Nachhaltigkeit Geflügel - Geflügelwirtschaft


27.08.2013

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Organisationsformen in der Geflügelhaltung

                               Prof. i. R. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst
                                                          WING



Alleinwirtschaftende marktorientierte Einzelbetriebe

Hierunter versteht man Einzelbetriebe ohne Einbindung in horizontale oder vertikale Integrationen. Der Betrieb befindet sich im Besitz des Betriebsleiters. Die anfallenden Arbeiten werden von Familienangehörigen und wenigen zusätzlichen Arbeitskräften geleistet. Die unternehmerischen Entscheidungen werden vom Betriebsleiter getroffen, der auch das wirtschaftliche Risiko trägt. Die Beschaffung der Betriebsmittel und die Vermarktung der erzeugten Produkte erfolgt durch den Betriebsleiter.

Die Zahl solcher Betriebe ist in der Geflügelwirtschaft sehr gering, weil die meisten Betriebe in horizontale oder vertikale Integrationen eingebunden sind. Am ehesten treten sie noch in der Erzeugung von „Ökoprodukten“ auf. Dabei spielt die Direktvermarktung (Hofläden, Wochenmärkte) noch eine große Rolle.

 

Horizontale Integration

Unter einer horizontalen Integration versteht man den Zusammenschluss von Einzelbetrieben mit einem identischen Produktionsziel zum Zwecke der gemeinsamen Beschaffung von Betriebsmitteln und/oder der Vermarktung von Erzeugnissen. Diese Organisationsform ist vor allem in der Geflügelmast verbreitet, wo sich Erzeugergemeinschaften gebildet haben, die z. B. gemeinsam Gas, Futtermittel, Einstreu etc. einkaufen oder als Erzeugergemeinschaft mit einem Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Produktions- und Abnahmeverträge aushandeln. In der Eierproduktion sind solche Organisationsformen zumindest in Norddeutschland kaum anzutreffen.

 

Vertikale Integration

Unter vertikaler Integration versteht man eine Organisationsform der agrarischen Produktion, in der mehrere Elemente einer Produktionskette (supply chain) unter einer einheitlichen Unternehmensführung zusammengefasst sind, die auch die wirtschaftlichen Entscheidungen trifft. Die Erzeugung ist industriemäßig organisiert. Es wird mit Fremdarbeitskräften und einem hohen Anteil an Fremdkapital gewirtschaftet. Diese Unternehmen haben zumeist einen hohen Marktanteil. Sie können Einzelbetriebe oder Erzeugergemeinschaften vertraglich an sich binden (Abbildung 1). Sind alle Elemente einer Produktionskette unter einem Unternehmensdach vereint, spricht man von Vollintegration (Abbildung 2).

 

Abb. 1: Vertikale Integration (räumlicher Produktionsverbund) in der Erzeugung von Jungmasthühnern

Vertikale Integration (räumlicher Produktionsverbund) in der Erzeugung von Jungmasthühnern

 

 

Abb. 2: Vertikale Integration in der Erzeugung von Hühnereiern (Vollintegration)

 

 Vertikale Integration in der Erzeugung von Hühnereiern (Vollintegration)

 


 

Literatur:

Klohn, W. und A. Voth: Das Oldenburger Münsterland. Entwicklungen und Strukturen einer einer Agrar-Kompetenzregion. Vechta: Vechtaer Materialien zum Geographieunterricht, Band 2. 4. Aufl. Vechta 2008.

Windhorst, H.-W.: Die Industrialisierung der Agrarwirtschaft. Ein Vergleich ablaufender Prozesse in den USA und der Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt a.M. 1989. 247 S.

Windhorst, H.-W.: Agrarindustrielle Unternehmen - Entstehungsbedingungen, Struktu­ren, räumliche Organisation. In: Windhorst, H.-W. (Hrsg.): Indu­strialisierte Landwirtschaft und Agrarindustrie. Vechta 1989, S. 89-103.

Windhorst, H.-W.: Industrialisierte Landwirtschaft und Agrarindustrie - was ist das? In: Deutsche Geflügelwirtschaft und Schweineproduktion 41 (1989), H. 49, S. 1496-1498, H. 50, 1524-1527, H. 51/52, 1567-1568.


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