Nachhaltigkeit Geflügel - Geflügelwirtschaft


Sie sind hier:     

 

Er prägte die Entwicklung der Weltgeflügelwirtschaft

Zum Tode von Josef Meerpohl

Am 6. März 2017 ist Josef Meerpohl im Alter von 85 Jahren gestorben. Mit ihm hat nicht nur die deutsche Geflügelwirtschaft eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten verloren. Wie wohl kein anderer hat er die Entwicklung der Weltgeflügelwirtschaft entscheidend beeinflusst. Es sollen an dieser Stelle nur einige Grundzüge der Entwicklung des Unternehmens Big Dutchman nachgezeichnet werden.

Die Entwicklung von der Übernahme einer Handelsvertretung für das Unternehmen Big Dutchman im Jahre 1958 bis hin zum heute weltweit agierenden und führenden Unternehmen in der Konzeption und der Vermarktung von Anlagen in der Nutztierhaltung, insbesondere der Geflügelhaltung, mit 2 900 Mitarbeitern, davon nahezu 900 am Stammsitz in Calveslage (Landkreis Vechta), ist eine Erfolgsgeschichte, die kaum Parallelen haben dürfte.

Eine Erklärung für den wirtschaftlichen Erfolg von Josef Meerpohl war sein zuverlässiges Gespür für sich abzeichnende Entwicklungen und zukünftig entstehende Märkte. Schon früh erkannte er die Möglichkeiten für die Legehennenhaltung und Eierproduktion, die sich aus der Kombination der Futterkette, die von den Gebrüdern de Witt 1938 in den USA entwickelt wurde, mit geschlossenen Haltungseinrichtungen ergaben, in denen jeweils nur wenige Hennen untergebracht waren. Damit ließ sich das hohe Erkrankungsrisiko der Legehennen, die im Freiland gehalten wurden, entscheidend verringern, weil man sie von dem anfallenden Kot trennen konnte. Gleichzeitig ließ sich die Qualität und hygienische Sicherheit der Eier deutlich verbessern. Der Vertrieb dieser Anlagen stand am Beginn des wirtschaftlichen Erfolges. Damit waren auch die finanziellen Möglichkeiten gegeben, die es ihm erlaubten, in den 1980er Jahren das Unternehmen Big Dutchman zu erwerben, zunächst ohne die Vertriebsrechte in Nord- und Südamerika, und es 1999 vollständig zu übernehmen. Dabei kam ihm sicherlich zugute, dass das von den heimischen Banken in ihn gesetzte Vertrauen bei der Finanzierung seiner Vorhaben nie enttäuscht wurde. Er lebte, wie es ein Laudator bei einer der zahlreichen Ehrungen ausdrückte, das Vorbild des ehrbaren Kaufmanns.

Josef Meerpohl war davon überzeugt, dass man durch die Haltung der Legehennen in solchen Anlagen, die dann später massiv in die Kritik der Tierschützer gerieten, die Lebensbedingungen der Legehennen deutlich verbessert hatte. Dem Übergang zu alternativen Haltungssystemen (Boden- und Freilandhaltung) stand er abwartend gegenüber, weil er befürchtete, dass sich wieder Krankheiten ausbreiten würden, denen man erfolgreich begegnet war, was dann wiederum einen höheren Medikamenteneinsatz notwendig machen würde. Aber weil er sich sicher war, dass sich hier schon bald neue Märkte öffnen würden, veranlasste er die Entwicklung alternativer Haltungssysteme, die dann in wenigen Jahren zu einem großen Markterfolg wurden. Initiativen zu mehr Tierwohl stand er sehr positiv gegenüber, allerdings lehnte er nationale Alleingänge der Politik ab und forderte ein einheitliches Vorgehen in der EU, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Dem Einwirken der Politik auf den Markt stand er immer sehr skeptisch gegenüber, weil er überzeugt war, dass dies eher zu Fehlentwicklungen führe.

Josef Meerpohl hatte ebenfalls ein feines Gespür für zukünftige Märkte. Dies erklärt die frühe Zuwendung zu Asien, aber auch zu Osteuropa und Russland. Hier wurden neue Vertriebszentren aufgebaut, von denen sich diese Märkte erschließen ließen. Dabei konnte er bei der Bewertung auf sein bewundernswertes Zahlengedächtnis zurückgreifen und die Fülle der Daten in Beziehung zueinander setzen.

Josef Meerpohl blieb, obwohl das Unternehmen Big Dutchman sich auch anderen Nutztieren zuwandte (Schweine, Wassergeflügel) bis zuletzt ein Geflügelmann, wobei sein besonderes Interesse immer der Legehennenhaltung und Eierproduktion galt. Er wurde auch nicht müde darauf hinzuweisen, dass ein Unternehmen seine regionale Einbindung nicht vergessen dürfe, woraus sich die feste Bindung des Familienunternehmens an den Stammsitz in Calveslage erklärt.

Durch seinen gesellschaftlichen Einsatz, die Unterstützung von in Schwierigkeit geratenen Mitarbeitern oder auch Unternehmen praktizierte er schon über Jahrzehnte das, was heute als Corporate Social Responsibility von Unternehmen erwartet wird. Die Tatsache, dass viele der Mitarbeiterinnen und Mitabeiter dem Unternehmen über Jahrzehnte treu geblieben sind, zeigt, wie er und seine Nachfolger es verstanden haben, auf deren Vorstellungen von einer sie erfüllenden Tätigkeit einzugehen. In den Anfangszeiten des Unternehmens kannte er alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich, sprach mit ihnen, wenn sie aus der näheren Umgebung stammten, bevorzugt in Plattdeutsch und hatte immer ein freundliches Wort für sie. Mit dem stetigen Wachstum der Zahl der Beschäftigten war das nicht mehr möglich, was er bedauere, wie er betonte.

Herr Meerpohl förderte großzügig wissenschaftliche und soziale Einrichtungen, die sich dadurch zu weit über die Region hinauswirkenden Institutionen entwickeln konnten. Hervorzuheben ist sein Einsatz für den Erhalt der Universität Vechta, für die Errichtung des Instituts für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA) im Jahre 1990, des Niedersächsichen Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft (NieKE) im Jahr 2002 und des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING) im Jahr 2012. Auf Forschungsergebnisse der von ihm geförderten Institute griff er immer wieder zurück und ließ sie sich in persönlichen Gesprächen erläutern, hinterfragte sie aber auch kritisch und gab Anregungen für weitere Untersuchungen.

Seine Ideen und Konzepte werden, nachdem er sich aus dem operativen Geschäft und dem Vorsitz des Aufsichtsrates zurückzog, von seinen beiden Söhnen Bernd und Dirk Meerpohl erfolgreich weiterentwickelt.

Josef Meerpohls Verdienste um die wirtschaftliche Entwicklung der Region und sein soziales Engagement wurden durch zahlreiche Ehrungen gewürdigt. So wurde er 2002 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet. Im Jahr 2004 erhielt er den Unternehmerpreis des Verbundes Oldenburger Münsterland für sein Lebenswerk und 2011ernannte ihn die Stadt Vechta zu ihrem Ehrenbürger. Sein Engagement für die Entwicklung einer leistungs- und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft ehrte man durch die Verleihung der Verdienstmedaille in Silber der Deuten Landwirtschaftsgesellschaft im Jahr 1998; für seine Verdienste um die Geflügelwirtschaft wurde er 2002 mit dem „Goldenen Hahn“ ausgezeichnet, der höchsten Ehrung des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft. Seinen Einsatz für die Förderung der Wirtschaftsregion Weser-Ems trug man durch Vergabe des Oldenburger Wirtschaftspreises an ihn im Jahr 2009 Rechnung.

Ein hohes Ansehen genoss Josef Meerpohl in den USA, dem Ursprungsland von Big Dutchmann. Anerkennend und liebevoll wurde er dort „Big Joe“ genannt. Darin drückte sich nicht nur aus, dass er als Person das Unternehmen verkörperte, sondern es war auch eine Anerkennung für sein großes Lebenswerk.

Ich hatte noch wenige Wochen vor seinem Tode Gelegenheit, ein längeres Gespräch mit ihm zu führen. Es war offensichtlich, dass es um seine Gesundheit nicht mehr sehr gut bestellt war. Doch er sagte, dass er, wenn seine Lebensuhr abgelaufen sei, auf ein erfülltes und erfolgreiches Leben zurückblicken könne und er dafür dankbar sei, dass er diesen Weg zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern sowie seinen Freunden habe gehen können. Er nahm weiterhin regen Anteil an der Entwicklung des Unternehmens und arbeitete nahezu täglich von seinem Gartenhaus aus. Seine Mahnung an mich war, dass ich so lange arbeiten solle, wie es mir möglich sei. Das halte den Kopf frisch.

Josef Meerpohl wird der Geflügelwirtschaft als herausragende Unternehmerpersönlichkeit mit hohem sozialem Engagement, Verantwortung für das Wohlergehen seiner Belegschaft und der Region, in die er eingebunden war, in Erinnerung bleiben. Viele, die ihn näher kennenlernen durften, werden sich mit seiner Ehefrau und seiner Familie in der Trauer um seinen Tod verbunden fühlen.

 

Hans-Wilhelm Windhorst

 

 

 

 

 

Foto: Big Dutchman
 
Universität Vechta