Nachhaltigkeit Geflügel - Geflügelwirtschaft


16.07.2014

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Antibiotika in der Geflügelhaltung

Regina Bartel*

 

Seit Jahren ist der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ein in der Öffentlichkeit intensiv diskutiertes Thema. Im Fokus der Auseinandersetzung stehen nicht nur Tierschutzaspekte sondern auch die Frage, wieviele Rückstände dieser Medikamente in der Umwelt und über tierische Lebensmittel auch beim Verbraucher ankommen. Außerdem besteht die Befürchtung, der Einsatz identischer Wirkstoffe in Veterinär- und Humanmedizin reduziere langfristig die Wirksamkeit dieser Substanzen bei der Behandlung von Infektionskrankheiten. Dabei wird immer wieder der Vorwurf laut, die aktuelle Praxis der Medikamentengabe in der landwirtschaftlichen Tierhaltung sei für eine Zunahme antibiotika-resistenter Bakterien (mit-) verantwortlich. Um der Frage nachzugehen, ob Antibiotika im Agrarbereich zu viel oder falsch angewandt werden, ist es wichtig, zu wissen, warum und wie diese Substanzen zum Einsatz kommen.

 

Antibiotika - ausschließlich gegen Bakterien

Antibiotika sind – heute zumeist großtechnisch hergestellte - Wirkstoffe, die sich zur Bekämpfung bakteriell verursachter Infektionen eignen. Bei einem Großteil der von den Veterinärmedizinern verschriebenen Antibiotika handelt es sich um naturidentische Stoffwechselprodukte, die von Mikroorganismen wie z. B. Pilzen zum überleben gegen bakteriellen Fraß gebildet werden. Das bekannteste Beispiel ist das Antibiotikum Penicillin, welches von einem Schimmelpilz der Gattung Penicillum gebildet wird.
Antibiotika verhindern, dass sich pathogene, also krankheitsverursachende, Bakterien im erkrankten Körper weiter vermehren. Die Wirkmechanismen sind dabei höchst unterschiedlich: Es gibt zum Beispiel Antibiotika, die Stoffwechselvorgänge bestimmter Bakteriengruppen blockieren können und solche, die die Zellwände der Einzeller durchlässig machen. Wesentlich ist, dass diese Mechanismen oft sehr spezifisch nur bei bestimmten Bakteriengruppen funktionieren. Das bedeutet: Nicht jedes Antibiotikum hilft gegen jede bakteriell verursachte Erkrankung. Einige, sogenannte Breitspektrum-Antibiotika decken – wie ihr Name schon sagt – ein breites Spektrum, also eine größere Gruppe potenzieller Erreger ab. Generell gilt, dass ein Antibiotikum nur dann die gewünschte Wirkung erzielen kann, wenn es auf einen empfindlichen Erreger trifft. Außerdem muss es in ausreichend hoher Konzentration über einen genügend langen Zeitraum mit den Erregern in Kontakt bleiben, damit diese möglichst vollständig abgetötet werden.

 

Resistenzen: Widerstandsfähige Bakterien

Neben korrekter Diagnose, Dosierung und Anwendungsdauer ist für den Behandlungserfolg entscheidend, dass möglichst keine pathogenen Bakterien überleben, um nicht die Bildung sogenannter Resistenzen zu fördern. Überlebende Bakterien, die z.B. durch eine zufällige Mutation widerstandsfähiger gegen das Medikament waren, können sich trotz Behandlung weiter vermehren, sie haben gegenüber den empfindlichen Bakterien einen Selektionsvorteil. Je häufiger resistente Bakterien vorkommen und je weniger empfindlich sie gegen die antibakteriellen Wirkstoffe sind, umso schwieriger wird die Behandlung der Infektionskrankheit, denn es muss ein Antibiotikum gefunden werden, dass in so einem Fall noch Wirkung zeigt.
So sind z.B. einige Stämme von Staphylococcus aureus unempfindlich gegen das Antibiotikum Methicilin geworden, diese MRSA (methicilin-resistenten S. aureus) kommen auch in der Tierhaltung vor und Menschen, die regelmäßig in Tierbeständen arbeiten, wie Landwirte oder Tierärzte, können leicht zu Trägern von diesen Keimen werden.
Suboptimaler Einsatz von Antibiotika (zu kurze Anwendung, zu niedrige Dosierung, ungeeigneter Wirkstoff) fördert Resistenzbildung. Bakterien können einzelne oder multiple Resistenzen bilden bzw. erwerben. Viele Bakterien sind in der Lage, untereinander Abschnitte ihres Erbgutes auszutauschen und so die einmal erworbenen oder zufällig entstandenen Resistenzen weiterzugeben. So kommt es, dass nicht nur die Krankheitserreger Resistenzen entwickeln, sondern auch eigentlich harmlose Keime, die natürlicher Weise zur Darmflora gehören oder die Haut besiedeln, unempfindlich werden.


Anwendung in der landwirtschaftlichen Tierhaltung – gestern und heute

Die Abgabemenge der Pharmahersteller an deutsche Veterinärmediziner wird für das Jahr 2011 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMVEL) mit 1.734 Tonnen angegeben. Anders als in der Humanmedizin werden im Veterinärbereich die Medikamente nicht über Apotheken, sondern über die Tierarztpraxen vertrieben. Die Tierärzte geben die Präparate gemäß ihrer Diagnose an die Tierhalter ab. Dieser setzt die abgegeben Arzneimittel nach den Angaben des Arzneimittelabgabe und –anwendungsbeleges bei den Tieren ein.
Für den Einsatz von Antibiotika bei Tieren bestehen gegenüber den Überwachungsbehörden (Veterinärämter und übergeordnete Stellen) Nachweispflichten für den Tierarzt wie auch den Tierhalter. Die Anwendung ist über das Arzneimittelgesetz geregelt und das schreibt vor, dass Antibiotika in der Tierhaltung ausschließlich zur Behandlung von kranken Tieren eingesetzt werden dürfen. Was heute trivial erscheint, war noch vor wenigen Jahren keine Selbstverständlichkeit: Antibiotika wurden in niedrigen Dosen dem Futter beigemischt. Fehlendes Wissen über eine tiergerechte bzw. darmgerechte Ernährung der Aufzucht- und Masttiere und eine Fülle von noch nicht gemerzter bakterieller Infektionskrankheiten in den übergeordneten Zuchtstufen, machten diese unterschwelligen Antibiotikagaben für eine erfolgreiche Mast lange notwendig. Mit wachsendem Wissen über Resistenzen und die Übertragung von resistenten Bakterien auf den Menschen, ist in den 1980er Jahren eine kritische Diskussion über vermeidbaren Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung in Gang gesetzt worden.
Erst zum 1. Januar 2006 erfolgte über eine EU-Verordnung (EG Nr. 183/2003 Artikel 11 Absatz 2) das entgültige Verbot für Handel und Verwendung der antibiotischen Leistungsförderer. Zuvor (1997 und 1998) hatte man auf EU-Ebene bereits antibiotische Futterzusätze aus dem Verkehr genommen, die Wirkstoffe enthielten, die auch als Medikamente in der Humanmedizin Einsatz finden. In Schweden wurden die antibiotischen Leistungsförderer bereits 1988 verboten.
Ist 1.734 Tonnen Antibiotika – eingesetzt im Jahr 2011 in der deutschen Tierhaltung - eine beeindruckende Zahl? Ist das (zu) viel? Es liegen keine Vergleichswerte vor, denn die Abgabemenge wurde in dieser Form erstmals erfasst. Erst in den kommenden Jahren werden die Daten, die das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) sammelt, zeigen, wie sich die Antibiotika-Gabe in deutschen Ställen insgesamt entwickelt. Die Erfassung ist Teil der vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) initiierten Deutschen Antibiotika Resistenzstrategie (DART), deren Ziel es ist, die Einflüsse der Lebensmittelkette und der Tierhaltung auf das Vorkommen von resistenten Bakterien auch beim Menschen zu untersuchen.
Eine angemessene Behandlung ist notwendig: Das Tierschutzgesetz (§2 und 18 (1)), gestützt vom Grundgesetz (§20a), das 2002 Tierschutz als Staatsziel festgelegt hat, verlangt eine der Tierart angemessene Unterbringung und Pflege der Tiere. Dazu gehört, Schmerzen und Leiden zu verhindern. Wo Tiere gegen bakteriell verursachte Krankheiten behandelt werden müssen, ist der Einsatz von Antibiotika also unumgänglich und zwar in der notwendigen Menge und einer ausreichenden Anwendungsdauer. Bei unzureichender Behandlungsdosierung steigt – wie bereits oben beschrieben – das Risiko, im Stall antibiotika-unempfindliche, also resistente, Bakterien zu züchten und obendrein keinen ausreichenden Behandlungserfolg zu erzielen.
Verwendet die landwirtschaftliche Tierhaltung zu viel Antibiotika? Und was ist eigentlich „zu viel“ und wer sind die, die „zu viel“ Antibiotika einsetzen? Hier ist – je nachdem wie und ob die Daten erfasst werden, oft die Vergleichbarkeit schon zwischen den Bundesländern nicht gegeben. Eine Studie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen wertete in der ersten Jahreshälfte 2011 Gesundheitsbescheinigungen aus, die für die Lieferung an den Schlachthof vorliegen müssen. Bei 832 Masthähnchen-Chargen, die man eindeutig einem Betrieb zuordnen konnte, wurde die Anwendung von Antibiotika betrachtet. Von den 184 Betrieben, in denen diese Tiere gemästet worden waren, hatten nur 19 gar keine, 24 nicht in jedem Mastdurchgang Antibiotika benötigt – von allen Mastdurchgängen waren 16% ohne Antibiotikaeinsatz abgelaufen. Auf die Tierzahlen bezogen hatten 92,5% der Tiere mindestens eine antibiotische Behandlung erhalten. Die Autoren der Studie zogen daraus das Fazit, dass die Haltungssysteme nicht Tierschutzkonform sein können, wenn ein solch hoher Behandlungsbedarf entstand.
Nun waren hier sowohl die Tiergruppen, die Betriebsgrößen als auch die Mastdauer und damit die Anzahl der Mastdurchgänge in dem Zeitraum in den einzelnen Betrieben stark unterschiedlich. Das Risiko, dass Tiere im Bestand behandlungsbedürftig erkranken, ist also nicht identisch, außerdem wird bei einer Infektion immer prophylaktisch die ganze Herde behandelt, z.B. in dem die Medikamente über die Tränkewasseranlage gegeben werden. Einzeltiere zu greifen und individuell zu behandeln, ist im Geflügelbestand arbeitstechnisch und wirtschaftlich kaum leistbar. Darüber hinaus sind in Deutschland keine Injektionspräparate zugelassen, die eine Anwendung für das Geflügel besitzen.
Erst die Vermeidung bakterieller Erkrankungen, also die generelle Verbesserung der Herdengesundheit, lässt diese Medikamente aus den Ställen verschwinden. Zur Verbesserung der Herdengesundheit sind Politik, Forschung, Landwirte und Tierärzte gleichermaßen gefragt. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, verstärkt auf Impfungen zu setzen, um über das Immunsystem der Tiere die Bestandsgesundheit insgesamt zu verbessern.


Campylobacter, Salmonella und andere Keime

Bakterien sind für das Leben von Mensch und Tier absolut notwendig, denn ohne sie wäre zum Beispiel die Verdauung nicht möglich. Neben den nützlichen und erwünschten Bakterien kommen im Darm und in der Umgebung von Mensch und Tier aber auch solche vor, die Krankheiten auslösen können. Einige davon kommen typischer Weise auch immer wieder in Geflügelbeständen vor. Zu den problematischen Keimen im Stall gehören Vertreter der Gattungen SalmonellaCampylobacter und Yersinia.
Arten dieser Bakteriengattungen können Durchfallerkrankungen auslösen. Da Patienten mit Durchfallerkrankungen oft keinen Arzt aufsuchen, weil Bagatellinfektionen von alleine abklingen, wird nur in einem Teil der Fälle die Feststellung des Erregers durchgeführt. Daher ist insgesamt wenig darüber bekannt, wie häufig diese Bakteriengruppen wirklich zu Erkrankungen beim Menschen führen. Ansteckung erfolgt zum Beispiel über roh oder nur unzureichend gegart konsumierte Produkte auf denen sich, wenn die Kühlkette unterbrochen ist, Keime rasant vermehren. Es sind auch andere Ansteckungswege möglich.
Aber wie kommen diese Bakterien überhaupt auf das Lebensmittel? Salmonellen und andere Bakterien können über kontaminierte Futtermittel oder durch eindringende Schadnager wie Ratten und Mäuse, die belasteten Kot hinterlassen, in den Stall gelangen. Auch Menschen, die mit den Tieren in Kontakt kommen, sind mögliche Eintragsquellen. Strikte Hygiene vom Zuchtbetrieb bis zum Schlachthof ist seit Jahren Bestandteil der Haltungsvorschriften für Tiere, die zur Lebensmittelerzeugung gehalten werden. Auch Impfungen sind ein geeignetes Mittel, um spezielle Krankheitserreger, wie
z. B. Salmonellen aus der Lebensmittelkette oder Newcastle Disease Viren aus der Tierhaltung fern zu halten. Sie dienen einerseits dem Verbraucherschutz und andererseits der Tierseuchen-Vorsorge.
Im Fall der Salmonellen regelt die Hühner-Salmonellen-Verordnung (HüSalmoV, aktuelle Fassung von 2009) Kontrollen, Impfung und hygienische Anforderungen um die Salmonellenbelastung in den Beständen zu minimieren.


Identische Wirkstoffe für Mensch und Tier

Lebensmittel tierischen Ursprungs sind ein Weg, auf dem resistente Keime zum Menschen gelangen, vor allem, wenn mit der Ware nicht hygienisch einwandfrei gearbeitet wird. Auch Personen, die nicht direkt mit Tierhaltung zu tun haben, können so von den widerstandsfähigeren Bakterien besiedelt werden. Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Wer ständig mit Tieren arbeitet, trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit unempfindlichen Keime auf der Haut, auf Schleimhäuten oder in der Darmflora. Eine 2012 veröffentlichte Studie der Universität Groningen zeigte, dass resistente Keime sich dauerhaft am Menschen halten können. Die Wissenschaftler untersuchten das Vorkommen von MRSA auf der Nasenschleimhaut von Schweinehaltern im Münsterland. 77% der Testpersonen, die ständig und mehrere Stunden am Tag mit Schweinen arbeiteten, wurden positiv getestet, auch nach einem Urlaub trugen noch 59% der Testpersonen die Keime in der Nase.
Im gesunden Organismus fallen diese Keime nicht weiter auf. Aber wenn eine Immunschwäche vorliegt, der Mensch gegen eine Krankheit behandelt oder operiert werden muss, können resistente Keime Komplikationen verursachen. Landwirten und Veterinären sowie ihre Familienangehörigen wird daher empfohlen, bei der Einlieferung in ein Krankenhaus oder geplant durchgeführten Operationen schon im Vorfeld anzugeben, dass sie Kontakt zu Nutztieren haben.
Da Veterinär- und Humanmedizin identische Wirkstoffe nutzen, bedeutet dies, dass die Medikamente gleichermaßen ihre Wirksamkeit verlieren, wenn vermehrt Resistenzen auftreten. Einige Antibiotika werden sehr regelmäßig eingesetzt, diese Wirkstoffe sind teils seit Jahrzehnten – nach Auslaufen des Patentschutzes auch in Form von Generika - auf dem Markt.
Andere Wirkstoffe kommen nur in besonderen Fällen zum Einsatz. Die „stärksten“ Mittel gegen bakterielle Infektionen sind die sogenannten Reserveantibiotika. Darunter verstehen Mediziner die Medikamente, die zum Einsatz kommen, wenn die gängigen Präparate nicht helfen: Diese Substanzen bekämpfen besonders schwere Infektionskrankheiten oder sind die letzte Möglichkeit, wenn die übliche Behandlung aufgrund einer Resistenz des Erregers nicht greift.
Je mehr der gängigen Antibiotika in ihrer Wirkungsweise abstumpfen, weil Resistenzen, die Bakterien widerstandsfähig machen und je mehr dieser schwer angreifbaren Bakterien beim Menschen vorkommen, umso häufiger muss die Medizin auf Reserveantibiotika zurückgreifen. Forschung und Entwicklung suchen ständig nach neuen Wirkstoffen, um die Palette der einsetzbaren Substanzen zu erweitern. In dieser „Co-Evolution“ zwischen Resistenzbildung und Pharmaforschung ist es wichtig, die Resistenzbildung einzudämmen.
Das kann unter anderem durch optimalen, gezielten Einsatz der Medikamente geschehen: die Wahl des geeigneten Wirkstoffes, seine richtige Dosierung und Anwendungsdauer (was übrigens auch in der Humanmedizin kritisch zu betrachten ist). In der Tierhaltung darüber hinaus, durch Impfungen und verbesserte Haltungsbedingungen, die verhindern, dass die Tiere krank werden.


Rückstände in der Umwelt und Verbraucherschutz

Eier, Hähnchenteile, ganze Broiler: Aus den Eiern und Tieren werden Lebensmittel. Gelangen auch Rückstände von Antibiotika und Bakterien aus der Tierhaltung über die Ware bis zum Menschen?
Im Mai 2013 veröffentlichte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aktuelle Zahlen zur Nachweisrate von regelmäßig mit tierischen Lebensmitteln assoziierten Keimen aus dem Zoonosebericht für das Jahr 2011. Zoonosen sind Krankheiten die über Tiere als sogenannte Vektoren auf den Menschen gelangen können. Für Salmonellaspp. lag die Zahl positiv getesteter Proben frischen Hähnchenfleisches aus dem Einzelhandel bei 6,2%. MRSA wurden an 48,3 % der Masthähnchenschlachtkörper und 27,7 % der Hähnchenfleischproben gefunden. Ca. jede dritte Probe frischen Hähnchenfleisches (31,6 %) war mit Campylobacterspp. kontaminiert.
Verunreinigungen sollen durch strenge Hygiene am Schlachthof und in der Verarbeitung so gering wie irgend möglich gehalten werden. Zum Verbraucherschutz gehören regelmäßige Kontrollen der Fleischhygiene. Unkontrollierbar ist für die Behörden, was mit den Lebensmitteln passiert, wenn sie den Handel verlassen haben. Wie der Verbraucher mit der Ware umgeht, ist ungewiss und individuell unterschiedlich. Unbedachtheit, mangelnde Kenntnisse in Warenkunde und Küchenhygiene können geringe Ausgangskeimzahlen am Lebensmittel explodieren lassen. Ein Beispiel sind Schneidemesser und -bretter, die erst für rohes Fleisch genutzt, dann gar nicht oder nur kurz unter fließendem Wasser abgebraust und anschließend zum Salat schneiden verwendet werden.So gelangt z.B. Campylobacter, das am Fleisch durch das Braten eliminiert wird, in den rohen Salat.
Neben den Rückständen, die sich eventuell im tierischen Lebensmittel finden, ist für Verbraucher- und Umweltschutz auch die Menge der Antibiotika von Belang, die aus dem Stall direkt in die Umgebung gelangt, sei es über Abluft, Stallstäube oder Düngung mit tierischen Exkrementen. Wissenschaftler des Max-Rubner-Institutes untersuchten Weizen und Roggenproben der Ernte 2009 und 2010 auf Antibiotikarückstände und wurden in fast der Hälfte (48%, n=64) der Proben fündig.
Wie es weiter geht: Novellierung des Arzneimittelgesetzes soll Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft reduzieren helfen
Anfang Juli 2013 stimmte der Bundesrat der 16. Novellierung des Arzneimittelgesetzes zu. Deren Umsetzung soll mehr Transparenz erzeugen, um so den Antibiotikaeinsatz langfristig zu reduzieren.
Landwirte müssen in Zukunft den Einsatz von Antibiotika auf ihren Betrieben und weitere, damit in Zusammenhang stehende Fakten, wie den Grund für die Behandlung angeben. Die Behandlungshäufigkeit mit Antibiotika soll in der Tierhaltung nun bundesweit einheitlich erfasst und für Vergleiche herangezogen werden, der Aufbau einer amtlichen Datenbank ist möglich. Das ist nicht nur für die Behörden interessant, auch dem einzelnen Tierhalter zeigen solche Kennzahlen, wie der „Gesundheitsstatus“ auf seinem Betrieb im Vergleich zum Durchschnitt liegt.
Für die Überwachungsbehörden – die nun auch enger zusammen arbeiten sollen – zeigt sich, auf welchen Betrieben der größte Handlungsbedarf besteht. Durch diese risikoorientierte Überprüfung von den Nutztier haltenden Betrieben können sie ihre Ressourcen gezielt da einsetzen, wo Probleme bestehen, statt ausschließlich – wie bisher – eine zufällige Stichprobe an Betrieben zu besuchen. Betriebe die sich weit über dem Durchschnitt des Antibiotikaeinsatzes bewegen, haben auch das größte Einsparpotenzial, wenn die Probleme wie z.B. Hygienemängel auf dem Betrieb gefunden und behoben werden. Da die Behörden nun anhand der Antibiotika-Daten darauf schließen können, wo Überwachungsmaßnahmen am ehesten zweckmäßig sind, bekommen die Antibiotika-Viel-Nutzer in Zukunft öfter Besuch vom Veterinäramt als die Landwirte, bei denen wenige Antibiotika in den Stall kommen.

 

 *Die Autorin ist freie Wissenschaftsjournalistin und wohnt in Syke


 

Literatur

LANUV, NRW, 2012, überarbeitete Fassung: Evaluierung des Antibiotikaeinsatzes in der Hähnchenhaltung
Seminar Veterinary Public Health, 3.2.2012, TiHo Hannover: Hohe Tiergesundheit bei minimalem Antibiotikaeinsatz, Tagungsunterlagen

Antibiotics in the Food Chain, Max Rubner Konferenz 2012, 8.-10.10.2012, Karlsruhe, Tagungsunterlagen
DGS intern, Heft 47/2012 – Reserveantibiotika kaum eingesetzt (AgE)

Salmonellenbekämpfung bei Schwein und Geflügel EU-Gesetzgebung und Stand der Umsetzung, 7. Juli 2006, Tagungsband zum NieKE Themenforum an der Stiftung Tierärztliche Hochschule, 2006, ISSN 1619-7666

http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Tier/Tierarzneimittel/Dossier_Antibiotika/Abgaberegister-Tierarzneimittel.html

http://www.pharmnet-bund.de/dynamic/de/tierarzneimittel-abgabemengen/index.htm

http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Tier/Tierarzneimittel/Dossier_Antibiotika/DART.html;jsessionid=E92FD408546399525665ECC87DC41466.2_cid385

http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Tier/Tierarzneimittel/Dossier_Antibiotika/Gesetz_Antibiotikarsistenzen.html

http://www.pnas.org/content/110/9/3435.full.pdf+html?sid=b0697a8f-791d-488e-90ae-b493222733bc

http://aem.asm.org/content/78/11/4046.long

http://fbi-zoo.net/seite03.html

http://www.mrsa-net.org/DE/vetmed-pziele.html

 

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