Besucherbefragungen im Rahmen der Transparenzoffensive

Transparenz in der Geflügelwirtschaft
1. Projektlaufzeit: 01.01.2012 – 30.09.2015
2. Projektlaufzeit: 01.10.2015 – 30.09.2019

Finanzierung: Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft e.V. (NGW)

Ziel: Durch die Öffnung von hauptsächlich niedersächsischen Betrieben der Eierproduktion und der Geflügelmast soll ein realistisches und aktuelles Bild der modernen Geflügelhaltung vermittelt werden. Außerdem erfolgt eine empirische Datenerhebung im Rahmen der Stallöffnungen, die ein Überblick verschaffen soll über die Einstellungen zur intensiven Geflügelhaltung vor und nach dem Stallbesuch sowie über Herkunft, Alters- und Sozialstruktur der Besucher. Zwischenberichte werden regelmäßig in Fachpublikationen veröffentlicht und auf nationalen und internationalen Tagungen vorgestellt.

Ergebnisse

Tag des offenen Geflügelstalls

Seit September 2012 bis Oktober 2018 haben 47 Landwirte ihre Geflügelställe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei nahmen rund 14.900 Besucher die Gelegenheit wahr, sich über die moderne Geflügelhaltung in Deutschland zu informieren. Die große Mehrheit aller Betriebsöffnungen fand in Niedersachsen (42) statt. Gezeigt wurden Jungsmasthühnerhaltungen und Putenhaltungen in der Mastendphase, sowie Legehennenhaltungen und eine Gänsehaltung.

Vor und nach dem Stallbesuch wurden die Besucher zu ihren Erwartungen und Eindrücken zur Geflügelhaltung befragt, so dass von 2013 bis 2018 6.856 Besucher befragt werden konnten. Da davon ausgegangen wurde, dass Landwirte und Beschäftigte im landwirtschaftlichen Sektor bereits voreingenommen waren, blieb diese Gruppe bei der Analyse unberücksichtigt, so dass 4.839 Fragebögen ausgewertet wurden.
Im Jahr 2018 fanden 3 Tage des offenen Hofes auf zwei Legehennenbetriebe und einem Masthähnchenbetrieb statt.

Generell sind die Meinungen der Besucher nach der Stallbegehung weitaus positiver als diese es im Vorfeld angenommen hatten. So stimmten zwischen 2016 und 2018 82,1 % aller Befragten der Ansicht zu, dass die Tiere im Stall gesund und zufrieden wirkten. Die Befragten gaben weiterhin zu 87,7 % an, dass sie bedenkenlos Geflügelfleisch bzw. Eier von Tieren aus dem besichtigten Stall essen würden. Insbesondere die unter 30-Jährigen mit einem höheren Bildungsabschluss erwiesen sich als kritischer, bevor sie in den Stall gingen. Allerdings gelangte ein Großteil der Skeptiker nach der Stallbesichtigung zu einer anderen Beurteilung, so dass das Gesehene weitaus positiver als vorher bewertet wurde.

Standorte der Betriebe und Herkunft der Besucher beim „Tag des offenen Geflügelstalls“, 2012-2018

 

Standortbesuche der agrarischen Wertschöpfungskette mit Schulklassen

Neben dem „Tag des offenen Geflügelstalls“ wurden vermehrt Standortbesuche in Geflügelställen und Unternehmen der agrarischen Wertschöpfungskette für Schulklassen, Lehrerkollegien, Universitäten und weitere Interessengruppen angeboten und begleitet. Dies wurde insbesondere in der zweiten Förderperiode des Transparenzprojektes intensiviert. So haben bisher 148 Standortbesuche mit 86 Gruppen stattgefunden. Insgesamt haben 1.526 Schüler und Lehrer, 221 Studenten und Dozenten sowie 274 Kinder, Erzieher und Eltern von Bildungs- und Erziehungseinrichtungen Geflügelställe besucht. Von den 148 Standortbesuchen entfielen 102 Standorte auf Geflügelställe sowie 46 Besuche auf Unternehmensführungen. Etwa jeder dritte Besuch einer Schulklasse oder universitären Einrichtung kombinierte den Stallbesuch mit weiteren Standorten der Wertschöpfungskette. Im Rahmen der Stallbesuche wurden 1.026 Studenten, Schüler und Lehrer vor und nach den Begehungen zu ihren Erwartungen und Eindrücken befragt. Mittlerweile finden auch Vor- und Nachbefragungen während der Schlachthofbesichtigungen statt, jedoch ist die Grundgesamtheit noch nicht repräsentativ, um wissenschaftlich fundierte Aussagen treffen zu können.

Die befragten Schüler (33,1 %), Lehrer (30,3 %) und Studenten (37,1 %) waren im Vergleich zu den Befragten am Tag des offenen Geflügelstalls weitaus kritischer eingestellt zum bevorstehenden Besuch des Geflügelstalls als auch in ihren Bewertungen nach der Besichtigung. Dennoch nahmen die kritischen Vorurteile nach der Begehung um mehr als das Doppelte ab. Die befragten Lehrer waren zu 64,4 % positiv beeindruckt von den besichtigten Ställen und Tierbeständen, während 55,3 % der Schüler und 47,6 % der Studenten den Stall mit einer positiven Wertung verließen.

Ausblick

Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die jüngeren Besucher und jungen Akademiker, die als Meinungsführer der Zukunft gelten, die kritischsten Gruppen sind. Dies bedeutet auch, dass Qualitätskriterien wie Transparenz und Verbrauchervertrauen kein Trend sind, sondern auch zukünftig ein fester Bestandteil der nachhaltigen Lebensmittelproduktion werden.

Das Transparenzprojekt trägt dazu bei, die Qualitätskriterien Vertrauen und Transparenz für den Verbraucher herzustellen. Die Projekterfahrungen zeigen, dass die direkte Kommunikation zwischen Erzeuger und Verbraucher dazu beiträgt, Kritik abzubauen und Vertrauen herzustellen. Durch die Datenerhebung ist daneben ein brancheninternes Monitoring der gesellschaftlichen Meinungen zur Geflügelhaltung über einen längeren Zeitraum möglich geworden.

 

 


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