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15.11.2017

Zur Situation der Eierwirtschaft in den drei NAFTA-Ländern

Hans-Wilhelm Windhorst1

Bereits im Wahlkampf hatte Donald Trump angekündigt, dass er im Falle seiner Wahl zum Präsidenten der USA das seit 1994 bestehende Freihandelsabkommen zwischen Kanada, Mexiko und den USA kündigen werde, weil er es für den schlechtesten Vertrag aller Zeit halte und die USA Millionen von Arbeitskräften gekostet habe. Diese Ankündigung hat er mehrfach wiederholt. Es ist wohl auf die Intervention des Landwirtschaftsministers Sonny Perdue zurückzuführen, dass der Vertrag nicht gekündigt wurde und seit August 2017 Verhandlungen über einen Neuvertrag laufen. Der mexikanische Präsident hatte zwischenzeitlich angekündigt, dass für den Fall, dass Präsident Trump den NAFTA-Vertrag aussetze, die Verhandlungen für Mexiko beendet seien. Es werde auch ein Plan B verfolgt, der u. a. einen Freihandelsvertrag allein mit Kanada und bilaterale Abkommen mit Brasilien und Argentinien vorsehe. Jüngste Meldungen weisen darauf hin, dass es bei den Verhandlungen zwar erste Fortschritte gegeben habe, die eigentlich strittigen Punkte aber noch gar nicht an Angriff genommen worden seien. Mexiko ist für die USA der drittwichtigste Handelspartner und der wichtigste Abnehmer von Geflügelfleisch und Eiern. Auch Kanada spielt für die USA im Handel mit Geflügelprodukten eine wichtige Rolle. Hier wird allerdings seitens der USA vor allem bemängelt, dass das Quotensystem für Milch, Eier und Eiprodukte den freien Zugang der US-amerikanischen Produzenten zum benachbarte kanadischen Markt sehr erschwere. Kanada erklärte während der Verhandlungen, dass es nicht bereit sei, dieses System aufzugeben und selbst ein Scheitern der Konsultationen in Kauf nehmen werde.

Legehennenhaltung und Eiererzeugung im Vergleich

Im folgenden Abschnitt sollen die Legehennenhaltung und Eiererzeugung der drei Länder verglichen werden. Aus Tabelle 1 kann man entnehmen, dass hinsichtlich der Legehennenbestände und der Produktion sehr große Unterschiede vorliegen, die zum einen auf den stark voneinander abweichenden Pro-Kopf-Verbrauch, aber auch auf die große Differenz in der Bevölkerungszahl zurückzuführen ist. Mit nur 36,3 Mio. Einwohnern liegt Kanada weit hinter Mexiko (120 Mio.) und den USA (323 Mio.). Mexiko wies 2016 einen Pro-Kopf-Verbrauch von 371 Eiern auf, gefolgt von den USA (272) und Kanada (239).

Tabelle 1:
Legehennenbestände Kanadas, Mexikos und der USA in den Jahren 2014 bis 2016; Angaben in Mio. Hennen
(Quelle: International Egg Commission)

Mit 309 Mio. Hennen stellten die USA 2016 62,7 % der Gesamtbestände der NAFTA-Länder, Mexiko 23,2 % und Kanada nur 5,1%. Allein aus diesem Ungleichgewicht ist erklärlich, dass Kanada Importquoten festgelegt hat, weil ansonsten die Produzenten der USA mit ihren geringeren Produktionskosten Kanada überrollt hätten.

Tabelle 2:
Eiererzeugung in Kanada, Mexiko und der USA in den Jahren 2014 bis 2016; Angaben in 1.000 t
(Quelle: International Egg Commission)

Im Jahr 2016 stellten die USA 62,1 % der Eiererzeugung der NAFTA, Mexiko 32,1 % und Kanada 5,8 %.Das ist etwa die zu erwartende Verteilung entsprechend der Legehennenbestände. Der Einbruch in der Erzeugung der USA im Jahr 2015 ist auf die massiven Verluste von etwa 42 Mio. Hennen als Folge der Ausbrüche der Aviären Influenza im nördlichen Mittelwesten zurückzuführen (vgl. Windhorst 2016). Kanada erzeugt weniger als ein Zehntel im Vergleich zu den USA und etwa ein Fünftel des Produktionsvolumens Mexikos. Auch diese Gegenüberstellung macht verständlich, weshalb Kanada Einfuhrquoten für Eier und Eiprodukte festgelegt hat.

Enge Handelbeziehungen beim Handel mit Eiern

Aufgrund des Freihandelsabkommens haben sich zwischen den drei Ländern enge Handlebeziehungen entwickelt. Dies gilt nicht nur für Agrarprodukte, sondern auch für Industriegüter. Die niedrigen Lohnkosten in Mexiko haben dazu geführt, dass dort Produktionsstätten für Autos und technische Geräte entstanden sind, die dann von dort in die USA exportiert werden. Nach Schätzungen des Wirtschaftsministeriums der USA sind dadurch allein 14 Mio. Arbeitsplätze aus den USA in das südliche Nachbarland verlagert worden. Präsident Trump hat damit gedroht, zwischen 20 % und 35 % Strafzölle auf solche Erzeugnisse zu erheben, um damit zum einen die Importe zu verringern und zum anderen die geplante Mauer zwischen den USA und Mexiko zu finanzieren. Diese Werte werden zwar gegenwärtig nicht mehr genannt, doch würden im Falle eines Scheiterns der Neuverhandlungen Zölle entsprechend der WTO-Richtlinien (Welthandelsorganisation) anfallen. Der Mindestsatz wäre 3,5 %.

Die Vertreter der US-amerikanischen Geflügelwirtschaft (U.S. Poultry & Egg Association und American Egg Board) haben dringend vor einem Zerfall der NAFTA gewarnt, weil dies die Geflügelwirtschaft stark treffen werde. Dies gilt in noch viel höherem Maße für das Geflügelfleisch als für Eier- und Eiprodukte. Während etwa 17 % der in den USA erzeugten Hähnchen exportiert werden, sind es nur etwa 1,5 % der erzeugten Eier. Mexiko ist der weitaus wichtigste Markt für die Geflügelfleischexporte der USA. Etwa 163.000 t Hähnchenfleisch und 5.500 t Putenfleisch nahm das Land auf, dazu über 6.800 t an Schaleneiern. Kanada rangiert auf dem zweiten Rangplatz mit Importen von 36.700 t Schaleneiern aus dem Nachbarland. Mexiko und Kanada hatten zusammen einen Anteil von 36,3 % an den US-amerikanischen Eierexporten.

Tabelle 3:
Eierexporte Kanadas, Mexikos und der USA in den Jahren 2014 bis 2016; Angaben in t
(Quelle: International Egg Commission)

Aus Tabelle 3 kann man entnehmen, dass die Eierexporte der USA wegen der Produktionseinbrüche im Gefolge der AI-Ausbrüche seit 2014 deutlich zurückgegangen sind. Die Abnahme in Kanada ist auf den deutlich gestiegenen Pro-Kopf-Verbrauch zurückzuführen.

Tabelle 4 lässt erkennen, dass die Importmengen der USA stark schwankten. Der Einbruch in der Eiererzeugung im Jahr 2015 hatte steigende Eierimporte zur Folge, um den inländischen Markt hinreichend versorgen zu können. Mexiko hatte sich von den Folgen der AI-Ausbrüche im Jahr 2012 weitgehend wieder erholt als 2016 erneut Ausbrüche auftraten, die eine Steigerung der Einfuhren notwendig machten. Kanada konnte trotz des höheren Pro-Kopf-Verbrauchs die Importe wegen der schnellen Bestandsaufstockung und der deutlich gestiegenen Erzeugung gegenüber 2015 um fast 20 % reduzieren. Für 2017 ist die Importquote um 110 Mio. Eier oder 1,4 % erhöht worden, was für die USA neue Exportchancen bietet.

Tabelle 4:
Eierimporte Kanadas, Mexikos und der USA in den Jahren 2014 bis 2016; Angaben in t
(Quelle: International Egg Commission)

Wie geht es weiter?

Weil nicht erwartet wird, dass man bis zum Ende des Jahres zu einem Abschluss der Verhandlungen kommen wird, haben die Verhandlungsführer vorsorglich eine Verlängerung der Konsultationen bis in das erste Quartal 2018 vereinbart. Sollte es bis dahin zu keiner Einigung kommen, könnte die Kündigung des Vertrages durch Präsident Trump drohen. Diese Kündigung würde dann nach 6 Monaten in Kraft treten. Der mexikanische Außenminister, Luis Videgaray, erklärte am 13. 11. 2017 in einer Pressekonferenz, dass man zwar auf einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen hoffe, man sich aber in mehreren Szenarien auch auf ein Scheitern vorbereite und entsprechende Vorbereitungen treffe. Ohne Einzelheiten zu nennen, kann aus vorangehenden Erklärungen erwartet werden, dass Mexiko auf jeden Fall versuchen wird, das Abkommen bilateral mit Kanada aufrecht zu erhalten.


 

Ergänzende Literatur
Windhorst, H.-W.: Abschließende Bilanz der AI-Ausbrüche in den USA 2015. Jetzt existieren Notfallpläne. In: Deutsche Geflügelwirtschaft und Schweineproduktion 68 (2016), Nr. 20, S. 3-5.
Windhorst, H.-W.: Mexikos Geflügelwirtschaft: Erholungsphase ist gefährdet. In: Deutsche Geflügelwirtschaft und Schweineproduktion 69 (2017), Nr. 17, S. 4-5.

 

 

1Autor:

Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst
Wissenschaftlicher Leiter des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING) der Universität Vechta

Tel.: 04441 15 348

 

 

 

 

Universität Vechta