07.06.2018

Clean Meat und Pflanzenburger

Interview mit Peter Wesjohann

Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe, erklärte dem WING, warum das Unternehmen in Clean Meat und seit neuestem auch in Pflanzenburger investiert.

Sie investieren in Clean Meat und seit neuestem auch in Pflanzenburger. Warum verlassen sie Ihr Kerngeschäft, die traditionelle Geflügelfleischerzeugung?

Wie ich in letzter Zeit immer wieder gesagt habe, mache ich mir um die Produktion unserer Geflügelfleischprodukte überhaupt keine Sorgen, dies wird auch in Zukunft unser Kerngeschäft bleiben. Im Laufe von fast fünfzehn Jahren haben wir dafür unterschiedliche Haltungsformen und Tierwohlkonzepte entwickelt und umgesetzt, wie z.B. Privathof oder unser Weidehähnchen. Vegane Lebensmittel bieten wir ja auch schon länger an. Da wir uns ständig weiterentwickeln war es für uns schlüssig, den Blick nun auf In-Vitro-Fleisch zu richten. Mit Supermeat haben wir einen geeigneten Partner gefunden, der seine Produkte in hoher Qualität und möglichst schnell auf den Markt bringen will. Dabei haben uns vor allem die praxisnahen Forschungsansätze überzeugt.

Wann wird es das erste Fleisch aus der Petri-Schale geben? Werden wir hierfür tiefer in die Tasche greifen müssen?

Die neuen Produkte werden wahrscheinlich keine faserige Fleischstruktur wie bei einem Hähnchenbrustfilet haben, sondern aus einer Fleischmasse, dem Meatmix, ähnlich wie bei Chicken Nuggets, bestehen. Ich denke, dass man Meatmix schneller entwickeln wird als ein Hähnchenbrustfilet. Die Forscher bei Supermeat sprechen von einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Wir werden nicht darauf bestehen, aber es ist ganz klar unser Ziel, die Produkte so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir die Produkte eher im Premiumsegment ansiedeln müssen. Dabei werden wir aber immer die Wettbewerbsfähigkeit im Blick behalten.

Wenn es um Produkte aus Nährlösungen und Petrischalen geht, werden viele Verbraucher hellhörig. Meinen Sie, dass die Kunden das In-Vitro-Fleisch überhaupt kaufen werden?

Eine gesunde Skepsis ist bei so einem Thema doch ganz normal, außerdem stehen wir bei dieser Innovation noch eher am Anfang. Die positiven Stimmen machen mich zudem optimistisch. Viele wollen nicht mehr, dass durch ihren Fleischverzehr Tiere sterben, möchten aber gleichzeitig auch nicht auf den Geschmack von Fleisch verzichten. Für diese Kunden werden wir ein optimales Produkt herstellen. Auch wenn immer mehr Menschen vegan essen und In-Vitro-Produkte kaufen, bleiben diese in nächster Zeit wohl eher ein Nischenprodukt. Ich denke, dass die traditionelle Geflügelfleischproduktion ihr hohes Niveau halten und weiter wachsen wird. Wie bei anderen Angebotsformen, wird es hier sicherlich zu einem Nebeneinander der Produkte kommen und der Kunde wird dann entscheiden, zu welchem Produkt er greifen möchte. Wie wir das neue Angebot ausloben werden, steht aber noch nicht fest.

Herr Wesjohann, wir bedanken uns sehr herzlich dafür, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen und unsere Fragen beantwortet haben.

 

Fotoquelle: PHW-Gruppe

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