Nachhaltigkeit Geflügel - Geflügelwirtschaft


30.03.2015

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Alternative Verwendung männlicher Eintagsküken in der thailändischen Geflügelindustrie

                                                                   Sakson Soisontes*

 

1. Hintergrundinformationen zu dem Thema Tierwohl in der Eierindustrie

Weltweit werden pro Jahr viele Millionen männlicher Eintagsküken getötet, weil die Mast unwirtschaftlich ist. Bis in die 1960er Jahre wurden Rassehühner in Hinterhöfen gehalten. Die Hennen produzierten Eier und auch die männlichen Küken wurden bis zur Schlachtreife gemästet. Bei der immer stärker wachsenden Weltbevölkerung und der zunehmenden Nachfrage nach Eiern und Geflügelfleisch hat die Geflügelbranche inzwischen jedoch Hühnerrassen gezüchtet, die entweder eine hohe Legeleistung oder alternativ eine hohe Wachstumsleistung aufweisen. Legehennen werden nur für Eier, Masthühner nur für die Fleischerzeugung gehalten. Das Züchten auf Legeleistung ist mit einer deutlichen Verschlechterung der Wachstumsleistung verbunden. Männlichen Küken legen keine Eier, setzen weniger Brustfleisch an und haben insgesamt eine schlechtere Futterverwertung. Deshalb wird aus ökonomischen Gründen der männliche Nachwuchs des Hybridhuhns aussortiert. Mitterlweile gibt es eine wachsende Bewegung zum Tierwohl in vielen Industrieländern, wie Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, den USA, Australien und Neuseeland. Das Thema Tötung männlicher Eintagsküken wurde in der Öffentlichkeit und auch auf politischer Ebene aufgrund ethischer Bedenken kritisiert. Um eine geeignete Lösung finden zu können, hat die Eierindustrie dieses Problem untersucht. Von dieser soll sowohl die Gesellschaft, als auch die Industrie selbst profitieren. Dabei wurden mögliche alternative Lösungsansätze erforscht, z.B. die Zucht von Zweinutzungshühnern oder die Geschlechtsbestimmung, welche bereits im Ei erfolgt. Allerdings sind diese Lösungsansätze derzeitig noch nicht wirtschaftlich in der Praxis realisierbar.

Im Gegensatz dazu werden in Thailand die meisten männlichen Eintagsküken nicht nach dem Schlüpfen getötet, sondern für die Fleischerzeugung verwendet. Thailand ist einer der weltweit führenden Geflügelproduzenten, mit fast 1,5 Millionen Tonnen Hähnchenfleisch und 1,1 Milliarden Eiern im Jahr 2012. Dieser Beitrag gibt einen Überblick zu der alternativen Verwendung der männlichen Eintagsküken in der thailändischen Geflügelindustrie. Die Datenerhebung für diese Untersuchung erfolgte durch Dokumentenanalysen und qualitative Experteninterviews in den Monaten Dezember 2014 und Januar 2015.

 

2. Männliche Eintagsküken in der thailändischen Geflügelfleischerzeugung

40 Millionen männliche Eintagsküken werden jedes Jahr in der thailändischen Geflügelindustrie genutzt. Die Mehrheit davon wird zur Fleischproduktion gehalten, nur eine kleine Anzahl wird als Tierfutter verwendet. Nachdem das Geschlecht der Eintagsküken in der Brüterei identifiziert wurde, werden gesunde männliche Küken zur Fleischerzeugung aussortiert. Männliche Küken werden zu einem sehr günstigen Preis (0,02-0,03 US$/männliches Küken im Vergleich zu 0,68-0,77 US$/weibliches Küken) an Landwirte verkauft. Männliche Küken werden wie Masthähnchen gehalten, benötigen aber aufgrund ihrer langsameren Wachstumsleistung in der Mast weniger Eiweiß und Energie. Die Geflügelindustrie hat deshalb ein spezielles Futter, mit den für männliche Küken optimalen Eiweiß- und Energiedosierungen entwickelt. Dieses ist zudem auch noch billiger als normales Masthähnchenfutter. Männliche Küken werden 60 Tage gehalten, um ein Schlachtgewicht von 0,8 bis 1,2 kg zu erreichen. Der Verkaufspreis für männliches Hähnchenfleisch ist höher als für konventionelles Hähnchenfleisch und etwas günstiger als für einheimisches Hähnchenfleisch. Männliches Hähnchenfleisch wird in Thailand vor allem als gegrilltes Huhn mit Papayasalat und gedünstetem Klebreis zubereitet und serviert, was ein bekanntes traditionelles thailändisches Gericht ist. Die Verbraucher in der nördlichen Region bevorzugen männliche Tiere mit einem Gewicht von 1,0 bis 1,2 kg, während die in der nordöstlichen Region eher solche bevorzugen, die nur 0,8 kg wiegen. Aus diesem Grund können die Landwirte im Nordosten etwas mehr verdienen, da die Küken kürzer gehalten werden müssen.

Voll integrierte Geflügelunternehmen in Thailand haben in den männlichen Hähnchenfleischmarkt investiert und dadurch Marken, Läden und Restaurants, wie z.B. Five Star Chicken (in CPF-Besitz) und Kaiyang SF (gehört der SF-Gruppe) neu geschaffen. Neben der hohen Nachfrage nach männlichem Hähnchenfleisch in Thailand werden gegrillte Hühnergerichte nun auch in Laos, Vietnam, Kambodscha und China sehr bekannt. Um ihre Märkte zu erweitern und hiervon zu profitieren, haben die thailändischen Geflügelunternehmen auch in diese Ländern investiert. Die thailändische und die chinesische Regierung werden zusammen in eine Hochgeschwindigkeitszugverbindung investieren, welche vom südlichen China über den Norden von Laos nach Nordostthailand führt. Dieses Projekt könnte sehr vorteilhaft für die Vermarktung von Thailands männlichem Hähnchenfleisch sein, da die Transportzeit zu den Verbrauchern hierdurch sehr verkürzt wird und neue Märkte bedient werden können.

 

3. Zukunft der männlichen Eintagsküken

Wegen der weiterhin in den Industrieländern bestehenden und wachsenden Bedenken hinsichtlich des Tierwohls, muss die Geflügelindustrie alternative Lösungsansätze für männliche Eintagsküken finden. Die Tötung männlicher Küken dürfte in der nahen Zukunft gesetzlich verboten werden. Das Problem bleibt also eine Herausforderung für die Eierindustrie in vielen Ländern.

Der Erfolg der männlichen Hähnchenfleischproduktion in Thailand liegt an den verfügbaren Märkten, sowie einer hohen Nachfrage, Wahrnehmung und Akzeptanz des Produkts. Zudem sind die wirtschaftlichen Standbeine von Geflügelunternehmen nicht nur der Verkauf von Eiern und Hühnerfleisch, sondern ebenso die Verwendung von umweltfreundlichen Technologien, z.B. Biogas aus Geflügelabfällen zu produzieren sowie Investitionen in gleichfalls relevante Bereiche wie z.B. Bioenergie und Algenproduktion.

Derzeitig weisen europäische Länder nur kleine verfügbare Märkte für männliche Hähnchenfleischprodukte auf. Es gibt aber eine Chance, für den Inlandsverbrauch und ebenso für den Export in asiatische Märkte zu produzieren. Die Eierindustrie muss den Verbraucher mehr über Ihre Produkte informieren, um Image und Akzeptanz zu verbessern. Dies sollte zusammen mit dem Ausbau und der Erweiterung der Exportmärkte geschehen. Die alternative Verwendung von männlichen Eintagsküken zur Hähnchenfleischproduktion könnte hierzu beitragen und die bestehenden ethischen Bedenken minimieren.

 

4. Fazit

Das Beispiel der männlichen Hähnchenfleischproduktion in Thailand zeigt, dass die Eierindustrie das alternative Modell für eine Verwendung von männlichen Eintagsküken erfolgreich umsetzen kann. Hierzu ist es erforderlich, dass es genügend aufnahmefähige Märkte und eine ausreichende Nachfrage gibt. Diese Praxis könnte ein Vorbild für andere Eier produzierende Länder sein. Die männlichen Eintagsküken wären ein wertvolles Produkt, wenn sie nicht direkt nach dem Schlüpfen getötet würden.

 


* Der Autor ist Doktorand im Bereich Nachhaltige Geflügelwirtschaft des
Wissenschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING)
Universität Vechta, Neuer Markt 16, 49377 Vechta
E-mail: ssoisontes@wing.uni-vechta.de

 

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