09.10.2018

Wissenschaftler gestalten Zukunft:
Analyse der weltweiten Fleischerzeugung bis zum Jahr 2026

Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst, Wissenschaftlicher Leiter des WING, hat die zukünftige weltweite Fleischerzeugung bis zum Jahr 2026 umfassend analysiert. Wir haben ihn gefragt, welche Entwicklung er für Geflügelfleisch im Vergleich zu Rind- und Schweinefleisch sieht.

 

Herr Prof. Windhorst, Sie haben die zukünftige weltweite Fleischerzeugung bis zum Jahr 2026 umfassend analysiert. Welche Entwicklung sehen Sie für Geflügelfleisch im Vergleich zu Rind- und Schweinefleisch?

Es ist davon auszugehen, dass die Erzeugung der drei wichtigsten Fleischarten zwischen 2016 und 2026 von 302 Mio. t auf 335 Mio. t. ansteigen wird. An der Zunahme von 33 Mio. t wird das Geflügelfleisch einen Anteil von 14,8 Mio. t oder 44,6 % haben; das Schweinefleisch werden 33,5 % und das Rind- und Kalbfleisch 21,8 % stellen. Es setzt sich also auch im kommenden Jahrzehnt der Trend des schnellen Wachstums des Geflügelfleisches fort. Die Ursachen sind vor allem in der günstigen Futterverwertungsrate des Mastgeflügels, insbesondere der Hähnchen, der vielseitigen Verwendbarkeit des Fleisches, des weltweiten Erfolgs in der Systemgastronomie und dem Fehlen religiöser Barrieren zu sehen.


Für welche Regionen konnten Sie das größte Wachstum in der Geflügelfleischerzeugung berechnen? Stechen hier bestimmte Länder heraus?

Eine genauere Betrachtung der erwarteten regionalen Zunahmen zeigt, dass von der weltweiten Zunahme um 14,8 Mio. t allein 6,9 Mio. t oder 46,4 % auf Asien entfallen, gefolgt von Nordamerika (inkl. Mexiko) mit einem Anteil von 19,6 % und Zentral- und Südamerika mit 18,2 %. Für Europa wird ein Anstieg um 2,2 Mio. t oder 14,8 % prognostiziert. Asien wird folglich seine bereits bestehende Führung weiter ausbauen. Geht man auf die Länderebene, dann nimmt China mit einer Zunahme von 3,2 Mio. t, was 22 % des globalen Anstiegs entspricht, die führende Position ein. Es folgen die USA mit 2,0 Mio. t (= 13,7 %) und die EU (28) mit 1,3 Mio. t (= 8,5 %). Von den zehn Ländern mit der größten Zunahme sind allein fünf in Asien gelegen, zwei in Nordamerika und jeweils eines in Südamerika und Europa. Brasilien und die USA werden ihre führende Position im Export von Geflügelfleisch festigen können, wenngleich für einige asiatische Länder ein deutlicher Anstieg der Ausfuhren erwartet wird.

 

Wie wird sich der Konsum von Geflügelfleisch verändern und wo werden die Menschen am meisten Geflügelfleisch essen?

Im Jahr 2016 lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch weltweit bei 13,8 kg. Bis 2026 wird eine Zunahme um 0,3 kg auf dann 14,1 kg erwartet. Am meisten Geflügelfleisch wird 2026 mit nahezu 57 kg in Israel verzehrt werden, gefolgt von den USA mit 48,3 kg, Saudi Arabien mit 46,3 kg, Malaysia mit 43,3 kg und Brasilien mit 39,8 kg. Im Vergleich dazu wird für die EU (28) ein durchschnittlicher Verbrauch von 24,8 kg prognostiziert. Allerdings liegen hier große Unterschiede zwischen der einzelnen Mitgliedsländern vor. Der höchste absolute Anstieg im Pro-Kopf-Verbrauch wird mit 2,0 kg in Malaysia erwartet. Es folgen Saudi Arabien mit 1,8 kg, Iran mit 1,5 kg, Südkorea mit 1,0 kg und Südafrika bzw. die EU (28) mit jeweils 0,9 kg.

 

Bildquelle: Gill Griffiths

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