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Tötung männlicher Küken

Männliche Küken (Bruderhähne) von Legehybriden produzieren keine Eier und eignen sich nicht zur Mast, da sie selbst bei hohem Futtereinsatz und längerer Haltungsdauer nur wenig Fleisch ansetzen.

Wirtschaftlich ist die Mast dieser Hähnchen nicht vertretbar. Doch daraus resultiert ein ethisches Problem: 42 Millionen männliche Eintagsküken (Bruderhähne) werden pro Jahr in Deutschland getötet – weltweit sind es etwa 2,5 Milliarden.

Warum werden männliche Küken getötet?

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts dominierte die Zucht von Rassehühnern mit besonderen Gefiederfarben, Körperformen und Kammformen. Leistungseigenschaften, wie z.B. Legeleistung und Wachstumsrate, waren von zweitrangiger Bedeutung.

Die Nachfrage nach Eiern und Geflügelfleisch hat mit der zunehmenden Industrialisierung und dem damit einhergehenden Wohlstand ständig zugenommen. Dies führte dazu, dass Hühnerrassen gezielt in Richtung hohe Legeleistung (z.B. Weiße Leghorn) oder hohe Wachstumsleistung (z.B. White Cornish) weiterentwickelt wurden.

Die Entwicklung der Populationsgenetik in der Pflanzenzüchtung und die Übertragung dieser Verfahren auf die Geflügelzüchtung in den 1950er Jahren haben maßgeblich zur heutigen Leistungshöhe der Lege- und Masthühnerherkünfte beigetragen.

Die Etablierung der Reziproken Rekurrenten Selektion in die Zuchtprogramme ist die Basis der heutigen Hybrid-Legehennen und Masthühner. Mit diesem Verfahren konnte die Legeleistung auf über 300 Eier/Jahr und die Zuwachsleistung auf etwa 1600 g in gut vier Wochen gesteigert werden.

Die Zucht auf Mastleistung ist sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Hühnern möglich. Im Gegensatz hierzu ist die Zucht auf Legeleistung mit einer deutlichen Verschlechterung der Wachstumsleistung verbunden.

Die männlichen Küken der Legeherkünfte haben im Vergleich zu den Mastherkünften ein deutlich geringeres Wachstum und eine geringere Gesamtfleischmenge, auch die Verteilung der Fleischmenge am Schlachtkörper unterscheidet sich gravierend.

Für die Schlachtkörper der männlichen Küken der Legehybriden konnte kein Markt entwickelt werden, da der Konsument zunehmend fleischreiche, magere Hühnerschlachtkörper nachgefragt hat.

Während die weiblichen Tiere, also die späteren Legehennen, in Junghennenaufzuchtbetriebe überführt werden, wo sie im Alter von zwanzig bis 22 Wochen die Legereife erreichen, werden die männlichen Küken mit CO2 zunächst betäubt und dann getötet.

In Deutschland verkaufen die Brütereien diese männlichen Eintagsküken zumeist tief gefroren an Zoos, Reptilienhandlungen und Falknereien. Diese nehmen die als ganze Tiere erhaltenen männlichen Küken auf, weil sie in dieser Form als Beutetiere bevorzugt werden. Damit erübrigt sich auch die spezielle Zucht anderer Beutetiere, z. B. Mäuse oder Ratten. Die zuständigen Aufsichtsbehörden akzeptieren dieses Verfahren als vernünftigen Nutzungszweck, so lange noch keine praxisreifen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung vor oder während des Brutvorganges verfügbar sind.

Die weltweit vorherrschende Praxis der Selektion und Tötung der männlichen Küken wird schon lange immer wieder in Frage gestellt und kritisiert.

Geschlechtsbestimmung - Sexen

Die Geschlechtsbestimmung der männlichen und weiblichen Eintagsküken nennt man Sexen. Das Sexen wird sowohl von konventionell als auch biologisch wirtschaftenden Brütereien und Eierproduzenten eingesetzt. Bisher gibt es noch keine anderen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung vor Abschluss des Brutprozesses.

Das Sexen erfolgte lange Zei durch Spezialkräfte in Brütereien überwiegend durch so genanntes „Kloakensexen“. Innerhalb einer Stunde kann das Geschlecht von etwa 2000 Küken mit hoher Treffsicherheit bestimmt werden. Heute herrscht das Federsexen vor.

Die in ovo-Geschlechtsbestimmung

Unter Leitung von Frau Prof. Dr. M.-E. Krautwald-Junghans (Direktorin der Klinik für Vögel und Reptilien der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig) läuft seit einigen Jahren ein Forschungsprojekt zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Es wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und der Lohmann Tierzucht GmbH (Cuxhaven) finanziell gefördert.

Ziel des Projektes ist es, technisch anwendbare Verfahren zu entwickeln, die es erlauben, unter vertretbarem Zeit- und Kostenaufwand eine Bestimmung von männlichen und weiblichen Küken entweder vor dem Beginn des Brutvorganges oder in einer frühen Phase der Erbrütung vorzunehmen.

Die Geschlechtsbestimmung vor Beginn des Brutvorganges kann über eine Chromosomenanalyse erfolgen. Laborversuche waren erfolgreich, allerdings muss sich noch zeigen, ob das Verfahren praxistauglich ist, insbesondere im Hinblick auf den Zeitaufwand und die Kosten pro Ei.

Dies wäre eine Lösung, bei der sich das Ei noch in der Eiprodukte-Industrie verwenden ließe. Außerdem würde nur noch die Hälfte der Brütereikapazität benötigt und es ließen sich beträchtliche Energiekosten einsparen.

Eine Geschlechtsbestimmung nach Beginn des Brutprozesses lässt sich nach dem siebten Bruttag auf der Basis von Geschlechtshormonen vornehmen, führt jedoch erst ab dem neunten Tag zu einem sicheren Ergebnis.

Da man davon ausgehen kann, dass erst nach diesem Zeitpunkt bei dem in der Entwicklung befindlichen Küken ein Schmerzempfinden auftritt, würde die Selektion der angebrüteten Eier auch kein ethisches Problem darstellen.

Auch hier waren Laborversuche sehr erfolgreich. Es kann davon ausgegangen werden, dass für die Brütereien hohe Investitionskosten anfallen. Gegenüber dem erstgenannten Verfahren besteht der Nachteil, dass die ausgesonderten Eier keiner weiteren Nutzung mehr zugeführt werden können, sie also als Verlust abzuschreiben sind. Dies ist sogar ein wirtschaftlicher Nachteil gegenüber der gegenwärtig praktizierten Selektion durch Sexen und dem anschließenden Verkauf der getöteten männlichen Eintagsküken.

Zweinutzungshuhn

Angesichts der Schwierigkeiten bei der Geschlechtsbestimmung der Küken und der Tötung von männlichen Legeküken wurde auch der Frage nachgegangen, ob es nicht möglich sein könnte, alternative Nutzungen für die selektierten männlichen Eintagsküken zu finden.

Zu Beginn des Jahres 2013 kündigte die Lohmann Tierzucht AG (LTZ) an, dass sie im Herbst des Jahres ein Zweinutzungshuhn auf den Markt bringen werde, das hohe Legeleistung bei den Hennen mit einer hinreichenden Fleischzunahme bei den männlichen Tieren verbinde.

Sollte die Rasse auch Gewinnaussichten für die Legehennenhalter eröffnen, wäre eines der schwierigsten Probleme in der Zucht von Nutztieren gelöst.

Prof. Dr. R. Preisinger (Chefgenetiker LTZ) sagte, es werde sicherlich noch Jahre dauern, bis diese Zuchtlinie so weit verbessert worden sei, dass sie gegenüber den reinen Lege- und Masthybriden im Wettbewerb bestehen könne.

Gegenwärtig liege die Legeleistung bei etwa 250 Eiern und damit deutlich unter dem Durchschnitt von 310 bis 315 Eiern bei den Legehybriden. Dazu komme ein erhöhter Futterbedarf mit ca. 30 bis 40 % höheren Futterkosten pro Ei.

Bei den männlichen Tieren werde z. Z. nach einer Mastdauer von 56 Tagen erst ein Schlachtgewicht von 2,3 kg erreicht, eine Masthybride wiege dann jedoch bereits 3,2 kg. Dies schränke die Wettbewerbsfähigkeit neben der Tatsache, dass die Hähne weniger Brustfleisch ansetzen, deutlich ein. Eine schnelle Umstellung der marktorientierten Eierproduzenten auf diese neue Rasse sei deshalb kurzfristig nicht zu erwarten.

Trotz dieser eher skeptischen Beurteilung ist davon auszugehen, dass an der Verbesserung der Zuchtlinie für ein Zweinutzungshuhn weitergearbeitet wird, denn ein solches Huhn könnte sich z. B. in Ländern der Dritten Welt als attraktive Alternative zu den bisherigen Lege- und Masthybriden anbieten.

Weitere Lösungsansätze – realistische Alternativen?

Als alternative Nutzungen für die selektierten männlichen Eintagsküken kommen drei andere Wege in Betracht, die sich kurzfristiger umsetzen lassen: die Erzeugung von 1) Masthähnchen, 2) Jungmasthähnen und 3) Stubenküken.

Masthähnchen:

Der Begriff 'Masthähnchen' grenzt vom Standardprodukt 'Brathähnchen' ab. Das Produkt Masthähnchen muss am Markt direkt mit dem Brathähnchen konkurrieren. Dies bedeutet, dass vergleichbare Schlachtkörpergewichte erzielt werden müssen. Auf Grund der geringen Wachstumsleistung der männlichen Tiere der Legeherkünfte ist somit eine Mastdauer von mindestens 80 Tage anzusetzen, um ein handelsübliches, durchschnittliches Vermarktungsgewicht von 1-1,1 kg zu erreichen.

Es empfiehlt sich, die Vermarktung der Masthähnchen als Teilstücke vorzunehmen, da einzelne Muskelpartien deutlich geringer ausgeprägt sind und die Haut dünner ist als beim Standardprodukt. Dies erfordert eine weitere Verlängerung der Mastdauer.

Die Futterverwertung liegt zwischen 2,5 und 3,6 g Futter/g Zunahme. Unter der Voraussetzung, dass die Kosten für das Küken sehr gering sind, müssen vor allem die Futterkosten über den Erlös abgedeckt werden. Unter der Annahme eines zu erzielenden Marktgewichtes von 1,6 kg sind 1 € mehr Futterkosten je Tier zu veranschlagen.

Hinzu kommen bis zu 1 € höhere Schlachtstückkosten. Das bedeutet, dass ohne Berücksichtigung der längeren Belegungsdauer der Haltungseinrichtungen je kg verkaufsfähigem Produkt 1,50-2,00 € höhere Kosten zu Grunde zu legen sind.

Jungmasthahn:

Nach den Verordnungen EWG 543/2008 und 1234/2007 darf die Bezeichnung Junger Hahn nur für männliche Tiere der Legeherkünfte verwendet werden, die zum Schlachtzeitpunkt mindestens 90 Tage alt sind. Häufig überschreitet die Mastdauer die vorgegebenen 90 Tage, um die vom Markt gewünschten Schlachtkörpergewichte zu erzielen.

Für dieses Produkt entstehen auf Grund der längeren Mastdauer noch höhere Kosten als für das Legehybrid-Masthähnchen. Ausgehend von einer Futterverwertung im Bereich von 4,0-4,5 g Futter/g Zunahme erhöhen sich die Kosten je kg verkaufsfähigem Produkt auf 2,50-3,00 Euro.

Der Vorteil bei der Vermarktung ist darin zu sehen, dass dieses Produkt nicht mit dem Standard-Brathähnchen nach EU-Vermarktungsnormen konkurrieren muss. Es handelt sich um ein Spezialprodukt. Gegenwärtig ist von einem sehr kleinen Markt in Deutschland auszugehen.

Stubenküken:

Die Verordnungen EWG 543/2008 und 1234/2007definieren das Produkt Stubenküken als Tier mit weniger als 650 g Schlachtgewicht (auch 650-750 g, wenn jünger als 28 Tage). Bei Stubenküken handelt es sich somit um relativ kleine Schlachtkörper.

In der guten, alten Zeit wurden die männlichen Tiere der Legerassen über den Winter unter der Ofenbank im Bauernhaus aufgezogen und dienten dann gelegentlich als Sonntagsbraten. Die heutige Bedeutung des Begriffs unterscheidet sich hiervon deutlich und ist eigentlich für das angebotene Produkt nicht passend. Dennoch ist dies ein anderer Ansatz, die männlichen Tiere der Legeherkünfte zu verwenden.

Der wesentliche Vorteil des Produktes ist, dass die männlichen Tiere der Legeherkünfte das Zielgewicht innerhalb von 42 bis 45 Tagen erreichen können. Dies schlägt sich in einer vergleichsweise günstigen Futterverwertung von etwa 2,45 g Futter/g Zunahme nieder.

Folgende Vorteile sind mit dem Produkt verbunden: 1) es handelt sich um ein eigenständiges Nischenprodukt; 2) passable Futterverwertung und deutliche Reduzierung der Produktionskosten gegenüber den Masthähnchen und dem Jungmasthahn; 3) die Haltungseinrichtungen werden nur unwesentlich länger belegt als in der kommerziellen Hühnermast. Allerdings müssen auch beim Stubenküken etwa doppelt so hohe Erzeugungskosten wie beim Standardhähnchen angesetzt werden.

Bewertung

Die Umstrukturierung der Hühnerzucht in Richtung auf ein Zweinutzungshuhn wird nur als mittel- bis langfristige Lösung angesehen. Erhebliche Zuchtarbeit ist hier noch erforderlich. Für Nischenbereiche wird dagegen eine gewisse Bedeutung erwartet.

Die vorgestellten Alternativen Masthähnchen, Jungmasthahn und Stubenküken sind dagegen kurzfristiger umsetzbar und können durchaus interessante Hühnerfleischprodukte liefern.

Allerdings sind hier die Fleischpartien kleiner und anders ausgeformt, die Fleischfarbe ist dunkler und das Fleisch selber weist eine höhere Festigkeit auf.

Die geschmacklichen Eigenschaften unterscheiden sich dagegen wenig. Der Genusswert hebt sich somit nicht deutlich vom Standardprodukt ab.

Die Produkte Masthähnchen und Jungmasthahn stehen dabei in direkter Konkurrenz zum Brathähnchen aus der Kurzmast und zu den Teilstücken aus der Normalmast. Bei mindestens doppelt so hohen Erzeugungskosten und den Produkteigenschaften ist dieses Geflügelfleisch auf den derzeit etablierten Märkten kaum wettbewerbsfähig.

Im Gegensatz hierzu ist das Stubenküken ein eigenständiges Produkt, das auf Grund der fehlenden Konkurrenzsituation einen begrenzten Markt finden könnte. Aber auch hier sind die Erzeugungskosten je kg Produkt etwa doppelt so hoch. Diese Mehrkosten können nur über die Vermarktung als Spezialprodukt erlöst werden.

Realisierbarkeit

Zur Verdeutlichung des Potentials der Lösungsansätze kann der rechnerische Anteil der Produkte an dem gesamten, jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch an Hähnchenfleisch herangezogen werden.

Basierend auf der Erzeugung von Legehybriden müssten in Deutschland jährlich etwa 42 Millionen männliche Küken gemästet werden.

Bei 82 Millionen Einwohnern in Deutschland entfällt im Durchschnitt ein halbes Tier auf jeden Verbraucher/Verbraucherin. Dies bedeutet, dass jährlich 500 g Masthähnchen-, 800 g Jungmasthahn- und 300 g Stubenküken-Produkt verzehrt werden müssten.

Dies entspricht 3-7 % des jährlichen Gesamthühnerfleischverzehrs. Die Verwertung der männlichen Tiere der Legeherkünfte erscheint somit als eine lösbare Aufgabe.

Allerdings sind erhebliche finanzielle Anstrengungen für die Produkteinführung, Marktentwicklung und Marktpflege erforderlich. Hinzu kommen Investitionskosten für den Aufbau der Infrastruktur der neuen Produktionsform. Diese Kosten können nicht von den Produzenten dieser Spezialprodukte getragen werden. Das heißt, dass der Aufbau der alternativen Verwertung der männlichen Küken der Legehybride über einen anderen Weg cofinanziert werden muss.

Weitere Informationen rund um das Töten männlicher Küken:

Verwendung der männlichen Küken der Legeherkünfte  

Verwendung der männlichen Küken der Legeherkünfte

Die vielfach von Tierschutzorganisationen und auch der ökologischen Erzeugung in die Diskussion gebrachte Zucht eines Zweinutzungshuhns, bei dem die weiblichen Tiere für die Eier- und die männlichen Tiere für die Fleischerzeugung verwendet werden, ist gegenwärtig kein praktikabler Ansatz.

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Wird die Tötung männlicher Küken von Legehybriden schon bald nicht mehr notwendig sein?  

Wird die Tötung männlicher Küken von Legehybriden schon bald nicht mehr notwendig sein?

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