14.06.2019

10. Osnabrücker Geflügelsymposium: Dynamische Prozesse in der Geflügelwirtschaft

Entwicklungen und Rahmenbedingungen ändern sich schneller als erwartet.

Über die Zukunft der Geflügelwirtschaft diskutierten am 05. Juni 2019 über 300 Teilnehmer auf dem vom Studienschwerpunkt angewandte Geflügelwissenschaften (StanGe, Hochschule Osnabrück) und vom Wissenschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING, Universität Vechta) organisierten 10. Osnabrücker Geflügelsymposium.

Die Zukunft der deutschen Nutztier- und Geflügelhaltung hänge von klaren, politischen Entscheidungen und Bekenntnissen ab, machte Friedrich-Otto Ripke (Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.) deutlich. Die deutsche Geflügelwirtschaft bezeichnete er in diesem Zusammenhang als proaktiven und innovativen Partner für eine sachliche Debatte.

Prof. Dr. Rudolf Preisinger von der EW Group legte den Focus seines Vortrages auf die Geflügelzucht. Laut Preisinger müsse diese den unterschiedlichen Ansprüchen der globalen Märkte gerecht werden, da regionsspezifische Genotypen gefordert sind. Als Herausforderung für die Tierproduktion sah er z. B. die wachsende Kluft zwischen realer Landwirtschaft und Erwartungshaltung der Konsumenten sowie die großen regionalen und geografischen Unterschiede im Bedarf.

Auf die derzeit vielfach diskutierte Technologie „Cellular Agriculture“ ging Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst (WING, Universität Vechta) ein. Sein Fazit war, dass sich die Erzeugung von Fleisch aus Zellkulturen in den USA und der EU noch umfangreichen Prüfverfahren bis zur Freigabe als Lebensmittel unterziehen müsse. Trotzdem solle die Geflügelwirtschaft die Entwicklung genau verfolgen, weil sich ein Wettbewerb abzuzeichnen beginnt.

Zum Thema „Cellular Agriculture“ diskutierten Prof. Dr. Windhorst, Frank Cordesmeyer (Director of Communications Europe, Cellular Agricultural Society), Peter Wesjohann (Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe) und Prof. Thomas Ellrot (Institut für Ernährungspsychologie, Georg-August-Universität Göttingen) auf der anschließenden Podiumsdiskussion.

Ellrot verwies auf die rasante Entwicklung im Bereich „Cellular Agriculture“, die man so vor einem Jahr nicht vermutet hätte. „Die Rahmenbedingungen haben sich geändert“, so Ellrot weiter. „Verbraucher schauen über Dinge wie Reaktoren, die für die Umsetzung benötigt werden, hinweg und finden den Aspekt, dass keine Tiere getötet werden, wichtiger.“

Hierzu erläuterte Windhorst, dass Prozesse zudem schneller ablaufen, wenn sie Angst getrieben sind. Das haben Studien aufzeigen können. „Die Jugend ist generell davon überzeugt, dass sie mit diesem Weg, z.B. mit „Cellular Agriculture“, etwas Gutes für das Klima und den Tierschutz tut“, so Windhorst. „Auch werden kaum noch Protagonisten gebraucht“, bemerkte Ellrot dazu, „das Thema ist hochgradig ein Selbstläufer.“

Zum Thema Konkurrenzprodukte sagte Wesjohann, dass man als Erzeuger nicht in Angst und Panik verfallen müsse und verwies auf den zunehmenden Verzehr von Geflügelfleisch. Auch sei die CO2 Bilanz für Geflügelfleisch immer noch gut. Er war der Meinung, dass die Produkte nebenher laufen werden. „Risiken sehe ich eher in der Politik und den NGO´s“, stellte er fest. Cordesmeyer sprach über die für die Produktion von Cellular Meat benötigten Nährmedien. Hiervon seien momentan noch nicht genügend vorhanden. Auch würden noch Zulassungen, z. B. bei der EFSA, fehlen.

Der Podiumsdiskussion folgten nach der Mittagspause zwei parallel stattfindende Themenblöcke. Zur Verbraucherakzeptanz machte Desiree Heijne (WING, Universität Vechta) deutlich, dass Verbrauchereinstellungen den Mega-Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit unterliegen. „Die Akzeptanz von Clean Meat ist stark davon abhängig, ob es eine positivere Klimabilanz hat als konventionelles Fleisch“, fasste sie zusammen. Dabei werde Asien ein interessanter Markt für Clean Meat sein, da sich hier eine Zunahme am Fleischkonsum abzeichne und auch eine Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien herrsche, dies hätten aktuelle, internationale Studien aufgezeigt. Die berufliche Qualifikation stand im Mittelpunkt des zweiten Blockes. Hier standen Experten aus der Praxis und der Wissenschaft mit Kurzstatements dem Publikum Rede und Antwort.

Am Nachmittag thematisierten kompetente Referenten in zwei umfassenden Vortragsblöcken den Diskussionsstand im Geflügelmanagement bei Huhn, Pute und Ente. Der erste Themenblock umfasste dabei folgende Sessions:

  • Geflügelhaltung im Mobilstall (Jutta van der Linde, Bundesverband mobile Geflügelhaltung e.V. Flackerfreies Licht für Nutzgeflügel)
  • Empfehlungen zur Haltung von Puten mit intaktem Schnabel (Eva Moors, LAVES Oldenburg)
  • Histopathologie von Fußballen- und Fersenhöckerläsionen bei Masthühnern (Helen Louton, LMU München)
  • Aktuelle Entwicklungen in der Zucht von Pekingenten (Hans-Heinrich Thiele, Poultry Breeding & Genetics)
  • Leitfaden Junghennen – Aktueller Status (Dietmar Tepe, KAT e.V.)

 

Wiederum in unterschiedliche Sessions aufgeteilt wurden nach einer kurzen Pause in einem zweiten Vortragsblock nachfolgend aufgeführte Themen erörtert:

  • Mobilstall: Herausforderungen (Christian Schwarzer, LVBGW - Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft e.V.)
  • Das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes – Vorgaben für Puten (Mareike Petersen, Deutscher Tierschutzbund)
  • Optimale Einstreu - Ergebnisse Projekt OPTILITT (Christian Visscher, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover)
  • Erster Ansatz der Validierung eines Boniturschemas für Pododermatitis bei Pekingenten (Lea Klambeck, Hochschule Osnabrück)
  • Robuste Broiler: betriebswirtschaftliche Konsequenzen und marktwirtschaftliche Erfahrungen (Helmut W. Saatkamp, Wageningen University)

 

Durch die Aktualität der gewählten Themenschwerpunkte und dem Dialog mit hochkarätigen Stimmen aus der Politik, aus der Verbandsarbeit, der Forschung und der Wirtschaft punktete die Veranstaltung abermals mit ihrem hohen Praxisbezug.

 
 
 
 
 
Quelle: Jacobs, WING/Universität Vechta
Fotos: Jacobs, WING/Universität Vechta

 


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