Nachhaltigkeit Geflügel - Geflügelwirtschaft


17.03.2014

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Geflügelfleischexporte nach Afrika

Dr. Aline Veauthier
WING



 In den letzten Jahren sind die Ausfuhren von Geflügelfleisch nach Afrika aus Europa und auch aus Deutschland angestiegen. Doch eine genauere Betrachtung der Handelsdaten zeigt, dass sich der Export deutscher Geflügelerzeugnisse immer noch in erster Linie auf den EU-Markt konzentriert und den Lieferungen nach Afrika weiterhin eine relativ geringe Bedeutung zukommt.

 

Strukturen in Erzeugung und Handel in Deutschland

Im Jahr 2012 wurden in Deutschland insgesamt 1,43 Mill. t Geflügelfleisch, darunter 863.509 t sogenannte Jungmasthühner bzw. Hähnchen erzeugt.

Nach Deutschland eingeführt wurden 2012 rund 816.000 t Geflügelfleisch. Die Ausfuhren lagen im selben Jahr bei 753.500 t, also deutlich unter der importierten Menge. Die in Deutschland produzierte Menge reicht gegenwärtig also nicht aus, um den inländischen Bedarf an Geflügelfleisch zu decken.

Die Menge an ganzen Hähnchen bzw. Hühnern, die nach Afrika gingen, steigerte sich von 3.266 t im Jahr 2011 auf 14.066 t im Jahr 2012. Das ist vor allen Dingen auf einen Anstieg der Exporte nach Südafrika zurückzuführen, bedingt durch den Abschluss eines sogenannten amtlichen Veterinärzertifikats der EU mit Südafrika, das Lieferungen von Geflügelfleisch ermöglicht hat. Wurden im Jahr 2011 noch 1.869 t. Geflügelfleisch (frisch, gekocht oder gefroren) nach Südafrika geliefert, waren es 2012 rund 20.939 t, was aber nur rund 3 % der gesamten Ausfuhren ausmacht. Auch Zubereitungen aus Geflügelfleisch, die nach Südafrika geschickt wurden, sind im entsprechenden Zeitraum von 25 t auf 314 t angestiegen. In der ersten Hälfte des Jahres 2013 setzte sich der Trend fort. So wurden 21.563 t Geflügelfleisch und Geflügelfleischzubereitungen von Deutschland nach Südafrika geliefert. Größter Exporteur nach Südafrika war jedoch weiterhin Brasilien, das im selben Zeitraum mehr als 100.000 t, also viermal so viel wie Deutschland lieferte.

Außerdem sind die Steigerungen der deutschen Geflügelfleischexporte nach Südafrika durch einen Handelsstreit zwischen Südafrika und Brasilien begünstigt worden. Denn Südafrika hat die Einfuhrzölle erhöht, um sich gegen billiges Geflügelfleisch aus Brasilien zu schützen. Daraufhin hat Brasilien eine Klage gegen die südafrikanischen Importzölle bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht.

Insgesamt konzentriert sich der europäische und deutsche Handel mit Geflügelfleisch auf den europäischen Markt, denn über 80 % des Geflügelfleischs wird innerhalb der EU gehandelt.

 

Warum exportiert und importiert Deutschland gleichzeitig?

Dass Deutschland und die meisten anderen Länder zugleich Geflügelfleisch exportieren und importieren hängt mit unterschiedlichen Vorlieben der Verbraucher zusammen. So wird in Deutschland generell mehr Brustfleisch nachgefragt und beispielsweise nach Südafrika werden gefrorene Hühnerschenkel (44 % der Exporte) und Hühnerhälften (25 % der Exporte) geliefert.

Es ist aber keineswegs so, dass ausschließlich minderwertige, auf dem deutschen Markt nicht absetzbare Ware nach Afrika ausgeführt wird. Eine Betrachtung der Exporte und Importe von Hühnerfleisch und Hühnerteilen zeigt, dass, Angaben des Statistischen Bundesamts zu Folge, im Jahr 2012 vor allem frisches oder gekühltes Hühnerfleisch nach Deutschland eingeführt wurde. Darunter fielen auch Flügel, Hälse und Rücken, Schenkel und Lebern, von denen größere Mengen nach Deutschland importiert als exportiert wurden. Ausgeführt wurden hauptsächlich frische oder gekühlte Hälften von Hühnern, frische oder gekühlte Brüste, gefrorene Teile und Schenkel, sowie Schlachtnebenerzeugnisse.

 

Zerstören europäische Geflügelfleischexporte afrikanische Märkte?

Der Anteil der europäischen Geflügelfleischexporte nach Afrika ist relativ gering. Im Jahr 2012 exportierte die EU (27) insgesamt 1,28 Mill. t Geflügelfleisch in Drittländer, was einen Anteil von 11 % an der europäischen Eigenerzeugung von über 12 Mill. t ausmachte. Die größten Mengen davon gingen mit 148.000 t nach Saudi-Arabien. Etwa 400.000 t Geflügelfleisch wurden aus der EU im Jahr 2012 insgesamt auf den afrikanischen Kontinent geliefert. Davon entfielen 137.000 t auf Benin, 67.000 t auf Ghana, 33.000 t auf den Kongo, 26.000 t auf Gabun und 130.000 t auf Südafrika.

Schauen wir uns im Folgenden die Strukturen in Erzeugung und Handel in Südafrika und im Benin, den beiden afrikanischen Ländern, die die größten Mengen an europäischem Geflügelfleisch aufnehmen, genauer an.

Südafrika führte im Jahr 2012 etwa 325.000 t Geflügelfleisch ein, das zu zwei Dritteln allein aus Brasilien kam. Die Nachfrage nach Geflügelfleisch ist in Südafrika in den letzten Jahren gewachsen. Daten der FAO zeigen, dass die einheimische Produktion seit 1961 kontinuierlich angestiegen ist, besonders in den letzten Jahren. Lag die Erzeugung 2005 noch unter 1 Mio. t waren es 2011 bereits annähernd 1,5 Mio. t, was einer Steigerungsrate von über 50 % entspricht. Doch mit der Bedarfssteigerung konnte der Ausbau der heimischen Produktion nicht mithalten. Infolgedessen haben die Importe von Geflügelfleisch in Südafrika zugenommen, um die Versorgung des Inlandsmarktes zu decken. Auch Zeitreihen von Erzeugung, Verbrauch und Importen des südafrikanischen Landwirtschaftsministeriums sowie des United States Department of Agriculture (USDA), die in den Abbildungen 1 und 2 grafisch umgesetzt wurden, bestätigen den Bedarf an Geflügelfleischimporten zur Sicherung der Versorgung der südafrikanischen Bevölkerung.

 

Abbildung 1: Erzeugung, Verbrauch und Importe von Hähnchenfleisch in Südafrika zwischen 2009 und 2014

 

 Quelle: Republic of South Africa 2011; USDA 2013a; USDA 2013b

*Schätzung

 

 

Abbildung 2: Erzeugung, Verbrauch und Importe von Putenfleisch in Südafrika zwischen 2009 und 2014

Quelle: USDA 2013c

*Schätzung

Im Benin ist die heimische Geflügelfleischerzeugung seit 1991, gemäß Daten der FAO, von unter 10.000 t auf über 23.000 t im Jahr 2011 angestiegen. Im selben Zeitraum haben die Importe ebenfalls zugenommen von 3.300 t auf mehr als 104.000 t Hühnerfleisch. Zugleich wurden aber auch größere Mengen exportiert. Gab es 1991 überhaupt keine Exporte, betrugen sie 2011 fast 42.000 t. Es wird folglich mehr Geflügelfleisch aus dem Benin exportiert als selbst erzeugt wird. Der inländische Bedarf ist daher auch im Benin nicht gedeckt und Importe sind notwendig.

Das Beispiel Kamerun, wo hohe Importzölle auf die Einfuhr von Geflügelfleisch erhoben wurden, zeigt was passiert, wenn ausländische Lieferungen ausbleiben. So sind seit Einführung der Zölle im Jahr 2005 die Hühnerfleischimporte von über 34.000 t auf 124 t im Jahr 2011 zurückgegangen, wobei 2009 sogar nur 17 t eingeführt wurden. Die einheimische Hühnerfleischerzeugung, die zu Zeiten höherer Importe angestiegen ist, von 18.000 t im Jahr 1991 auf über 60.000 t im Jahr 2005, schwankt aber seit 2007 zwischen 64.000 t und 70.000 t. Der Wegfall der Importe konnte also nicht durch eine Ausweitung der heimischen Produktion kompensiert werden. Die Folge ist eine geringere Versorgung der Bevölkerung mit Geflügelfleisch, wobei eine Angebotsverknappung immer Preissteigerungen mit sich bringt.

Besonders Geflügelfleisch und Eier werden jedoch in Entwicklungsländern stark nachgefragt, da sie im Vergleich mit Schweine- und Rindfleisch relativ preisgünstig und somit für die Bevölkerung erschwinglich sind. Gerade wenn sich Länder entwickeln, die Einkommen steigen und die Mittelschicht größer wird, werden Geflügelfleischerzeugnisse nachgefragt. So war der Pro-Kopf-Verbrauch an Geflügelfleisch in Südafrika mit 32 kg pro Kopf im Jahr 2009 deutlich höher als in Deutschland mit rund 17 kg pro Kopf und Jahr.

 


 

Literatur

BMELV (2013): Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.): Geflügelschlachtereien und geschlachtetes Geflügel. http://berichte.bmelv-statistik.de/MBT-0106460-0000.xls.

BMELV (2013): Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.): Deutscher Außenhandel mit Südafrika. StBA, Fachserie 7, Reihe 3. http://berichte.bmelv-statistik.de/AHB-0032388-2012.pdf.

DESTATIS (2013): Genesis-Online Datenbank des Statistischen Bundesamtes. Aus- und Einfuhr (Außenhandel): Deutschland, Jahre, Warenverzeichnis (6-/8-Steller). https://www-genesis.destatis.de.

FAO Datenbasis (2013): www.faostat.org.

MEG (2013): Marktinfo Eier & Geflügel (Hrsg.): MEG-Marktbilanz Eier und Geflügel 2013. Stuttgart 2013.

MEG (2013): Marktinfo Eier & Geflügel (Hrsg.): MEG Mediendienst. Bedeutung deutscher Geflügelfleischlieferungen nach Afrika gering.

Republic of South Africa (2011): Department: Agriculture, Forestry and Fisheries (Hrsg.): A Profile of the South African Broiler Market Value Chain. www.daff.gov.za.

USDA (2013a): Foreign Agricultural Service/USDA: Broiler Meat Selected Countries Summary. November 2013.

USDA (2013b): Foreign Agricultural Service: Gain Report: South Africa Poultry Update: the supply and demand for broiler meat in South Africa.

USDA (2013c): Foreign Agricultural Service/USDA: Turkey Meat Selected Countries Summary. November 2013.

WTO (2013): World Trade Organization (Hrsg.): South Africa - Anti-Dumping Duties on Frozen Meat of Fowls from Brazil - Request for consultations by Brazil. https://docs.wto.org/dol2fe/Pages/FE_Search/FE_S_S006.aspx?Query=%28@Symbol=%20wt/ds439/*%29&Language=ENGLISH&Context=FomerScriptedSearch&languageUIChanged=true#.

 

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