Nachhaltigkeit Geflügel - Geflügelwirtschaft


05.02.2016

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Rückstandsuntersuchungen - 
pharmakologisch wirksamer Stoffe in
Geflügelfleisch und Eiern in Niedersachsen

                                                                                           Dr. Oliver Christof
                                           Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

                                                                                                  - LAVES –

Pharmakologisch wirksame Stoffe werden in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung als Bestandteile von Tierarzneimittelpräparaten verwendet und dienen damit der Krankheitsvorbeugung und -bekämpfung. Die Gruppe der pharmakologisch wirksamen Stoffe teilt sich folgendermaßen auf:

Gruppe A umfasst die verbotenen Stoffe mit anaboler Wirkung und nicht-zugelassene Stoffe wie Stilbene, Thyreostatika, Steroide, Resorcylsäure-Lactone, Beta-Agonisten, verbotene Antibiotika und Chemotherapeutika.

Gruppe B umfasst die Stoffe mit antibakterieller Wirkung, z.B. Penicilline, Sulfonamide, Chinolone, Tetracycline, Makrolide, Aminoglycoside etc. sowie sonstige Tierarzneimittel wie Antiparasitika, Kokzidiostatika einschl. Nitroimidazole, Beruhigungsmittel, entzündungs-hemmende Mittel und Insektizide [1].

Tierarzneimittelrückstände sind nach gesetzlicher Definition alle Stoffe mit pharmakologischer Wirkung – seien es wirksame Bestandteile, Arzneiträger oder Abbauprodukte – einschließlich ihrer Stoffwechselprodukte, die in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs vorhanden sind und aus der Anwendung des betreffenden Tierarzneimittels resultieren. Auf Grund der möglichen negativen gesundheitlichen Wirkungen sollen sie vom Verbraucher in möglichst geringem Umfang mit der Nahrung aufgenommen werden.

Der Nationale Rückstandskontrollplan (NRKP)
Der NRKP ist ein jährlich aktualisiertes Rückstandsüberwachungsprogramm, welches in der EU nach einheitlichen Maßstäben [2] durchgeführt wird. Untersucht wird zielorientiert auf pharmakologisch wirksame Stoffe und auf Kontaminanten (wie z.B. Pestizide, Dioxine und Schwermetalle) in den Matrices: Fleisch, Niere, Leber, Blut (Serum), Retina, Haar, Milch, Eiern, Fisch und Honig sowie in Tränkwasser.

Die Beprobung umfasst alle der Lebensmittelgewinnung dienenden lebenden Tiere (Rinder, Schweine, Schafe, Pferde Geflügel, Fische aus Aquakulturen sowie Kaninchen und Wild) bei Erzeugern sowie der geschlachteten Tiere im Schlachtbetrieb.

Die Lebensmittelüberwachung der Bundesländer kontrolliert Betriebe und Produkte auf die Umsetzung EU-weit und national gültiger Rechtsvorschriften.

Die Bundesländer sind für die Probenahme und Untersuchung zuständig, das BVL übernimmt die Koordination des Überwachungsprogramms.

Auch die Wirtschaftsunternehmen sind verpflichtet, eigene Kontrollen durchzuführen. Die Probenahme erfolgt zielorientiert. Das bedeutet, dass Kenntnisse über örtliche oder regionale Gegebenheiten berücksichtigt werden oder Hinweisen auf unzulässige oder vorschriftswidrige Tierbehandlungen nachgegangen wird. Der NRKP ist also nicht auf die Erzielung statistisch repräsentativer Daten ausgerichtet.

Das Hauptziel des NRKPs ist das Aufdecken illegaler Anwendungen von verbotenen bzw. nicht-zugelassenen Stoffen sowie die Kontrolle des gesetzeskonformen Einsatzes von zugelassenen Arzneimitteln.

Als positiver Rückstandsbefund gelten bei zugelassenen Tierarzneimitteln oder Futtermittelzusatzstoffen alle mit einer Bestätigungsmethode abgesicherten quantitativen Befunde, bei denen eine Überschreitung von gesetzlich festgelegten Höchstgehalten (Maximum Residue Limit, MRL) vorliegt. Bei verbotenen und nicht als Tierarzneimittel zugelassenen Stoffen gelten als positiver Rückstandsbefund alle mit einer Bestätigungs-methode abgesicherten qualitativen und quantitativen Befunde.

In Niedersachsen werden jährlich ca. 18.500 Rückstandskontrollproben (76% davon im Bereich Rotfleisch und 18% im Bereich Weißfleisch) von den Instituten des LAVES untersucht [3]. 2

Untersuchungsmethoden
In der Tierarzneimittelanalytik werden verschiedene Untersuchungsmethoden angewandt. Hierzu gehören Screening-Verfahren auf antibakteriell wirksame Substanzen sowie immunchemische und mikrobiologische Rezeptorverfahren wie ELISA, RIA und Charm-Test.

Weiterhin wird instrumentelle Analytik wie Gaschromatographie bzw. Flüssigchromato-graphie gekoppelt mit Massenspektrometern, hier speziell Triple-Quadrupol oder hochauflösende Systeme, zur eindeutigen Identifizierung und Quantifizierung der gesuchten Tierarzneimittel nach den EU Richtlinien der SANCO 2002/657 eingesetzt.

Untersuchungen nach dem NRKP in Niedersachsen im Bereich Geflügel
Die in Niedersachsen untersuchten Planproben nach dem Rückstandskontrollplan von 2011 bis 2014 sind in einer Übersicht für Geflügelfleisch und Eier in der Tabelle 1 zusammengefasst [4].

 

Tab. 1: Anzahl der untersuchten Geflügel-Proben in Niedersachsen

 

 

Abb. 1: Vergleich der Rückstandsuntersuchungen in Niedersachsen nach dem NRKP für Geflügelfleisch und Hühnereier im Zeitraum 2011 bis 2014.

Geflügel
Die in den Jahren 2011 bis 2014 gezogenen Geflügelproben wurden direkt beim Erzeuger bzw. im Geflügelschlachtbetrieb entnommen.

Vergleichend wurde nur in den Jahren 2011 und 2013 ein positiver Befund gefunden. 2011 gab es einen positiven Befund für den Wirkstoff Metronidazol.

Metronidazol gehört zu der Gruppe der Nitroimidazole. Aufgrund des Verdachts der Genotoxizität und der Kanzerogenität wurde der Wirkstoff in die Tabelle 2 des Anhangs der Verordnung (EU) Nr. 37/2010 aufgenommen. Der Einsatz bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, ist somit verboten.

Im Jahre 2013 wurde aus der Gruppe der Stoffe mit antibakterieller Wirkung ein erhöhter Rückstandsgehalt für Doxycyclin gefunden. Doxycyclin gehört zur neueren Generation der Tetracycline, welche ein breiteres Wirkspektrum besitzen.

Hühnerei
Die in den Jahren 2011 bis 2014 gezogenen Hühnereierproben wurden direkt im Erzeugerbetrieb bzw. in der Packstelle entnommen. In den Jahren 2011, 2012 und 2013 ergab sich jeweils ein positiver Befund durch Höchstgehaltsüberschreitung der Summe aus Dioxinen und dioxinähnliche PCB [5].

Zusammenfassung der Untersuchungen im Bereich Geflügelfleisch und Eier der letzten vier Jahre
Die Ergebnisse der zielorientierten Untersuchungen weisen auf eine geringe Belastung von Geflügel mit unzulässigen Rückstandsmengen hin.

Die Hauptprobleme bei den Eiern sind die ubiquitär in der Umwelt vorhandenen PCBs. Sie wurden zusammen mit den Dioxinen in den Proben festgestellt, hier wurde der Summenhöchstgehalt für Dioxine und dioxinähnliche PCB überschritten. 4

Untersuchungen nach dem NRKP in Deutschland im Bereich Geflügel
Die Ergebnisse der amtlichen Untersuchungen der Länder, die im Rahmen des NRKP von 2011 bis 2014 durchgeführt wurden, sind in den Abbildung 2 dargestellt. Bei den Probenahmeorten handelt es sich um Geflügelfleisch aus dem Erzeugerbetrieb (EB) sowie aus dem Schlachtbetrieb (SB). Die Hühnereier stammen aus dem Erzeugerbetrieb bzw. aus der ersten Verarbeitungsstufe [6,7, 8, 9].

Abb. 2: Rückstandsuntersuchungen nach dem NRKP für Geflügelfleisch und Hühnereier im Zeitraum 2011 bis 2014.

 

Abb. 3: Positive Rückstandsbefunde von 2011 bis 2014 in Geflügel bzw. Hühnereiern.

Die Belastung mit unzulässigen Rückstandsmengen ist insgesamt gering. Bei Geflügelfleisch im EB ist die Anzahl der positiven Rückstandsbefunde 2014 leicht zurückgegangen bzw. hat sich nicht erhöht. Für 2014 entspricht dieses einem prozentualen Anteil von 0,06 % bezogen auf die Untersuchungsmenge an Proben.

Für 2012 wurden im Schlachtbereich keine positiven Befunde ermittelt. Für 2014 entsprechen die fünf positiv getesteten Proben einem prozentualen Anteil von 0,08 % bezogen auf die Untersuchungsmenge von 6436 Proben aller Geflügelproben im SB. Bei den Hühnereiern zeigt sich keine Veränderung zum Jahre 2013 in der Anzahl der positiven Befunde von 2014. Hier entspricht 2014 der prozentuale Anteil von positiv getesteten Proben 0,62 %.

Abb. 4: Untersuchungen im Bereich der A-Stoffe im Zeitraum 2011 bis 2014 für Geflügelfleisch und Hühnereier.

Die Menge der untersuchten A-Stoffe für Geflügelfleisch aus dem Erzeugerbereich ist die letzten Jahre annähernd gleich geblieben. Hingegen hat sich die Untersuchungszahl der Geflügelproben aus dem Schlachtbereich 2014 etwas erhöht. Die Untersuchungen bei der Anzahl von Eiern haben sich nur geringfügig verändert.

Abb. 5: Positive Rückstandsbefunde für A-Stoffe im Zeitraum 2011 bis 2014 für Geflügelfleisch und Hühnereier.

Die Menge der untersuchten A-Stoffe für Eierproben ergibt keine positiven Befunde für den Untersuchungszeitraum der letzten vier Jahre. Hingegen sind bei den Geflügelproben in 2013 jeweils eine positive Probe für EB sowie für SB zu verzeichnen. Diese entspricht einem prozentualen Anteil von 0,05 % in EB und einem prozentualen Anteil von 0,03 % im SB in Bezug auf die Anzahl der Proben. Bei den Proben 2011 im Schlachtbereich wurden zwei positive Proben gefunden, dieses entspricht einem prozentualen Anteil von 0,07 % bezogen auf die Untersuchungsmenge an Proben in 2011.

Im Jahre 2014 wurden in Niedersachsen 5155 Proben Geflügelfleisch sowie 268 Hühnereier untersucht. Dieses entspricht im Vergleich zur gesamten Untersuchungszahl aus allen Bundesländern 2014 einen prozentualen Anteil in Niedersachsen von ca. 60 % Proben Geflügelfleisch bei einer Gesamtmenge von 8631 Proben zur Untersuchung auf Stoffgruppe A und B und einem Anteil von Eiern von ca. 33 % in Niedersachen im Vergleich zu allen Bundesländern in der Höhe von 812 Proben. Insgesamt ist die Belastung mit unzulässigen Rückstandsmengen an untersuchten A-Stoffen in Deutschland gering.

Anmerkend ist zu sagen das mit dem NRKP eine reine „Target Analytik“ durchgeführt wird. D.h. es erfolgt kein „Blick über den Tellerrand“. Der Einsatz von Stoffen außerhalb des NRKP's werden nicht erfasst. Hier ist man auf die Meldungen von BMELV, BVL oder BfR angewiesen und muss im Krisenfall eine ad-hoc Analytik etablieren.

 


 

Literatur

[1] Stoffgruppen Anhang I RL/96/23/EG [2] BVL Amtliche Lebensmittelüberwachung NRKP und EÜP [3] http://www.laves.niedersachsen.de
[4] LAVES Tätigkeitsbericht 2014
[5] BVL: Bericht zur Lebensmittelsicherheit 2011
[6] http://www.bvl.bund.de – Tabellen I bis III der Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplans 2012
[7] http://www.bvl.bund.de – Tabellen I bis III der Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplans 2013
[8] http://www.bvl.bund.de – Tabellen der Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplans 2011
[9] http://www.bvl.bund.de – Tabellen der Ergebnisse des Nationalen Rückstandskontrollplans 2014

 

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