Nachhaltigkeit Geflügel - Geflügelwirtschaft


Sie sind hier:     

04.04.2017

Ostereier aus dem Freiland werden knapp

Die wichtigsten Antworten zum Osterei

Wie viele Eier legt ein Huhn pro Jahr? Warum sind gefärbte Eier nicht gekennzeichnet? Und warum bringt ausgerechnet ein Hase die Eier zum christlichen Osterfest? Das Team des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING) an der Uni Vechta beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Osterei.

 

Gibt es wegen der Vogelgrippe überhaupt genügend Eier aus Freiland- und Biohaltung?

Eier aus deutscher Freilandhaltung wird es dieses Ostern wohl nur vereinzelt geben. Grund ist die Vogelgrippe und die mit ihr verbundene Aufstallpflicht für Freilandhennen im Geflügelland Niedersachsen. Weil die Hühner derzeit nicht nach draußen dürfen, werden Eier aus Freilandhaltungen derzeit als Bodenhaltungseier verkauft, erläutert Prof. Dr. Hans-Wilhelm-Windhorst, wissenschaftlicher Leiter des WING. Ob der Preisanstieg von Bio-Eiern damit zu tun hat, dass viele Verbraucher darauf ausweichen oder ob der Grund die allgemein größere Nachfrage zu Ostern ist, sei noch nicht klar. Zwar dürfen auch Bio-Hennen derzeit nicht nach draußen, dennoch dürfen die Eier weiter als Bio-Eier verkauft werden.

 

Ist Freilandhaltung wirklich die beste Haltungsform für ein Huhn?

Richtig ist, dass ein Huhn in der Freilandhaltung am meisten Platz hat – und zwar 4 Quadratmeter Auslauffläche pro Henne im Außenbereich. Da Hühner Herdentiere sind, nutzen sie den Platz nicht aus, sondern halten sich meist in der Nähe des Stalls auf. Dort sind sie auch besser vor natürlichen Feinden wie Raubvögeln geschützt. Auch die Wahrscheinlichkeit von Infektionen und die Sterblichkeitsrate sind in der Freilandhaltung höher.

 

Wieso gibt es Ostereier?

Das Ei gilt seit dem Mittelalter als das Symbol für die Auferstehung Christi. Eier waren früher in der Fastenzeit verpönt. Da die Hühner aber nicht aufhörten, Eier zu legen, gab es zu Ostern entsprechend viele davon.

Warum sind braune Eier normalerweise gefragter als weiße?
Braune Eier wirken natürlicher. Weiße Eier stehen dagegen mehr für Sauberkeit. Die Deutschen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrheitlich dafür entschieden, dass ein Ei natürlich aussehen soll. In den USA ist es genau umgekehrt. Die meisten Eier dort sind weiß. Nur zu Ostern steigt die Nachfrage nach weißen Eiern sprunghaft an, weil sie sich angeblich besser färben lassen. Das ist auch der Grund, warum weiße Eier vor Ostern deutlich teurer sind als braune, sagt Prof. Windhorst. Dabei lassen sich braune Eier in der Regel genauso gut färben wie weiße.

 

Warum gibt es überhaupt braune und weiße Eier?

Das hängt von der Rasse der Hühner ab. Dabei lässt sich nicht sagen, dass Hennen mit braunem Federkleid nur braune und Hennen mit weißem Federkleid weiße Eier legen. In der Rassegeflügelzucht gibt es auch Hühnerrassen, die grüne, rötliche oder bläuliche Eier legen.

 

Wie lange halten sich gekochte Ostereier?

Werden die Eier nicht gekühlt, sind sie etwa zwei Wochen haltbar – vorausgesetzt sie wurden mindestens zehn Minuten hart gekocht. Im Kühlschrank bleiben sie laut Bundesinstitut für Risikobewertung immerhin vier Wochen lang frisch. Eier verderben schneller, wenn die Schale beschädigt ist, weil dann Keime in das Ei eindringen können. Aus diesem Grund sollten Eier auch nach dem Kochen nicht mit kaltem Wasser abgeschreckt werden: Beim Abschrecken gelangen das Wasser und eventuell enthaltene Keime durch kleine Risse oder die poröse Schale in das Innere des Eis. Dadurch verkürzt sich die Haltbarkeit auf wenige Tage, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

 

Aus welcher Haltungsform stammen die meisten Ostereier?

Nahezu 63 % aller Eier stammen von Hennen, die in Bodenhaltung eingestallt sind. Auch die eingefärbten Eier kommen ganz überwiegend aus dieser Haltungsform. Eier aus Freilandhaltung haben einen Anteil von 17,2 Prozent. Fast jedes zehnte Ei stammt aus Bio-Haltung – Tendenz steigend. Etwa 10 Prozent der Eier kommen aus so genannten Kleingruppenhaltungen, die den vor fünf Jahren verbotenen Käfig ersetzt haben. Diese werden aber zum größten Teil weiterverarbeitet, zum Beispiel für Nudeln und Kuchen. Der Einzelhandel verkauft so gut wie keine Kleingruppeneier mehr. (Quelle: Marktinfo Eier und Geflügel).

 

Woran erkenne ich, aus welcher Haltungsform ein Ei stammt?

Das verrät der Aufdruck auf dem Ei. Die Kennzeichnung DE steht für Deutschland. Die Zahl davor kennzeichnet die Haltungsform. 1 bedeutet Freilandhaltung, 2 Bodenhaltung und 3 Kleingruppenhaltungen. Die 0 findet sich auf Bio-Freilandeiern. Die weiteren Zahlen kennzeichnen das Bundesland, Betrieb und Stall, in dem das Ei gelegt wurde. Wer die gesamte Nummer unter der Webadresse www.was-steht-auf-dem-ei.de eingibt, erhält alle Informationen über den Betrieb und den Stall.

Wie viel Eier legt ein Huhn?

In der Regel legt eine Henne fast täglich ein Ei, im Durchschnitt sind es rund 300 Eier pro Jahr. Die ersten Eier legt ein Huhn im Alter von etwa fünf Monaten. Sie gelangen aber nicht in den Handel, weil sie noch zu klein sind und die Schale noch zu dünn ist. Häufig sind auch Eier mit zwei Dottern dabei.

 

Wann schlüpfen Küken aus den Eiern?

Küken entstehen nur, wenn die Henne vorher von einem Hahn befruchtet wurde. Hühner benötigen allerdings keinen Hahn in ihrem Umfeld, damit sie Eier erzeugen. Das Ei wird ein paar Tage nach dem Eisprung einfach unbefruchtet ausgeschieden und nicht bebrütet. Aus einem befruchteten Ei schlüpfen die Küken bereits nach 21 Tagen.

 

Wie viele Eier pro Woche sind für Menschen gesund?

Eier sind sehr gesund. Sie enthalten viele Proteine und Vitamine. Die Annahme, dass Eier den Cholesterin-Spiegel erhöhen, ist überholt. Denn die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung ist begrenzt. Überschüssiges Cholesterin wird über den Harn ausgeschieden. Nach aktuellem Wissensstand ist der Verzehr von Eiern für gesunde Menschen unbedenklich. Für Menschen mit genetischer Veranlagung zu Fettstoffwechselstörungen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung den Verzehr von höchstens zwei bis drei Eiern pro Woche.

 

Warum bringt eigentlich ein Hase die Ostereier?

Der Osterhase wird zum ersten Mal von dem Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau im Jahr 1682 in der Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“ erwähnt. Er schildert für Oberdeutschland, Pfalz, Elsass und angrenzende Gebiete sowie Westfalen den Brauch, dass der Osterhase die Eier in Gärten im Gras und Gesträuch versteckt, wo sie zur Freude und Belustigung der Erwachsenen von den Kindern gesucht werden. Dass der Osterhase die Eier verstecke, nennt er „eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet“. In einigen Teilen der Schweiz war der Kuckuck der Eierlieferant, in Teilen von Westfalen war es der Osterfuchs, in Thüringen brachte der Storch und in Böhmen der Hahn die Eier zum Osterfest.

 

Rückfragen, die diesen Artikel betreffen, richten Sie bitte an:

Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst (Wissenschaftlicher Leiter WING)
Telefon: 04441-15348
E-Mail: hwindhorst@wing.uni-vechta.de

 

 

 
 
 

 

 
Universität Vechta