das Vereinigte Königreich und Irland. Mehr als 10 % der Bestände entfielen in Österreich, Deutschland, Dänemark und Schweden auf biologische Haltungssysteme.

Die relativen Anteile, die in Abbildung 1 für die einzelnen Länder ausgewiesen sind, sagen jedoch nichts darüber aus, welche Anzahl von Hennen in den jeweiligen Haltungsformen gehalten wird. In Tabelle 3 sind die jeweils drei Länder mit der höchsten Hennenzahl aufgelistet. Bemerkenswert ist z. B., dass Deutschland die größte Zahl von Legehennen in biologischen Haltungssystemen aufweist, eine Tatsache, die gern von Tierschutzorganisationen verschwiegen wird.


Tabelle 3:
Die drei EU-Mitgliedsländer mit der jeweils höchsten Anzahl von Legehennen in den vier rechtlich zulässigen Haltungsformen der EU im Jahr 2016 (Quelle: EUROSTAT, MEG Marktbilanz Eier und Geflügel 2017)

* einschließlich Kleinvolieren

 

Abbildung 1:
Anteil der Haltungsformen in den Mitgliedsländern der EU im Jahr 2016
(Quelle: MEG Marktbilanz Eier und Geflügel 2017; Entwurf: A. Veauthier)


Zur Entwicklung der Legehennenbestände und der Haltungsformen kann als ein Zwischenergebnis festgehalten werden, dass die Befürchtungen bzgl. einer Verringerung der Bestände durch die geforderte Umrüstung der Haltungsformen nicht eingetreten ist. Es kam vielmehr zu einer deutlichen Ausweitung der Bestände um 4,2 %, weil offensichtlich zahlreiche Betriebsleiter die Umrüstung nutzten, um die Zahl der Hennenplätze zu erhöhen. Trotz der einheitlichen Rechtslage ist die Umsetzung der Richtlinie 1999/74/EU in den einzelnen Mitgliedsländern sehr unterschiedlich erfolgt. Ländern mit nur noch einem sehr geringen Anteil an ausgestalteten Käfigen stehen solche gegenüber, in den über 90 % der Hennen in dieser Haltungsform eingestallt sind. Der befürchtete Rückgang der Legehennenbestände im Gefolge der Umrüstung auf alternative Haltungsformen ist nicht eingetreten.

3. Deutlicher Anstieg auch bei der Eiererzeugung

In einem weiteren Schritt soll untersucht werden, wie sich die Umstellung auf alternative Haltungsformen auf die Eiererzeugung in der EU insgesamt und den einzelnen Mitgliedsländern ausgewirkt hat.


Tabelle 4:
Die Entwicklung der Eiererzeugung in der EU zwischen 2012 und 2016
(Quelle: MEG Marktbilanz Eier und Geflügel, verschiedene Jahrgänge)

Aus den Daten in Tabelle 4 geht hervor, dass es zwischen 2012 und 2016 zu einem kontinuierlich Anstieg des Produktionsvolumens gekommen ist. Die Eiererzeugung ist sogar schneller gewachsen als die Legehennenbestände. Die zunehmend höhere Legeleistung der Hennen ist hier als Ursache zu nennen. Es ist allerdings im Gefolge der Umrüstung der Haltungsformen zwischen 2011, als 7,16 Mio. t erzeugt wurden, und 2012 zu einem leichten Rückgang gekommen. Aber schon im Jahr 2013 lag das Produktionsvolumen 140.000 t über dem von 2011.


Tabelle 5:
Die zehn Mitgliedsländer der EU mit der höchsten Eiererzeugung in den Jahren 2012 und 2016; Angaben in 1.000 t
(Quelle: EUROSTAT, MEG Marktbilanz Eier und Geflügel, verschiedene Jahrgänge)

 

Abbildung 2:
Eiererzeugung in den Mitgliedsländern der EU (2016) (Quelle: MEG Marktbilanz Eier und Geflügel 2017; Entwurf: A. Veauthier)

Geht man hinunter auf die Länderebene (Tab. 5) werden einige Veränderungen in der Zusammensetzung und der Rangfolge erkennbar. Bei den führenden vier Ländern haben Spanien und Deutschland die Ränge gewechselt. Ungarn ist nicht mehr unter den zehn führenden Ländern vertreten, es wurde durch die Tschechische Republik ersetzt. Der Grad der regionalen Konzentration ist nahezu unverändert geblieben. Auf die zehn führenden Länder entfielen 2016 84,4 % der Erzeugung, 0,1 % mehr als 2012. Dies gilt auch für den Anteil der vier führenden Länder. Abbildung 2 zeigt das räumliche Muster der Eiererzeugung in der EU im Jahr 2016. Die Kongruenz zwischen Bevölkerungszahl und Eiererzeugung ist offensichtlich, ausgenommen die Niederlande, die mit einem Selbstversorgungsgrad von über 300 % eine Ausnahmestellung einnehmen.

Als weiteres Zwischenergebnis kann festgehalten werden, dass auch die Eiererzeugung nicht, wie befürchtet, durch die Umrüstung abgenommen hat, sieht man von dem leichten Rückgang zwischen 2011 und 2012 ab. Auch hier ist es zu einem deutlichen Anstieg des Produktionsvolumens gekommen, der durch die größere Zahl an Legehennen und eine Steigerung der Legerate hervorgerufen wurde.

4. Außenhandel mit Eiern und Eiprodukten entwickelt sich entgegen den Erwartungen

Der befürchtete Anstieg der Eier- und Eiproduktenimporte als Folge des Verbots der konventionellen Käfighaltung ist ebenfalls nicht eingetreten, wie die nachfolgende Analyse zeigen wird.


Tabelle 6:
Die Entwicklung des Außenhandels der EU mit Eiern und Eiprodukten* zwischen 2012 und 2016; Angaben in 1.000 t
(Quelle: EU Committee 2017)

* umgerechnet in Schaleneiäquivalente

Zwischen 2012 und 2015 sind die Ausfuhren von Schaleneiern und Eiprodukten um 95.000 t gestiegen. Im Folgejahr nahmen sie dann, bedingt durch einige Ausbrüche der Aviären Influenza in Mitgliedsländern der EU und dadurch verhängte Importstopps einiger Zielländer, um 34.000 t ab. Der Trend setzte sich nach jüngsten Angaben des EU Committees vom April 2018 auch 2017 fort. Die Ausfuhren sanken auf 210.000 t. Hier war der Fipronilskandal in den Niederlanden die Ursache. Da die Niederlande das wichtigste Ausfuhrland sind, trugen sie entscheidend zur Verringerung der Exporte bei.

Die schnelle Steigerung der Eiererzeugung führte bei wenig veränderter Nachfrage in der EU zu einem Rückgang der Einfuhren von Eiern und Eiprodukten. Dadurch bedingt wuchs der Exportüberschuss im betrachteten Zeitraum um 54,4 %. Im Jahr 2017 sank der Überschuss allerdings durch die genannten Ursachen auf 188.000 t.

Tabelle 7:
Die fünf wichtigsten Zielländer der Exporte von Eiern und Eiprodukten der EU mit in den Jahren 2012 und 2016; Angaben in t (Quelle: EU Committee 2013 und 2017)

Japan und die Schweiz waren im hier untersuchten Zeitraum die beiden wichtigsten Zielländer für die Ausfuhr von Eiern und Eiprodukten. Es ist jedoch bedingt durch die Ausbrüche der Aviären Influenza und den dadurch ausgelösten Einfuhrstopp Japans sowie durch das Einfuhrembargo Russlands im Gefolge der Ukrainekrise zu einer Veränderung in der Zusammensetzung der Zielländer gekommen. Japans Importe gingen um 21.000 t zurück, nach Russland konnte nicht mehr exportiert werden. Es gelang aber, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel die freiwerdenden Mengen abzusetzen. Dazu kam die starke Nachfrage der USA nach Eiern für die Weiterverarbeitung sowie nach Eiprodukten als Folge des massiven Ausbruchs der Aviären Influenza im Mittelwesten der USA im Sommer 2015, der einen Verlust von etwa 42 Mio. Legehennen zur Folge hatten. Auch 2017 blieben Japan, die Schweiz und Israel die wichtigsten Zielländer, die Vereinigten Arabischen Emirate nahmen allerdings nur noch geringe Mengen ab, die USA fielen als Zielland aus, weil die Bestände dort inzwischen wieder das vormalige Niveau erreicht hatten.

Wie aus den Daten in Tabelle 8 zu entnehmen ist, hat die Halbierung der Importe von Schaleneiern und Eiprodukten zu einer deutlichen Veränderung bei den Herkunftsländern geführt. Nahmen die USA, Argentinien und Indien noch die drei ersten Rangplätze ein, es wurde vor allem Trockeneipulver eingeführt, lag 2016 die Ukraine an führender Position. Es wurden überwiegend Eier für die Weiterverarbeitung eingeführt. Die USA und Argentinien fielen auf die Ränge zwei und drei zurück, Indien war als Herkunftsland unbedeutend geworden. Letzteres ist wohl vor allem auf die mangelnde Qualität des gelieferten Trockeneipulvers zurückzuführen. Im Jahr 2017 ist es nach jüngsten Übersichten des EU Committees zu einem erneuten Wechsel unter den führenden Herkunftsländern gekommen. Die USA nehmen wieder den ersten Rang ein, nachdem die Eiproduktenindustrie die Krise des Jahres 2015 überwunden hat. Die Ukraine rangiert auf Platz zwei, gefolgt von Argentinien.

Tabelle 8:
Die vier wichtigsten Herkunftsländer für die Importe von Eiern und Eiprodukten der EU in den Jahren 2012 und 2016; Angaben in t (Quelle: EU Committee 2013 und 2017)

Als drittes Zwischenergebnis lässt sich feststellen, dass auch die Umstellung auf alternative Haltungsformen nicht zu dem befürchteten Rückgang der Ausfuhren von Eiern und Eiprodukten bzw. einem Anstieg der Importe geführt hat. Es ist allerdings zu beträchtlichen Veränderungen in der Zusammensetzung der Zielländer und Herkunftsländer gekommen. Sie wurden ausgelöst durch Ausbrüche der Aviären Influenza in einigen Mitgliedsländern der EU und den USA, den Fipronilskandal in den Niederlanden und das Importembargo Russlands. Es gelang den führenden Ex- und Importländern jedoch sehr schnell, sich auf diese veränderte Situation einzustellen.

5. Fazit

Die vorangehende Untersuchung der Entwicklung in der Erzeugung und im Außenhandel konnte deutlich machen, dass die anfangs befürchteten Auswirkungen des Verbots der konventionellen Käfighaltung von Legehennen nicht eingetreten sind, sondern dass die Eierwirtschaft der meisten Mitgliedsländer der EU gestärkt aus der Neuorientierung in den Haltungsformen hervorgegangen sind.

 

1Der Verfasser ist Prof. i. R und Wissenschaftlicher Leiter des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING) der Universität Vechta

 


Datenquellen

Committee for the Common Organisation of the Agricultural Markets: EU Market Situation for Eggs. Brussels. Various editions.

MEG Marktbilanz Eier und Geflügel. Bonn. Verschiedene Ausgaben.

Foto: S. Freiwald für WING

 

©WING, Juni 2018


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